Abschiedslieder

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Redaktion
Ein leerer Klassenraum mit Tischen, Tafel und Landkarte. Foto: WOKANDAPIX / Pixabay.
Ein leerer Klassenraum mit Tischen, Tafel und Landkarte. Foto: WOKANDAPIX / Pixabay.

Zusammenfassung

Abschiedslieder sind Lieder für einen Abschied unter Lebenden: letzter Schultag, Abschlussfeier, Ruhestand, Umzug, Ende einer Klassenfahrt. Sie unterscheiden sich damit von Trauerliedern, die zu einer Trauerfeier gehören. Der Anlass entscheidet über die Auswahl, nicht die Musikrichtung. Ein großer Teil des Bestands stammt aus dem 19. Jahrhundert und ist gemeinfrei, weshalb Schulen und Vereine diese Lieder ohne Erlaubnis drucken, aufführen und aufnehmen dürfen.

Abschiedslieder sind Lieder für einen Abschied unter Lebenden. Sie stehen am letzten Schultag, auf der Abschlussfeier, bei der Verabschiedung in den Ruhestand, vor einem Umzug und am letzten Abend einer Klassenfahrt. Damit unterscheiden sie sich von Trauerliedern, die zu einer Trauerfeier gehören. Ein großer Teil des Bestands stammt aus dem 19. Jahrhundert: Diese Lieder sind gemeinfrei, fast jeder kennt die Melodie, und niemand muss sie begleiten.

1827Erstdruck von Muss i denn
70 JahreSchutzfrist nach dem Tod
1 OktaveTonumfang für die Gruppe
2 bis 3Strophen je Anlass

Was unterscheidet Abschiedslieder von Trauerliedern?

Abschiedslieder trennen auf Zeit, Trauerlieder auf Dauer. Daraus folgt die Auswahl: Ein Abschiedslied darf ein Wiedersehen in Aussicht stellen, ein zügiges Tempo haben und mit einem Lachen enden. Ein Trauerlied kann das nicht.

Zwei weitere Unterschiede betreffen die Praxis. Bei einem Abschied singt die Gruppe selbst, bei einer Trauerfeier läuft meist eine Aufnahme. Und der Termin steht lange fest, weshalb sich ein Abschiedslied proben lässt. Einzelne Titel stehen trotzdem in beiden Listen, etwa Nehmt Abschied, Brüder.

Welche Abschiedslieder passen zu welchem Anlass?

Der Anlass entscheidet über die Auswahl, nicht die Musikrichtung.

AnlassStimmungBesetzungSprache
Letzter Schultag der Grundschuleleicht, mit Bewegungalle Kinder, Klavier oder Gitarredeutsch
Abschlussfeier nach dem Abiturernst im ersten Teil, leicht im zweitenChor oder Band, dazu Aufnahmendeutsch und englisch
Letzter Abend einer Klassenfahrtruhig, im Kreisalle singen, eine Gitarredeutsch
Ende einer Ferienfreizeitruhig, als festes Ritualalle singen, oft ohne Begleitungdeutsch
Verabschiedung in den Ruhestandernst, ohne ScherzChor der Kollegen oder Solostimme mit Klavierdeutsch
Wechsel des Arbeitsplatzeskurz und freundlichkleine Gruppe ohne Begleitungdeutsch
Wegzug aus dem Ort, Abschied im Vereinernst, mit Bezug zum OrtChor oder Blasmusikdeutsch
Abschied einer Austauschgruppeherzlich und kurzalle singen, eine Gitarredeutsch und die Sprache der Gäste

Die Spalte Stimmung trägt die Entscheidung. Am letzten Schultag darf ein Lied leicht sein, weil die Kinder am selben Nachmittag in die Ferien gehen. Bei der Verabschiedung nach vierzig Dienstjahren fällt ein Scherzlied durch.

Warum sind so viele Abschiedslieder alte Volkslieder?

Alte Volkslieder vereinen vier Vorteile, die kein neueres Lied gleichzeitig bietet: bekannte Melodie, keine Begleitung, keine Probe, keine Lizenz. Der letzte Punkt wird meist übersehen und entscheidet doch, sobald eine Aufnahme oder ein gedrucktes Liederblatt ins Spiel kommt.

Gemeinfrei wird ein Werk in Deutschland siebzig Jahre nach dem Tod seines Urhebers, gerechnet ab dem Ende des Todesjahres. Danach darf es jeder aufführen, drucken und aufnehmen. Eine öffentliche Aufführung geschützter Titel wird dagegen abgerechnet, wie der Artikel zur GEMA beschreibt. Schulen stehen dabei besser da als Vereine und Betriebe: Die Länder haben mit der GEMA Gesamtverträge für Schulveranstaltungen geschlossen, und Musik im Unterricht ist ohnehin nicht lizenzpflichtig. Vereine und Firmen haben diese Deckung nicht.

Gemeinfrei ist das Lied, nicht jede Aufnahme davon. Ein moderner Chorsatz eines Volkslieds ist ein eigenes Werk und geschützt. Eine Tonaufnahme trägt zusätzlich ein eigenes Recht ihres Herstellers, das erst siebzig Jahre nach dem Erscheinen des Tonträgers endet. Wer ein Abschiedsvideo veröffentlicht, prüft deshalb zweierlei: den Titel und die Tonspur.

Woher stammen die bekanntesten deutschen Abschiedslieder?

Die bekanntesten deutschen Abschiedslieder erschienen zwischen 1827 und 1855 im Druck, mehrere davon aus mündlicher Überlieferung und ohne bekannten Verfasser.

  • Muss i denn, muss i denn zum Städtele hinaus. Friedrich Silcher druckte es 1827 im zweiten Heft seiner Sammlung Volkslieder, gesammelt und für vier Männerstimmen gesetzt, und bezeichnete die Melodie als alte württembergische Weise. Strophe zwei und drei schrieb Heinrich Wagner, 1783 bis 1863.
  • Nun ade, du mein lieb Heimatland. Den Text verfasste August Disselhoff, 1829 bis 1903, im Jahr 1851 beim Aufbruch aus Arnsberg zum Studium. Die Melodie stammt aus einem westfälischen Soldatenlied ohne bekannten Komponisten.
  • Ade zur guten Nacht. Das Lied lief zuerst mündlich um und erschien 1843 in Gottfried Wilhelm Finks Musikalischem Hausschatz der Deutschen. Zur Herkunftsregion kursieren mehrere Angaben, belegt ist keine.
  • Wahre Freundschaft soll nicht wanken. Text und Melodie sind ohne Verfasser überliefert. Franz Wilhelm von Ditfurth nahm das Lied 1855 in seine Sammlung Fränkische Volkslieder auf.
  • Kein schöner Land in dieser Zeit. Anton Wilhelm von Zuccalmaglio, 1803 bis 1869, veröffentlichte es 1840 als Abendlied und gab es als Fund vom Niederrhein aus. Den Text hatte er selbst geschrieben.
  • Auld Lang Syne. Robert Burns schrieb den schottischen Text 1788 zu einer überlieferten Weise. Der deutsche Text Nehmt Abschied, Brüder stammt von Claus Ludwig Laue, 1946 für die Deutsche Pfadfinderschaft Sankt Georg geschrieben. Die Melodie ist frei, der jüngere deutsche Text gehört vor einem Druck geprüft.

Auf Abschlussfeiern laufen daneben zwei geschützte Titel: Good Riddance (Time of Your Life) von Green Day, 1997 erschienen und von Billie Joe Armstrong geschrieben, sowie Forever Young von Alphaville, 1984 von Marian Gold, Bernhard Lloyd und Frank Mertens geschrieben. Beide laufen als Aufnahme, nicht als Gemeinschaftsgesang.

Wie sind Abschiedslieder gebaut?

Ein Abschiedslied, das eine ungeübte Gruppe trägt, bleibt in einem Tonumfang von etwa einer Oktave: Wer höher hinaufführt, verliert die tiefen Stimmen, wer tiefer hinabgeht, die hohen. Das Tempo liegt niedrig, weil eine große Runde nie gleichzeitig einsetzt und ein langsames Lied das verkraftet. Die Melodie bewegt sich in Sekundschritten statt in Sprüngen, deshalb kommt auch mit, wer die Strophe nicht kennt.

Der Text redet die Runde an oder spricht von uns, und das aus einem Grund: Ein Ich-Text macht aus dem Gesang einen Vortrag, und ein Vortrag braucht jemanden, der ihn hält. Dazu kommt die gleichbleibende Schlusszeile, an der jeder hört, wann ein Durchgang endet.

Wer singt Abschiedslieder, und wie probt man sie?

Die Gruppe singt selbst, und die Begleitung entscheidet nur, wie sicher der Einsatz gelingt. Eine einzelne Gitarre trägt bis etwa dreißig Personen, darüber übernimmt ein Klavier oder alle singen einstimmig. Welche Griffe eine Gitarrenbegleitung verlangt, steht im Artikel zu Lagerfeuerliedern, denn das Repertoire überschneidet sich stark.

Anlass Gruppengröße Begleitung Liedart Feier mit Programm Abschluss, Ruhestand Abend in der Runde Fahrt, Freizeit über 50 Personen bis 50 Personen über 30 Personen bis 30 Personen Chor oder Klavier vorhanden Vorsänger, sonst nur Stimmen keine Begleitung Gitarre vorhanden Chorsatz, der Saal singt die letzte Strophe mit Volkslied einstimmig, erste Zeile vorgesungen Kanon oder bekanntes Volkslied ohne Instrument Lied mit drei Griffen, die Gitarre gibt den Takt
Der Weg läuft von links nach rechts: erst der Anlass, dann die Zahl der Sänger, dann die Begleitung. Diese drei zusammen ergeben die Liedart.

Eine Probe entscheidet über das Ergebnis, aus einem Grund, der wenig mit Musik zu tun hat: Sie klärt, wer anfängt. Fast jeder misslungene Gemeinschaftsgesang scheitert an der ersten Zeile, nicht an der Melodie. Ein Vorsänger, der die erste Strophe allein beginnt, räumt das aus. Legen Sie außerdem die Tonart nach der Gruppe fest, denn eine Runde ohne Chorerfahrung singt tiefer als gedruckt. Wie sich ein Lied umschreiben lässt, beschreibt der Artikel zum Transponieren.

Häufige Fragen zu Abschiedsliedern

Welche Abschiedslieder eignen sich für die Schule?

Für die Schule eignen sich Abschiedslieder mit kleinem Tonumfang und bekannter Melodie, weil eine ganze Jahrgangsstufe sie ohne lange Probe mitsingt. Bewährt sind Muss i denn, muss i denn zum Städtele hinaus, Nun ade, du mein lieb Heimatland und Kein schöner Land in dieser Zeit, alle drei gemeinfrei.

Was ist der Unterschied zwischen Abschiedsliedern und Trauerliedern?

Abschiedslieder begleiten eine Trennung unter Lebenden, Trauerlieder eine Trauerfeier. Daraus folgt die Auswahl: Ein Abschiedslied darf ein Wiedersehen in Aussicht stellen und heiter enden, ein Trauerlied nicht. Bei einem Abschied singt außerdem die Gruppe selbst. Musik für eine Trauerfeier behandelt der Artikel zu Trauerliedern.

Welche Abschiedslieder sind gemeinfrei?

Gemeinfrei sind die überlieferten Abschiedslieder des 19. Jahrhunderts, weil ihre Urheber vor mehr als siebzig Jahren starben oder unbekannt sind. Dazu zählen Muss i denn, Nun ade, du mein lieb Heimatland, Ade zur guten Nacht, Wahre Freundschaft soll nicht wanken, Kein schöner Land in dieser Zeit und die Melodie von Auld Lang Syne. Geschützt bleiben moderne Chorsätze und die einzelne Tonaufnahme.

Wie viele Abschiedslieder braucht eine Abschiedsfeier?

Eine Abschiedsfeier braucht zwei bis drei Lieder mit je zwei bis drei Strophen. Mehr hält eine Gruppe ohne Chorerfahrung nicht durch. Setzen Sie das bekannteste Lied an den Schluss, damit die Feier mit dem Stück endet, das die meisten sicher mitsingen.

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