Der Krug ist als Musikinstrument ein Blasinstrument (Aerophon): Ein leeres Ton- oder Glasgefäß wird nicht geschlagen oder mit Wasser gefüllt, sondern wie ein Blechblasinstrument angeblasen. Der Spieler summt beziehungsweise "buzzt" mit den Lippen in die Öffnung des Kruges, ganz ähnlich dem Ansatz auf einer Posaune oder Tuba; der Krug selbst dient dabei als Resonanzkörper, der den erzeugten Lippenton verstärkt und färbt. Diese Spieltechnik entstand Anfang des 20. Jahrhunderts in den Südstaaten der USA im Umfeld der Jugbands, die aus Alltagsgegenständen wie Krügen, Waschbrettern und Kisten eigenständige Bass- und Rhythmusinstrumente entwickelten.
Wie klingt der Krug?
Der Klang des angeblasenen Kruges ist tief, dunkel und leicht schnarrend, mit einer an Posaune oder Tuba erinnernden Grundfarbe. Größe, Form, Material und Halsweite des Gefäßes beeinflussen Tonhöhe und Klangfarbe erheblich; durch Veränderung der Lippenspannung lässt sich die Tonhöhe zusätzlich variieren, sodass geübte Spieler durchaus einfache Basslinien blasen können.
Woraus besteht der Krug?
Als Instrument dient meist ein einfacher, leerer Ton- oder Steingutkrug mit engem Hals, seltener ein Glasgefäß; er wird weder präpariert noch mit Wasser oder anderen Flüssigkeiten gefüllt. Form und Weite der Halsöffnung bestimmen, wie leicht sich der Ton anblasen lässt und welche Tonhöhe erreichbar ist, engere, längere Hälse begünstigen tiefere, resonantere Töne. Ein Schlägel oder Löffel zum Anschlagen des Gefäßes, wie mitunter fälschlich beschrieben, wird beim Krug als Musikinstrument nicht verwendet.
Wie spielt man den Krug?
Die Öffnung des Kruges wird etwa zwei bis drei Zentimeter vor den Mund gehalten, ohne dass die Lippen das Gefäß berühren. Der Spieler formt einen Blechbläser-Ansatz und lässt die Lippen in einem gerichteten Luftstrom vibrieren, der Krug fängt diesen Ton auf, verstärkt und färbt ihn als Resonanzkörper. Durch Anpassung von Lippenspannung, Luftdruck und Mundwinkel lassen sich unterschiedliche Tonhöhen und damit einfache Basslinien oder rhythmische Figuren erzeugen.
In der klassischen Jugband übernimmt der Krug meist die Bassfunktion und liefert ein perkussiv-melodisches Fundament, über dem Banjo, Gitarre, Waschbrett und Mundharmonika musizieren. Die Technik erfordert, ähnlich wie bei Blechblasinstrumenten, einen trainierten Ansatz und kontrollierte Atemführung.
Typische Musikstile mit dem Krug
Der Krug ist das namensgebende Instrument der Jugband-Musik, die in den 1920er- und 1930er-Jahren vor allem in Louisville, Memphis und anderen Städten der US-Südstaaten als Straßen- und Tanzmusik afroamerikanischer Musiker florierte und eng mit Blues, Ragtime und früher Folkmusik verwandt ist.
Ab Ende der 1950er- und in den 1960er-Jahren erlebte die Jugband-Musik im Zuge der amerikanischen Folk-Revival-Bewegung eine Wiederbelebung, die bis heute in zahlreichen Revival- und Roots-Music-Formationen fortlebt.
Bekannte Lieder mit dem Krug
- "Walk Right In", 1929 von Cannon's Jug Stompers um Gus Cannon mit Krug-Begleitung eingespielt, 1963 in der Version der Rooftop Singers ein US-Nummer-eins-Hit.
- "Stealin', Stealin'", Klassiker der Memphis Jug Band von 1928, später unter anderem von der Grateful Dead gecovert.
- "K.C. Moan", bekanntes Stück der Memphis Jug Band mit charakteristischer Krug-Bassbegleitung.
- Jim Kweskin Jug Band, zentrale Formation der Jugband-Wiederbelebung im Folk-Revival der 1960er-Jahre.




