Die Melodica ist ein Blasinstrument mit Klaviatur. Der Spieler bläst durch ein Mundstück in eine Windkammer, und jede gedrückte Taste öffnet nur ein Ventil, das die Luft zu einer Durchschlagzunge lässt. Die Zunge erzeugt den Ton, nicht die Taste. Damit arbeitet die Melodica genauso wie das Akkordeon und die Mundharmonika, der Spieler bedient sie aber wie ein Tasteninstrument.
Was ist eine Melodica?
Die Melodica ist ein Handinstrument aus Kunststoff oder Metall mit einer Klaviatur auf der Oberseite und einem Mundstück an der Schmalseite. Sie klingt wie notiert und transponiert nicht. Verbreitet sind Modelle mit 32 Tasten von f bis c''', daneben gibt es kleinere mit 25 und größere mit 37 Tasten.
Der Instrumentenbauer Hohner brachte die Melodica in den 1950er Jahren auf den Markt und sicherte sich den Namen. Deshalb heißt dieselbe Bauart bei anderen Herstellern anders: Yamaha nennt sie Pianica, Suzuki Melodion. Im Alltag hat sich Melodica als Gattungsname durchgesetzt.
| Merkmal | Melodica |
|---|---|
| Familie | Blasinstrument mit durchschlagenden Zungen |
| Tonerzeugung | Durchschlagzunge, angeblasen mit dem Atem |
| Bedienung | Klaviatur, jede Taste öffnet ein Ventil |
| Luftquelle | Atem des Spielers |
| Umfang | meist 32 Tasten von f bis c''' |
| Transposition | keine, sie klingt wie notiert |
| Lautstärke | folgt dem Atemdruck, nicht dem Anschlag |
| Verwandte Bauart | Akkordeon, Mundharmonika, Bandoneon |
Wie erzeugt die Melodica ihren Ton?
Eine Durchschlagzunge erzeugt den Ton. Das ist ein schmales Metallzüngchen, das über einem passgenauen Schlitz in einer Stimmplatte sitzt und bei Luftdruck durch diesen Schlitz hindurchschwingt. Ihre Länge und Masse legen die Tonhöhe fest, deshalb braucht die Melodica für jeden Ton eine eigene Zunge.
Der Weg der Luft ist kurz. Der Atem gelangt durch das Mundstück in eine Windkammer, die unter der gesamten Klaviatur liegt. Solange alle Tasten in Ruhe stehen, halten Polster die Zugänge zu den Zungen dicht und es bleibt still. Eine gedrückte Taste hebt ihr Polster ab und gibt genau einen Zugang frei.
Die Taste der Melodica erzeugt keinen Ton, sie öffnet ein Ventil. Deshalb reagiert das Instrument nicht auf die Anschlagstärke. Wer lauter spielen will, bläst kräftiger. Wer leiser spielen will, nimmt den Atemdruck zurück. Die Finger entscheiden über Tonhöhe und Rhythmus, der Atem über Lautstärke und Phrasierung.
Warum zählt die Melodica zu den Blasinstrumenten und nicht zu den Tasteninstrumenten?
Die Einordnung folgt der Tonerzeugung, nicht der Bedienung. Ein Klavier ordnet man den Tasteninstrumenten zu, weil die Taste über die Mechanik einen Hammer gegen eine Saite schlägt: Die Taste löst den Ton aus. Bei der Melodica bleibt die Taste ohne Wirkung, solange niemand bläst.
Der Atem des Spielers versetzt die Zunge in Schwingung. Genau das macht die Melodica zum Blasinstrument. Sie steht damit in derselben Gruppe wie die Mundharmonika, bei der der Spieler ebenfalls durchschlagende Zungen anbläst. Das Akkordeon dagegen zählt zu den Handzuginstrumenten, weil dort nicht der Atem, sondern ein Balg die Luft liefert.
Wie ist eine Melodica aufgebaut?
Fünf Teile ergeben das Instrument. Das Gehäuse umschließt die Windkammer. Auf ihr sitzt die Klaviatur mit ihren Hebeln und den Polstern an der Unterseite. In der Kammer liegt die Stimmplatte, auf der alle Zungen in einer Reihe angeordnet sind. Am Ende steht das Mundstück, dazu kommt ein Ventil zum Ablassen des Kondenswassers.
Das Mundstück gibt es in zwei Formen. Ein kurzes Steckmundstück setzt der Spieler direkt an, dann hält er das Instrument aufrecht vor sich. Ein biegsamer Schlauch erlaubt es, die Melodica flach auf einen Tisch zu legen und mit beiden Händen zu spielen.
Kondenswasser gehört zum Betrieb. Warme Atemluft kühlt im Gehäuse ab, die Feuchtigkeit schlägt sich auf den Zungen nieder und lässt Töne aussetzen. Ein Druckknopf oder eine Klappe lässt das Wasser ab.
Wie spielt man Melodica?
Der Spieler bläst gleichmäßig und greift dazu die Melodie auf der Klaviatur. Weil der Atem den Ton trägt, muss er atmen wie ein Bläser und nicht wie ein Pianist: Die Phrasen enden dort, wo die Luft endet. Ein Ton bricht ab, sobald der Druck nachlässt, auch wenn der Finger die Taste weiter hält.
Akkorde sind möglich, kosten aber Luft. Je mehr Ventile offen stehen, desto mehr Luft verteilt sich auf die Zungen, und desto schneller sinkt der Druck. Deshalb spielen die meisten einstimmig und setzen Akkorde gezielt ein.
Für die Artikulation gibt es zwei Wege: Der Spieler stößt den Ton mit der Zunge an wie ein Bläser, oder er setzt ihn mit der Taste. Das erste ergibt scharfe Akzente, das zweite weiche Übergänge.
Welche Musik prägt die Melodica?
Der jamaikanische Dub machte die Melodica zum Soloinstrument. Augustus Pablo spielte sie in den 1970er Jahren als Hauptstimme über schwere Bassfiguren, sein Album King Tubbys Meets Rockers Uptown gilt als das Standardwerk dieses Klangs. Bis heute steht die Melodica im Reggae für diese Rolle.
Im Musikunterricht dient sie als Einsteigerinstrument, weil sie die Tonhöhen sichtbar anordnet und das Kind sie trotzdem mit dem Atem spielt. In Japan gehört sie unter dem Namen Pianica zum festen Bestand der Grundschule.
Im Pop dient sie als Farbe, wenn ein Stück einen schmalen, leicht schnarrenden Ton braucht, den weder Orgel noch Akkordeon liefern. Damon Albarn setzt sie bei Gorillaz ein.
Häufige Fragen zur Melodica
Ist die Melodica ein Blasinstrument oder ein Tasteninstrument?
Die Melodica ist ein Blasinstrument mit Tastatur. Die Einordnung richtet sich nach der Tonerzeugung: Der Atem des Spielers bringt eine Durchschlagzunge zum Schwingen, die Taste öffnet dabei nur ein Ventil. Ohne Luft bleibt jede Taste stumm, deshalb steht die Melodica nicht bei den Tasteninstrumenten.
Kann man auf einer Melodica Akkorde spielen?
Auf einer Melodica lassen sich Akkorde spielen, sie verbrauchen aber viel Luft. Jede gedrückte Taste öffnet ein eigenes Ventil, und der Atemdruck verteilt sich auf alle geöffneten Zungen. Bei vier gleichzeitig gehaltenen Tönen sinkt die Lautstärke deshalb hörbar, weshalb die meisten Spieler einstimmig führen und Akkorde gezielt setzen.
Wie viele Tasten hat eine Melodica?
Die verbreiteten Melodicas haben 32 Tasten und reichen von f bis c'''. Daneben gibt es kompakte Modelle mit 25 Tasten und größere mit 37 Tasten. Die Melodica transponiert nicht, sie klingt also genau so, wie sie notiert ist.
Was unterscheidet die Melodica vom Akkordeon?
Melodica und Akkordeon nutzen dieselbe Tonerzeugung mit durchschlagenden Zungen, unterscheiden sich aber in der Luftquelle. Die Melodica bläst der Spieler mit dem Atem an, beim Akkordeon presst ein Balg die Luft durch die Zungen. Deshalb zählt das Akkordeon zu den Handzuginstrumenten und die Melodica zu den Blasinstrumenten.



