Kroatische Dudelsäcke - im kroatischen Sprachraum vor allem als mih, mjesina oder diple bekannt - sind traditionelle Sackpfeifen, die besonders in Istrien und auf den Inseln Cres und Lošinj seit Jahrhunderten gespielt werden. Der Sack besteht meist aus der ganzen, gegerbten Haut einer Ziege oder eines Schafs, die dem Tier möglichst ohne große Schnitte abgezogen wird - daher rührt auch der Name mjesina ("Fell", "Balg"). Anders als etwa bei schottischen Dudelsäcken wird der Sack traditionell mit dem Mund und nicht mit einem Blasebalg gefüllt, und die meisten Typen besitzen nur eine einzige Melodiepfeife (diple) ohne separates Bordunrohr. Im Unterschied zu den weiter im Landesinneren des Balkans verbreiteten Dudelsäcken (gajde), die vereinzelt auch mit einem Blasebalg gespielt werden, ist die mundgeblasene Bauweise an der istrischen Küste die weitaus häufigere und ursprünglichere Form. Die Musik ist geprägt von den traditionellen Tanzweisen der istrischen und dalmatinischen Küstenregion.
Wie klingen die kroatischen Dudelsäcke?
Kroatische Dudelsäcke erzeugen einen einzigartigen, oft leicht näselnden und durchdringenden Klang, der typisch für die Volksmusik der istrischen Küstenregion ist. Da die meisten Instrumente ohne Bordunrohr gebaut sind, steht die Melodie klar im Vordergrund, anstatt von einem tiefen Dauerton unterlegt zu werden. Der Klang kann von sanften, melodischen Tönen bis zu schnellen, tänzerischen Passagen reichen und ist eng mit den traditionellen Tanzformen der Region wie dem Balun verbunden. Verglichen mit den bordunreichen, mehrstimmig-brummenden Klängen westeuropäischer Dudelsäcke wirkt der Klang der istrischen mih daher schlanker, direkter und stärker auf die Melodielinie fokussiert.
Woraus bestehen die kroatischen Dudelsäcke?
Kroatische Dudelsäcke bestehen traditionell aus der ganzen Haut einer Ziege oder eines Schafs, die als Luftsack dient. In den Sack sind zwei bis drei Holzrohre eingebunden: ein Blasrohr, durch das der Spieler mit dem Mund Luft in den Sack bläst, ein Rückschlagventil, das die Luft im Sack hält, sowie die Melodiepfeife (diple) mit einem einfachen Rohrblatt und mehreren Grifflöchern. Das Rohrblatt der diple ist meist ein sogenanntes idioglottisches Rohrblatt, das direkt aus der Wand des Pfeifenrohrs herausgeschnitten wird, statt - wie bei einer Schalmei - als separates Doppelrohrblatt aufgesetzt zu werden. Manche Bauformen besitzen zusätzlich ein kurzes Bordunrohr, das einen gleichbleibenden Grundton erzeugt, viele traditionelle istrische Instrumente kommen jedoch ganz ohne Bordun aus. Der Sack wird unter dem Arm gehalten und durch den Armdruck des Spielers gleichmäßig mit Luft versorgt, während dieser gleichzeitig weiteratmet und nachbläst.
Wie spielt man die kroatischen Dudelsäcke?
Das Spielen von kroatischen Dudelsäcken ist eine Kunst, die viel Übung und Geschick erfordert. Der Spieler bläst über ein Blasrohr mit dem Mund Luft in den Ledersack und hält den Luftdruck anschließend durch gleichmäßigen Armdruck auf den Sack aufrecht, während er gleichzeitig weiteratmet - eine Technik, die einige Übung erfordert, bis der Ton nicht mehr abreißt. Parallel dazu spielt er mit den Fingern die Melodie auf der diple.
Das Spielen der Melodie erfordert eine präzise Fingerbewegung, um die Löcher im Melodierohr zu öffnen und zu schließen. Es ist wichtig, die Fingerbewegungen fließend und schnell auszuführen, um eine klare und gut klingende Melodie zu erzeugen.
Die meisten kroatischen Dudelsackspieler spielen traditionelle Volksmusik, die auf den Tanzweisen der istrischen und dalmatinischen Küstenregion basiert, allen voran den Balun. Es ist jedoch auch möglich, eigene Stücke zu komponieren und moderne Elemente in die Musik zu integrieren. Anfängerinnen und Anfänger üben zunächst häufig getrennt: erst die gleichmäßige Luftversorgung des Sacks ohne Melodiespiel, dann die Fingertechnik auf der diple ohne Sack, bevor beides zusammengeführt wird.
Insgesamt erfordert das Spielen von kroatischen Dudelsäcken viel Übung und Hingabe, insbesondere um die gleichzeitige Koordination von Atmung, Armdruck und Fingertechnik zu meistern.
Typische Musikstile mit den kroatischen Dudelsäcken
Kroatische Dudelsäcke sind vor allem mit der Tanzmusik Istriens und der kroatischen Küste verbunden, allen voran dem Balun, einem der bekanntesten istrischen Volkstänze im Zweiertakt. Häufig spielen mih oder diple gemeinsam mit der schalmeiartigen sopele oder im Duo aus zwei diple, wobei eine Stimme die Melodie und die andere eine begleitende zweite Stimme übernimmt. Charakteristisch für die Region ist zudem die sogenannte istrische Tonleiter, eine von der westeuropäischen Dur-Moll-Tonalität abweichende Skala, die der Musik ihren eigentümlichen, oft als archaisch empfundenen Klang verleiht. Bis heute werden diese Instrumente bei Dorffesten, Hochzeiten und Folklorefestivals in Istrien und auf den Kvarner-Inseln gespielt und von Vereinen zur Traditionspflege aktiv weitergegeben. Die für Istrien typische zweistimmige Musizierweise in dieser regionalen Tonleiter, zu der auch mih und diple gehören, wurde 2009 von der UNESCO in die Repräsentative Liste des immateriellen Kulturerbes der Menschheit aufgenommen - eine Anerkennung der Bedeutung dieser jahrhundertealten regionalen Musiktradition.
Bekannte Lieder mit den kroatischen Dudelsäcken
Da kroatische Dudelsäcke vor allem in der lokalen Volksmusiktradition Istriens verwurzelt sind, gibt es keine international bekannten Popsongs, die eng mit dem Instrument verbunden sind. Bekannt sind stattdessen traditionelle Tanzweisen wie der Balun, die von zahlreichen Volksmusikgruppen der Region bis heute aufgeführt und auf Volksmusikfestivals in Istrien gepflegt werden. Ensembles zur Traditionspflege sowie einzelne Instrumentenbauer und Spieler in Istrien sorgen dafür, dass mih und diple bis heute lebendig gespielt werden, statt nur im Museum zu landen.




