Die Basse cor ist ein historisches Blechblasinstrument aus der Familie der Serpent-Nachfolger. Der französische Serpentspieler Louis-Alexandre Frichot, der in den frühen 1790er Jahren nach London geflohen war, stellte es um 1799 als Ersatz für den schwer zu handhabenden Serpent vor. Der Londoner Instrumentenbauer George Astor fertigte das Rohr aus Kupfer und Messing, V-förmig doppelt geführt, mit sechs Grifflöchern, die der Spieler mit den Fingern schließt. In Militärkapellen und Kirchenmusik trug die Basse cor für einige Jahrzehnte die Bassstimme, bevor Ophikleide und Tuba diese Rolle übernahmen. Ein erhaltenes Exemplar bewahrt heute das Musée de la musique in Paris auf.
Wie ist die Basse cor aufgebaut?
Die Basse cor besteht aus einem einzigen Metallrohr, das sich V-förmig auf sich selbst zurückfaltet: Ein aufsteigender Rohrzweig führt vom Kesselmundstück nach unten, eine Kehre am unteren Ende leitet die Luft in einen zweiten Zweig, der zum Schalltrichter wieder nach oben führt. George Astor fertigte dieses Rohr aus Kupfer und Messing, während der ältere Serpent aus lederüberzogenem Holz bestand. Sechs Grifflöcher sitzen in zwei Dreiergruppen auf dem aufsteigenden Zweig, die linke Hand bedient die oberen, die rechte Hand die unteren drei Löcher. Öffnet der Spieler ein Loch, verkürzt sich die schwingende Luftsäule, und der Ton steigt, ganz wie bei einer Blockflöte. Das Kesselmundstück sitzt am oberen Ende des aufsteigenden Zweigs; die Lippen des Spielers erzeugen darin die Schwingung, die das Rohr zum Klingen bringt.
| Merkmal | Basse cor |
|---|---|
| Familie | Blechblasinstrument, Serpent-Nachfolger |
| Material | Kupfer und Messing |
| Rohrform | V-förmig doppelt geführtes Rohr |
| Grifflöcher | sechs, in zwei Dreiergruppen |
| Mundstück | Kesselmundstück |
| Baujahr | um 1799 bis 1800 |
| Erbauer | George Astor, London, nach dem Entwurf von Louis-Alexandre Frichot |
Wer erfand die Basse cor?
Louis-Alexandre Frichot floh als Serpentspieler während der Französischen Revolution in den frühen 1790er Jahren nach London und baute dort seinen Lebensunterhalt als Musiker auf. Um 1799 stellte er sein neues Instrument vor, das der Instrumentenbauer George Astor anfertigte. Eine Anzeige Astors aus dem November 1799 bewarb es ausdrücklich als Ersatz für den Serpent, gefertigt aus Kupfer und Messing statt aus Holz. Frichot selbst veröffentlichte 1800 eine Grifftabelle für sein Instrument. Im englischen Sprachraum setzte sich dafür der Name bass horn durch, im Deutschen führt das eng verwandte Instrument den Namen Basshorn.
Ob derselbe Frichot 1806 in Paris ein zweites, verwandtes Instrument vorlegte, ist in der Forschung umstritten. Ein Musikprofessor namens Frichot aus Lisieux stellte in jenem Jahr einer Kommission des Pariser Konservatoriums die Basse-trompette vor, deren Patent erst 1810 datiert wurde. Ob der Londoner Erfinder und der Musikprofessor aus Lisieux dieselbe Person waren, lässt sich aus den erhaltenen Quellen nicht sicher klären.
Was unterscheidet die Basse cor von der Basse-trompette?
Die Basse-trompette löst dieselbe Aufgabe wie die Basse cor, ist dabei aber anders gebaut. Ihr Rohr windet sich nicht in einem einzigen V, sondern in einer großen und einer kleineren Schleife auf sich selbst zurück. Wie die Basse cor besteht sie vollständig aus Messing und trägt sechs Grifflöcher. Zum Wechsel zwischen benachbarten Tonarten dienen mehrere aufsteckbare Stimmbögen für die Tonarten C, Cis und D. Eine Kommission aus Professoren des Pariser Konservatoriums begutachtete die Basse-trompette am 13. November 1806.
Wozu diente die Basse cor?
Die Basse cor übernahm die Bassstimme, wo Militärkapellen und Kirchenmusik zuvor auf den Serpent angewiesen waren. Der Serpent bestand aus gewundenem, lederüberzogenem Holz, verlor beim Marschieren leicht seine Ansprache und ließ sich nur schwer sauber intonieren. Die Basse cor aus Metall war robuster und lauter und eignete sich deshalb besser für den Einsatz im Freien. 1806 schlug Frichot sein Instrument dem französischen Kriegsministerium für den Gebrauch in Militärkapellen vor. In den 1820er und 1830er Jahren verdrängten die Ophikleide und die neu erfundene Ventil-Tuba die Basse cor endgültig aus der Praxis.
Wo ist die Basse cor heute erhalten?
Ein um 1800 entstandenes Exemplar, das dem Erfinder Louis-Alexandre Frichot zugeschrieben wird, bewahrt das Musée de la musique der Philharmonie de Paris unter der Inventarnummer E.1054 auf. Das Museum ordnet es den Blechblasinstrumenten aus der Hornfamilie zu und zeigt es derzeit nicht in seiner Dauerausstellung. Ein eigens für die Basse cor komponiertes Repertoire ist nicht überliefert, weshalb das Instrument heute allenfalls in Rekonstruktionen der frühen Militärmusik auf historischen Nachbauten erklingt.
Häufige Fragen zur Basse cor
Was ist eine Basse cor?
Die Basse cor ist ein historisches Blechblasinstrument aus der Serpent-Familie, das der Instrumentenbauer George Astor um 1799 in London nach dem Entwurf des französischen Musikers Louis-Alexandre Frichot fertigte. Ein V-förmig doppelt geführtes Rohr aus Kupfer und Messing mit sechs Grifflöchern und Kesselmundstück ersetzte den Serpent als Bassstimme in Militärkapellen und Kirchenmusik.
Ist die Basse cor ein Streichinstrument?
Nein, die Basse cor ist kein Streichinstrument, sondern ein Blechblasinstrument. Der Spieler erzeugt den Ton, indem seine Lippen im Kesselmundstück schwingen, nicht durch einen Bogen oder gezupfte Saiten. Der Katalog des Pariser Musée de la musique führt die Basse cor unter den Blechblasinstrumenten der Hornfamilie.
Ist die Basse cor mit dem modernen Horn verwandt?
Die Basse cor ist nicht mit dem modernen Horn verwandt, obwohl das französische Wort cor Horn bedeutet. Das moderne Horn entwickelte sich aus dem Naturhorn der Jagd und erhielt im 19. Jahrhundert Ventile; die Basse cor entstand unabhängig davon aus dem Serpent und wurde über Grifflöcher gespielt.
Warum verschwand die Basse cor wieder?
Die Basse cor verschwand, weil neuere Bassblechblasinstrumente ihre Aufgabe besser lösten. Die Ophikleide brachte ab den 1820er Jahren ein durchdachteres Klappensystem, und die kurz danach erfundene Ventiltuba übertraf beide in Lautstärke und Intonationssicherheit. Beide Nachfolger verdrängten die Basse cor bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts vollständig aus der Praxis.




