Aulos

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Aulos. Quelle: youtube.com/Ancient Greek Louvre Aulos Music in 'La Boissonade'
Aulos. Quelle: youtube.com/Ancient Greek Louvre Aulos Music in 'La Boissonade'

Zusammenfassung

Der Aulos ist ein antikes Doppelrohrblattinstrument aus dem östlichen Mittelmeerraum, kein Flöteninstrument trotz häufiger Falschübersetzung. Zwei Melodierohre aus Schilfrohr, Holz oder Knochen erzeugten mit einem Doppelrohrblatt einen durchdringenden Klang, ähnlich der heutigen Oboe. Griechische Auleten spielten ihn im Theater, bei Festen und Wettkämpfen, bis er mit dem Ende der Antike aus Europa verschwand.

Der Aulos ist ein Blasinstrument der Antike aus dem östlichen Mittelmeerraum. Er zählt zu den Rohrblattinstrumenten, nicht zu den Flöten, auch wenn ältere Übersetzungen das Wort oft mit Flöte wiedergeben. Der Musiker, der einen Aulos spielte, hieß auf Griechisch Auletes; das Wort bezeichnet den Spieler, nicht eine zweite Bezeichnung für das Instrument.

30 bis 55 cmLänge der Melodierohre
DoppelrohrblattKlangerzeugung wie bei der Oboe
ab 7. Jh. v. Chr.Verbreitung in Griechenland
AerophonHornbostel-Sachs-Klassifikation

Herkunft des Aulos

Der klassische griechische Aulos kam vermutlich im 7. Jahrhundert vor Christus aus Kleinasien nach Griechenland. Vorläuferformen sind älter: Im Alten Ägypten belegt das Blasinstrument Memet die Bauweise bereits zur Zeit der 5. Dynastie, etwa 2504 bis 2347 vor Christus, und auf Kreta gab es ähnliche Doppelpfeifen schon in der minoischen Zeit um die Mitte des 2. Jahrtausends vor Christus. Die ältesten bekannten Knochenpfeifen dieser Art wurden in Thessalien gefunden und auf etwa 5000 vor Christus datiert (World History Encyclopedia, Stand 15. September 2026).

Aufbau des Aulos

Der Aulos besteht in der Regel aus zwei zylindrischen oder sogar leicht konischen Melodierohren, die beim Spielen V-förmig gehalten wurden und nicht miteinander verbunden waren. Diese Rohre wurden oftmals aus Schilfrohr, Knochen oder Holz hergestellt, in der späteren Zeit der Entwicklung kamen auch Metall und Elfenbein zum Einsatz. Erhaltene Exemplare messen zwischen 30 und 55 Zentimetern, schriftliche Quellen erwähnen aber auch deutlich größere Bauformen (Wikipedia, Stand 15. September 2026). Zwischen Rohr und Mundstück saßen zwei trapezförmige Verdickungen, Holmos und Hypholmion genannt, die als Übergang zum Doppelrohrblatt dienten.

Die früheste Form des Aulos hatte fünf Grifflöcher und ein zusätzliches Daumenloch auf der Unterseite. Manche Quellen nennen für einzelne Bauformen auch nur drei oder vier Löcher, abhängig von Fundort und Zeitstellung (Britannica, Stand 15. September 2026). Ab etwa 400 vor Christus entwickelten thebanische Musiker um Diodoros verschließbare Metallringe, mit denen sich einzelne Löcher während des Spiels öffnen und schließen ließen. Dadurch wuchs die Zahl der nutzbaren Grifflöcher auf bis zu sechzehn, und ein einzelner Aulos konnte bis zu vierundzwanzig verschiedene Töne erzeugen (Wikipedia, Stand 15. September 2026).

BauzeitGrifflöcherBesonderheit
Frühe Form5 plus 1 DaumenlochLöcher wurden mit Wachs verschlossen und wieder geöffnet
Hellenistisch-römische Zeitbis zu 16Metallringe zum Öffnen und Schließen, bis zu 24 Töne

Warum der Aulos keine Flöte ist

Der Aulos wird in älteren Übersetzungen griechischer und lateinischer Texte oft mit Flöte wiedergegeben, weil beide Instrumente zu den Blasinstrumenten zählen. Der Klang einer Flöte entsteht jedoch, wenn Luft an einer Kante vorbeiströmt, wie bei der Panflöte oder der Querflöte. Beim Aulos schwingt stattdessen ein Doppelrohrblatt aus Schilf zwischen den Lippen, genau wie bei der heutigen Oboe oder dem Krummhorn. Fachleute ordnen den Aulos deshalb nicht bei den Flöten, sondern bei den Rohrblattinstrumenten ein.

Der Aulos im Alltag der Antike

Im antiken Griechenland begleitete der Aulos mehrere feste Anlässe:

  • Tragödien und Komödien im Theater
  • Symposien, private Trinkgelage der Oberschicht
  • Opferzeremonien und religiöse Feste
  • Sportliche Wettkämpfe, etwa bei den Olympischen Spielen

Weil das kraftvolle Blasen die Wangen aufblähte, trugen viele Auleten einen Lederriemen namens Phorbeia um den Kopf, der die Wangenmuskulatur stützte (Britannica, Stand 15. September 2026). Trotz seiner Beliebtheit galt der Aulos in gehobenen Kreisen als wenig vornehm. Auch Frauen traten als Auletiden auf, häufig bei privaten Festgesellschaften.

Der Mythos von Marsyas

Der griechischen Mythologie nach erfand die Göttin Athene den Aulos, warf ihn aber fort, weil das Blasen ihr Gesicht entstellte. Der Satyr Marsyas fand das Instrument und forderte den Gott Apollon zu einem Musikwettstreit heraus, Aulos gegen Leier. Marsyas verlor die Wette und wurde der Sage nach bei lebendigem Leib gehäutet, eine Warnung vor Hochmut gegenüber den Göttern. Der Mythos zeigt, wie zwiespältig die Griechen den durchdringenden Klang des Aulos gegenüber der als edler geltenden Leier bewerteten.

Warum der Aulos aus Europa verschwand

Mit dem Aufstieg des Christentums und dem Ende des Weströmischen Reichs verlor der Aulos im frühen Mittelalter seinen Platz in der europäischen Musikpraxis. Die Etrusker hatten das Instrument als Suplu übernommen, die Römer als Tibia weitergeführt, doch beide Traditionen endeten mit dem Rückgang der jeweiligen Kultur. Direkte Nachfahren des Aulos spielt man bis heute im Mittelmeerraum und Nahen Osten: die armenische Duduk, der aserbaidschanische Balaban und die sardische Launeddas beruhen auf demselben Rohrblattprinzip (Wikipedia, Stand 15. September 2026).

Wie klingt ein Aulos?

Häufige Fragen zum Aulos

Was ist ein Aulos?

Ein Aulos ist ein antikes Doppelrohrblattinstrument aus zwei getrennten Melodierohren, gespielt im alten Griechenland und im gesamten östlichen Mittelmeerraum. Der Ton entsteht durch ein schwingendes Doppelrohrblatt aus Schilf, ähnlich wie bei einer heutigen Oboe. Gespielt wurde der Aulos bei Theateraufführungen, religiösen Festen und sportlichen Wettkämpfen.

Warum wird der Aulos manchmal als Flöte übersetzt?

Ältere Übersetzungen griechischer und lateinischer Texte geben Aulos oft mit Flöte wieder, weil beide Instrumente zu den Blasinstrumenten zählen. Der Aulos erzeugt seinen Ton aber über ein Doppelrohrblatt und nicht, wie eine Flöte, über einen Luftstrom an einer Kante. Fachlich korrekt zählt der Aulos deshalb zu den Rohrblattinstrumenten.

Wie viele Grifflöcher hatte ein Aulos?

Die frühe Form des Aulos hatte fünf Grifflöcher und ein zusätzliches Daumenloch. Ab etwa 400 vor Christus kamen verschließbare Metallringe hinzu, mit denen sich die Zahl der nutzbaren Löcher auf bis zu sechzehn erhöhen ließ. Damit konnte ein einzelner Aulos bis zu vierundzwanzig verschiedene Töne spielen.

Wer spielte den Aulos im antiken Griechenland?

Berufsmusiker, die auf Griechisch Auleten hießen, spielten den Aulos bei Theateraufführungen, Symposien und Opferfesten. Auch Frauen traten als Auletiden auf, häufig bei privaten Festgesellschaften. Wegen der kraftvollen Atemtechnik trugen viele Spieler die Phorbeia, einen stützenden Lederriemen um Wangen und Hinterkopf.

Warum verschwand der Aulos aus der europäischen Musik?

Mit dem Ende des Weströmischen Reichs und der Ausbreitung des Christentums verlor der Aulos ab dem frühen Mittelalter seinen festen Platz in der europäischen Musik. Die vorher fortgeführten Traditionen als römische Tibia und etruskische Suplu endeten mit dem Rückgang dieser Kulturen. In Westeuropa entstand später mit der Schalmei ein eigenständiges mittelalterliches Rohrblattinstrument, aus dem die moderne Oboe hervorging.

Gibt es dem Aulos heute noch verwandte Instrumente?

Ja, mehrere Rohrblattinstrumente des Mittelmeerraums und Nahen Ostens gehen auf dieselbe Bauweise zurück wie der Aulos. Die armenische Duduk, der aserbaidschanische Balaban und die sardische Launeddas erzeugen ihren Ton ebenfalls über ein Doppelrohrblatt aus Schilf. Direkt verwandt ist auch der Diaulos, eine Variante mit zwei zusammengebundenen Rohren für einen volleren Klang.

Quellen

  1. Aulos, Wikipedia, abgerufen am 15. September 2026
  2. Aulos: Ancient Greek, Double-Reed, Wind Instrument, Encyclopaedia Britannica, abgerufen am 15. September 2026
  3. Aulos, World History Encyclopedia, abgerufen am 15. September 2026

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