Güiro

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Bild: Baishev / Shutterstock.com
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Zusammenfassung

Der Güiro ist ein geripptes Schrapp-Idiophon aus einer ausgehöhlten Kalebasse, über deren Kerben ein Spieler einen Stock oder eine Gabel namens Pua zieht. Die Taíno, die indigenen Bewohner der Karibik vor der spanischen Kolonialisierung, entwickelten ihn aus der Frucht des Kalebassenbaums, unabhängig von den westafrikanischen Wurzeln vieler anderer karibischer Perkussionsinstrumente. Heute bauen Hersteller den Güiro auch aus Holz, Metall und Kunststoff. Im Son cubano hält er das Grundraster, in der Salsa tritt er stärker hervor, während die verwandte Merengue-Musik meist die metallene Güira einsetzt.

Der Güiro ist ein geripptes Schrapp-Idiophon: eine längliche, ausgehöhlte Kalebasse mit parallelen Einkerbungen, über die ein Spieler einen Stock oder eine Gabel zieht. Dieser Schlagstock heißt Pua. Die Taíno, die indigenen Bewohner der Karibik vor der spanischen Kolonialisierung, entwickelten das Instrument aus der Frucht des Kalebassenbaums. Damit unterscheidet sich der Güiro von vielen anderen karibischen Perkussionsinstrumenten, deren Wurzeln in westafrikanischen Trommeltraditionen liegen. Heute bauen Hersteller den Güiro auch aus Holz, Metall und Kunststoff, vor allem für Son cubano und Salsa.

Taínoindigene Urheber
IdiophonInstrumentenfamilie
PuaName des Schlagstocks
Son, SalsaHaupteinsatzgebiete

Wie ist der Güiro aufgebaut?

Der Korpus des Güiro besteht traditionell aus der harten Fruchtschale des Kalebassenbaums, ausgehöhlt und getrocknet. In eine Längsseite schneidet der Instrumentenbauer parallele Rillen im Abstand von wenigen Millimetern. Über diese Rillen führt der Spieler die Pua, einen Stock oder eine mehrzinkige Gabel aus Holz oder Metall. Zwei kleine Löcher auf der Unterseite dienen als Griff für Zeige- und Mittelfinger, während Daumen und übrige Finger den Korpus von unten stützen.

  • Kalebasse: das traditionelle Material, mit warmem, holzigem Schrappklang.
  • Holz: geschnitzt oder aus Formteilen gefertigt, haltbarer als die Fruchtschale.
  • Metall: lauter und heller im Klang, meist aus Blech oder Aluminium.
  • Kunststoff und Fiberglas: witterungsbeständig und günstig in der Serienfertigung, verbreitet bei Schulinstrumenten.
MerkmalGüiro
FamilieIdiophon, Schrapp-Idiophon mit gerippter Reibfläche
Traditionelles MaterialKalebasse, die Frucht des Kalebassenbaums
Heutige MaterialienHolz, Metall, Kunststoff, Fiberglas
SpielwerkzeugPua: Stock oder mehrzinkige Gabel
HerkunftTaíno, indigene Karibik, vor der spanischen Kolonialisierung
Verwandtes InstrumentGüira, Metallzylinder aus der Dominikanischen Republik
HauptgenresSon cubano, Salsa, Danzón, Changüí

Wie erzeugt der Güiro seinen Klang?

Der Güiro erzeugt seinen Klang rein mechanisch, ohne Fell und ohne Saite. Zieht der Spieler die Pua über die Rillen, springen deren Zinken von Kerbe zu Kerbe und lösen bei jedem Sprung einen kurzen Impuls aus. Viele Impulse hintereinander verschmelzen zum schnarrenden Schrappgeräusch, das dem Instrument seinen Namen gibt. Der hohle Korpus wirkt dabei als Resonanzraum und verstärkt das Geräusch, ähnlich wie der Korpus einer Gitarre die Saitenschwingung hörbar macht. Enger stehende Rillen und ein schnellerer Zug ergeben ein helleres, dichteres Schrappen, ein langsamer Zug über weniger Rillen einen tieferen, raueren Ton.

Wie spielt man den Güiro?

Der Spieler hält den Güiro mit der freien Hand am Korpus und führt die Pua mit der anderen Hand über die Rillen. Ein Abstrich nach unten erzeugt einen langen Ton, ein kurzer Gegenzug nach oben einen kürzeren. Aus dieser Abfolge von lang und kurz entsteht das Grundmuster des Son cubano: ein langer Abstrich auf Schlag eins, zwei kurze Striche auf den Schlägen zwei und drei, ein langer Abstrich auf Schlag vier. In traditionellen Besetzungen übernimmt oft einer der Sänger den Güiro nebenbei, während Tres-Gitarre, Bass und Bongos die übrigen Stimmen tragen.

Güiro-Grundmuster im Son cubano, ein Takt Schlag 1 Schlag 2 Schlag 3 Schlag 4 lang kurz kurz lang
Das Grundmuster des Güiro im Son cubano: lang auf den Schlägen eins und vier, kurz auf zwei und drei.

Woher stammt der Güiro?

Der Güiro geht auf die Taíno zurück, die indigenen Bewohner der Karibik vor der spanischen Kolonialisierung, die 1492 begann. Sie bauten aus der Frucht des Kalebassenbaums ein gekerbtes Schrappinstrument namens Güajey, den unmittelbaren Vorläufer des heutigen Güiro. Damit zählt der Güiro zu den wenigen karibischen Perkussionsinstrumenten mit indigenen amerikanischen statt afrikanischen Wurzeln: Die Conga und die Bongos gehen auf west- und zentralafrikanische Trommeltraditionen zurück, die durch die Versklavung von Menschen nach Kuba gelangten. Nach der Kolonialisierung übernahmen auch afrikanischstämmige Musiker den Güiro und trugen ihn in Kuba, Puerto Rico und der Dominikanischen Republik weiter, wo er sich zu regionalen Bauformen wie dem dünnwandigeren Güícharo entwickelte.

Der Güiro zählt zu den wenigen karibischen Perkussionsinstrumenten mit indigenen amerikanischen statt afrikanischen Wurzeln. Conga und Bongos gehen dagegen auf westafrikanische Trommeltraditionen zurück, die durch die Versklavung von Menschen nach Kuba gelangten.

Welche Rolle spielt der Güiro in Son cubano, Salsa und Merengue?

Im Son cubano übernimmt der Güiro eine tragende, aber zurückhaltende Rolle: Zusammen mit Clave und Bongos hält er das Grundraster, während Tres-Gitarre und Kontrabass Melodie und Basslinie führen. In der Salsa, die aus dem Son cubano hervorging, rückt der Güiro stärker in den Vordergrund und ergänzt oder ersetzt zeitweise die Maracas; sein durchgehendes Achtelmuster gibt der Sektion aus Congas, Timbales und Klavier ein festes Tempoband. In der dominikanischen Merengue-Musik übernimmt dagegen meist ein verwandtes, aber eigenständiges Instrument die vergleichbare Rolle: die Güira, ein Metallzylinder mit aufgerauter Oberfläche, den der Spieler mit einem steifen Metallkamm statt mit einer Pua bearbeitet. Güiro und Güira klingen dadurch unterschiedlich: Der Güiro schnarrt hölzern und warm, die Güira scharf und metallisch.

Häufige Fragen zum Güiro

Woraus besteht ein traditioneller Güiro?

Ein traditioneller Güiro besteht aus der ausgehöhlten und getrockneten Frucht des Kalebassenbaums, in deren Schale parallele Rillen eingeschnitten sind. Der Spieler zieht eine Pua, einen Stock oder eine mehrzinkige Gabel, über diese Rillen. Moderne Güiros bestehen daneben auch aus Holz, Metall, Kunststoff oder Fiberglas.

Was unterscheidet Güiro und Güira?

Der Güiro ist eine gekerbte Kalebasse oder ihr Nachbau aus Holz oder Kunststoff, gespielt mit einer Pua. Die Güira ist ein eigenständiges Instrument aus der Dominikanischen Republik: ein Metallzylinder mit aufgerauter Oberfläche, den der Spieler mit einem steifen Metallkamm bearbeitet. Beide erzeugen ein schrappendes Geräusch, klingen aber unterschiedlich, und die Güira gehört fest zur Merengue-Musik.

Woher stammt der Güiro?

Der Güiro stammt von den Taíno ab, den indigenen Bewohnern der Karibik vor der spanischen Kolonialisierung. Sie bauten aus der Frucht des Kalebassenbaums das Vorläuferinstrument Güajey. Damit zählt der Güiro zu den wenigen karibischen Perkussionsinstrumenten mit indigenen amerikanischen statt afrikanischen Wurzeln.

In welcher Musik kommt der Güiro vor?

Der Güiro prägt vor allem den Son cubano und die daraus hervorgegangene Salsa, außerdem Danzón und Changüí. Im Son cubano hält er zusammen mit Clave und Bongos das Grundraster, in der Salsa ergänzt oder ersetzt er die Maracas. In der Merengue-Musik übernimmt dagegen meist die verwandte Güira die vergleichbare Rolle.

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