Der Amboss ist als Musikinstrument ein Idiophon: Ein Schlägel oder Hammer schlägt auf Metall, und der Ton entsteht allein aus dessen eigener Schwingung, ohne Saite, Fell oder Luftsäule. Ursprünglich dient der Amboss dem Schmied als Werkzeug, auf dem er heißes Metall in Form schlägt. In der Orchestermusik setzen Komponisten ihn vereinzelt als perkussives Klangwerkzeug ein, meist für einen kurzen, markanten Effekt statt für eine durchgehende Stimme. Ein echter Schmiedeamboss hat dabei keine bestimmte Tonhöhe; eigens für die Bühne gebaute Amboss-Imitate aus Stahl dagegen schon.
Wie unterscheidet sich der Orchester-Amboss vom Schmiedeamboss?
Ein Orchester-Amboss unterscheidet sich vom Schmiedeamboss vor allem im Zweck seiner Bauweise. Der Schmiedeamboss ist ein massiver Block aus geschmiedetem oder gegossenem Stahl, gebaut, um Schlägen standzuhalten und heißes Metall zu formen; seine Tonhöhe war für den Schmied nie ein Kriterium. Ein Orchester-Amboss dagegen entsteht als Klangwerkzeug: Hersteller schneiden einen Stahlstab oder ein Stahlrohr auf eine bestimmte Länge, damit er einen festgelegten Ton ergibt, und montieren ihn auf Filzpolstern an seinen Schwingungsknoten, damit die Halterung den Klang nicht dämpft. Wie die Triangel oder das Becken zählt der Amboss damit zu den Metall-Idiophonen, bei denen der angeschlagene Körper selbst klingt, ohne eine gespannte Membran oder Saite.
| Merkmal | Schmiedeamboss | Orchester-Amboss (gestimmt) |
|---|---|---|
| Werkstoff | massiver Block aus geschmiedetem oder gegossenem Stahl | Stahlstab oder Stahlrohr, auf eine Länge zugeschnitten |
| Tonhöhe | unbestimmt, abhängig von Form und Masse des Einzelstücks | festgelegt, über Länge und Masse gezielt gebaut |
| Ursprünglicher Zweck | Werkzeug zum Schmieden erhitzten Metalls | Klangwerkzeug für Bühne und Orchester |
| Anschlagmittel | Schmiedehammer | Schlägel oder Metallhammer |
| Halterung | steht fest auf einem Holzblock oder Stamm | hängt oder steht auf einem Ständer, oft mit Filzpolstern an den Schwingungsknoten |
Manche Aufführungen verwenden trotzdem echte Schmiedeambosse, weil ihr Klang rauer und unregelmäßiger ausfällt als der eines gebauten Amboss-Imitats. Für eine genau festgelegte Tonhöhe, wie sie Verdi und Wagner in ihren Partituren verlangen, eignet sich dagegen nur die gestimmte Bauweise.
Warum hat ein echter Amboss keine feste Tonhöhe?
Ein echter Amboss hat keine feste Tonhöhe, weil seine Form für die Arbeit des Schmieds optimiert ist und nicht für einen bestimmten Ton. Schlägt der Hammer auf die Bahn, die glatte Arbeitsfläche, schwingt der gesamte Block in einem Gemisch unterschiedlicher Frequenzen, das von Masse, Legierung und Gussform abhängt; kein Amboss gleicht darin exakt einem anderen. Ein gestimmtes Amboss-Imitat löst dieses Problem, indem es die Klangerzeugung auf ein einzelnes, schlankes Bauteil reduziert: Ein Stahlstab oder ein Stahlrohr schwingt beim Anschlag überwiegend in seiner Grundfrequenz, und diese Frequenz hängt direkt von Länge und Wandstärke ab. Hersteller bieten dadurch komplette gestimmte Sätze über mehrere Oktaven an, so wie ein Klavier durchgestimmt ist.
Nicht jeder Amboss auf der Bühne ist ein echter Amboss. Was nach Schmiede klingt, ist in vielen Aufführungen ein eigens gebautes und gestimmtes Stahlrohr.
Wie setzt Verdi den Amboss in Il Trovatore ein?
Giuseppe Verdi setzt den Amboss im "Coro di Zingari" aus dem zweiten Akt seiner 1853 in Rom uraufgeführten Oper Il Trovatore ein, bekannt als Amboss-Chor. Eine Gruppe spanischer Roma schlägt darin bei Sonnenaufgang auf ihre Ambosse und besingt Arbeit, Wein und die Frauen ihres Volkes. Verdi schreibt für den Amboss zwei Tonhöhen, eine hohe und eine tiefe, die im Wechsel mit dem Chor und dem vollen Orchester den Rhythmus der Schmiedeschläge tragen. Der Amboss-Chor gilt als der erste Fall, in dem ein Komponist Amboss und Hammer als reguläre Instrumente in die Schlagwerksektion eines Orchesters aufnimmt.
Wie setzt Wagner den Amboss im Rheingold ein?
Richard Wagner verlangt in seiner Oper Das Rheingold achtzehn Ambosse für die Szene in Nibelheim, dem unterirdischen Reich, in dem der Zwerg Alberich die anderen Nibelungen zur Zwangsarbeit an seinem Ring gezwungen hat. Die Partitur teilt die achtzehn Ambosse in drei Größen: neun kleine, sechs mittlere und drei große, gestimmt über drei Oktaven auf denselben Ton F. Wotan und Loge hören beim Abstieg nach Nibelheim das punktierte Rhythmusmotiv der Nibelungen aus den Ambossen heraus, bevor sich der Vorhang zur Werkstatt öffnet. Wagner begann die durchgehende Komposition dieser Musik im November 1853, im selben Jahr, in dem Verdi seinen Amboss-Chor in Rom uraufführte; uraufgeführt wurde Das Rheingold selbst jedoch erst 1869 in München. In der Praxis ersetzen viele Opernhäuser die achtzehn Schmiedeambosse durch mehrere gestimmte Metallrohre unterschiedlicher Länge, nach demselben Prinzip, mit dem auch Röhrenglocken echte Kirchenglocken im Orchester ersetzen.




