Die Array Mbira ist ein modernes, rein akustisches Lamellophon (Daumenklavier), das der amerikanische Instrumentenbauer Bill Wesley gemeinsam mit dem Musiker Patrick Hadley in den 1990er-Jahren in San Diego, Kalifornien, entwickelte, aufbauend auf Ideen, die Wesley schon in den 1960er-Jahren zur Anordnung von Metallzungen erforscht hatte. Sie ist damit trotz ihres Namens kein traditionelles Instrument aus Simbabwe, sondern eine zeitgenössische Weiterentwicklung des afrikanischen Mbira-Prinzips: Statt der bei traditionellen Mbiras üblichen zwei bis drei Reihen Metallzungen besitzt die Array Mbira Dutzende Zungen, die in einem spiralförmigen, nach Tonleiterlogik geordneten Muster auf einem großen Holzresonanzkörper angebracht sind. Gespielt wird sie rein akustisch mit den Daumen, ganz ohne Verstärker, Lautsprecher oder Elektronik. Durch die spiralförmige Anordnung der Töne lassen sich Tonleitern und Akkorde besonders intuitiv mit alternierenden Daumenbewegungen spielen, was die Array Mbira zu einem beliebten Instrument in der modernen akustischen und meditativen Musikszene gemacht hat.
Wie klingt die Array Mbira?
Die Array Mbira hat einen sehr eigenständigen, warmen und obertonreichen Klang, der durch die Kombination aus schwingenden Metallzungen und dem großen hölzernen Resonanzkörper entsteht. Weil sie rein akustisch gespielt wird, ist ihr Klang direkt und organisch, ohne die Klangfärbung einer elektronischen Verstärkung. Der große Resonanzkörper sorgt für eine erstaunlich hohe natürliche Lautstärke und eine lange Ausklingzeit einzelner Töne, die sich zu dichten, glockenähnlichen Klangwolken überlagern können. Der Gesamtklang gilt als hypnotisch und meditativ und wird deshalb gerne in Entspannungs-, Yoga- und Ambient-Kontexten eingesetzt.
Woraus besteht die Array Mbira?
Die Array Mbira besteht aus einem großen, meist ovalen oder tropfenförmigen Holzresonanzkörper mit einer Länge von häufig über 75 Zentimetern, auf dem mehrere Dutzend Metallzungen (Lamellen) unterschiedlicher Länge befestigt sind. Anders als bei traditionellen Mbiras sind die Zungen nicht in wenigen geraden Reihen, sondern in einem spiralförmigen Muster angeordnet, bei dem benachbarte Zungen jeweils im Tonleiterschritt aufeinanderfolgen. Jede Zunge ist über eine Stegkonstruktion mit dem Resonanzkörper verbunden, sodass ihre Schwingung direkt auf das Holz und die eingeschlossene Luft im Korpus übertragen wird, ganz ohne elektronische Bauteile. Ein Schallloch auf der Rückseite oder Unterseite des Korpus verstärkt den akustischen Klang zusätzlich. Manche Bauformen besitzen zusätzlich lose aufgefädelte Metallringe oder Kapseln an den Zungenenden, die einen leicht schnarrenden Beiklang erzeugen, ein traditionelles Klangelement vieler afrikanischer Lamellophone, das rein mechanisch und nicht elektronisch funktioniert.
Wie spielt man die Array Mbira?
Die Array Mbira gehört zur Familie der Lamellophone (Daumenklaviere), ist aber, anders als der afrikanisch klingende Name vermuten lässt, eine moderne amerikanische Erfindung aus Kalifornien und kein traditionelles Instrument aus Simbabwe. Gespielt wird sie wie andere Mbiras mit den Daumen, die die Metallzungen anzupfen, um einen Ton zu erzeugen. Eine spezielle Technik, das sogenannte "Bursting", ermöglicht durch ein schnelles Abwärtsstreichen mehrerer Zungen eine rasche Tonwiederholung.
Die Array Mbira wird üblicherweise auf einem Ständer oder auf dem Schoß gespielt, wobei beide Daumen von der Mitte aus spiralförmig nach außen wandern, um Tonleitern zu spielen, oder für Akkorde gezielt einzelne, tonleiterlogisch benachbarte Zungen gemeinsam anspielen. Diese Anordnung unterscheidet sich deutlich von traditionellen afrikanischen Mbiras, bei denen die Zungen meist in zwei oder drei geraden Reihen angeordnet sind.
Weil sich Tonleitern und Akkorde auf der Array Mbira durch die spiralförmige Anordnung besonders logisch erspielen lassen, gilt sie als vergleichsweise leicht zugängliches Instrument für Einsteiger, die intuitiv improvisieren möchten, ohne Notenkenntnisse zu benötigen.
Typische Musikstile mit der Array Mbira
Weil die Array Mbira erst seit den 1990er-Jahren existiert, ist sie kein Bestandteil traditioneller afrikanischer Musiktraditionen, sondern hat sich vor allem in der westlichen Welt einen eigenen Platz erspielt. Sie wird häufig in meditativer und therapeutischer Musik, in der Klangschalen- und Soundhealing-Szene sowie in akustischen Solo- und Ambient-Projekten eingesetzt. Auch in der modernen Weltmusik- und Straßenmusik-Szene ist sie ein beliebtes Begleitinstrument, weil sie sich gut mit Gesang, Percussion oder anderen akustischen Instrumenten kombinieren lässt. Anders als traditionelle Mbiras aus Simbabwe, die fest in religiösen Zeremonien und der Shona-Musiktradition verwurzelt sind, hat die Array Mbira keine vergleichbare zeremonielle Funktion, sondern wird vor allem als modernes Ausdrucks- und Entspannungsinstrument geschätzt.
Bekannte Lieder mit der Array Mbira
Weil die Array Mbira ein junges, vor allem in der westlichen Welt verbreitetes Instrument ist, gibt es keine berühmten traditionellen Musikstücke, die mit ihr verbunden sind, anders als etwa bei der simbabwischen Mbira dzavadzimu, die eng mit Künstlern wie Thomas Mapfumo oder Stella Chiweshe verbunden ist, aber ein gänzlich anderes Instrument darstellt. Aufnahmen mit der Array Mbira finden sich vor allem auf Alben und Videos einzelner spezialisierter Musikerinnen und Musiker aus der Ambient-, Meditations- und akustischen Improvisationsszene, die das Instrument seit den 1990er-Jahren bekannt gemacht haben.




