Der Guqin ist ein traditionelles chinesisches Saiteninstrument mit einer über 3000-jährigen Geschichte. Er zählt zur Familie der Kastenzithern: Sein langes, schmales Gehäuse ist flach wie eine Tischplatte, besitzt weder Hals noch Griffbrett, und die sieben Saiten laufen über die gesamte Länge des Korpus. Gespielt wird der Guqin liegend auf einem Tisch oder einem speziellen Ständer, niemals aufrecht gehalten. Die Saiten werden ausschließlich mit den Fingern der rechten und linken Hand gezupft - ein Bogen oder Hammer kommt beim Guqin nicht zum Einsatz. Der Guqin hat in der chinesischen Kultur eine lange und wichtige Geschichte und wird oft als Symbol für Weisheit und Bildung betrachtet: Zusammen mit Kalligrafie, Malerei und dem Brettspiel Weiqi (Go) zählte die Beherrschung des Guqin traditionell zu den vier Künsten eines gebildeten chinesischen Gelehrten. Der Guqin ist ein sehr schönes und einzigartiges Instrument mit einer ruhigen, meditativen Klangqualität.
Wie klingt der Guqin?
Der Klang des Guqin ist einzigartig und beruhigend. Er hat einen weichen, warmen und leisen Klang, der sich durch seine sieben Saiten in unterschiedlichen Registern entfaltet - von tiefen, vollen Grundtönen bis zu glasklaren, silbrigen Flageolett-Obertönen, die durch leichtes Berühren der Saite an bestimmten Punkten entstehen. Der Klang des Instruments ist sehr subtil und kann leise und sanft oder, bei kräftigem Anschlag, überraschend präsent sein. Wegen seiner geringen Lautstärke wurde der Guqin historisch fast nie in großen Ensembles oder vor großem Publikum gespielt, sondern vor allem für sich selbst, im kleinen Kreis oder zur Meditation. Der Klang des Guqin gilt bis heute als eine der subtilsten und kontemplativsten Klangwelten der chinesischen Musik.
Woraus besteht der Guqin?
Der Guqin besteht aus einem langen, schmalen, flachen Holzkorpus ohne Hals oder Griffbrett, der insgesamt etwa 120 Zentimeter lang ist. Traditionell wird die gewölbte Decke aus leichtem Wu-Tong-Holz (Firmiana) gefertigt, der flachere Boden aus härterem Catalpa- oder Zi-Holz; beide Teile werden verleimt und anschließend mehrfach mit Lack überzogen, der teilweise mit fein gemahlener Hirschhornasche gemischt wird, um die charakteristische, oft rissige Oberfläche alter Instrumente zu erzeugen. Über die Decke sind sieben Saiten gespannt, die traditionell aus gedrehter Seide bestehen, heute aber häufig aus mit Metall umsponnenem Nylon gefertigt werden. Am breiten Ende laufen die Saiten über Stimmwirbel an der Unterseite, am schmalen Ende werden sie um zwei kleine, "Gänsefüße" genannte Stifte geschlungen. Entlang einer Längskante der Decke sind 13 kleine, runde Markierungspunkte, die sogenannten Hui, eingelassen - meist aus Perlmutt gefertigt. Sie zeigen dem Spieler die Positionen für Obertöne und gegriffene Töne an, sind aber, anders als Bünde, nicht erhöht und berühren die Saiten nicht: Der Guqin bleibt vollständig bundlos.
Wie spielt man den Guqin?
Der Guqin ist ein traditionelles chinesisches Saiteninstrument, das seit mehr als 3000 Jahren gespielt wird. Er wird ausschließlich mit den Fingern gespielt: Die rechte Hand zupft nahe dem Steg mit Daumen, Zeige-, Mittel- und Ringfinger die sieben Saiten an, während die linke Hand auf der Decke entlang der Hui-Markierungen die Saiten niederdrückt oder ganz leicht berührt.
Wird eine Saite von der linken Hand fest niedergedrückt, entsteht ein normaler, gegriffener Ton, dessen Tonhöhe sich durch Gleiten des Fingers entlang der Saite - eine Technik, die im Chinesischen unter anderem Chuo oder Zhu genannt wird - fließend verändern lässt, ähnlich einem Glissando. Berührt die linke Hand die Saite dagegen nur ganz leicht genau über einem Hui-Punkt, während die rechte Hand gleichzeitig anzupft, entsteht ein heller, glasklarer Flageolett-Ton, ein sogenannter Fan Yin. Diese Kombination aus gegriffenen Tönen, Glissandi und Flageolett-Obertönen macht den Klang des Guqin außergewöhnlich vielseitig, obwohl das Instrument nur sieben Saiten besitzt.
Die traditionelle Notenschrift für den Guqin, Jianzipu genannt, notiert dabei nicht einzelne Töne wie eine westliche Partitur, sondern beschreibt in abgekürzten chinesischen Schriftzeichen, welche Saite mit welchem Finger an welcher Hui-Position gegriffen oder gezupft werden soll. Der Guqin ist ein sehr komplexes Instrument, das viel Übung und Geduld erfordert, um es zu meistern.
Typische Musikstile mit dem Guqin
Der Guqin steht seit jeher für die Musik des chinesischen Gelehrtenstands: Er wurde traditionell nicht für große Auftritte, sondern für das Spiel im privaten, meist einsamen oder engen Kreis genutzt, häufig begleitet von Kalligrafie, Dichtung oder Naturbetrachtung. Bekannt ist etwa die Legende von Boya und Ziqi, in der ein Guqin-Spieler und ein Holzfäller durch die Musik zu wahren Seelenverwandten werden - eine Geschichte, die bis heute als Sinnbild für tiefes gegenseitiges Verständnis (Zhiyin, wörtlich "der den Klang kennt") gilt. Über Jahrhunderte wurde das Repertoire des Guqin in gedruckten Griffschrift-Sammlungen wie dem "Shenqi Mipu" von 1425 festgehalten und von Generation zu Generation weitergegeben. Im Jahr 2003 wurde die Guqin-Musik von der UNESCO als Meisterwerk des mündlichen und immateriellen Erbes der Menschheit anerkannt, was zu einem spürbaren Wiederaufleben des Instruments in China geführt hat.
Bekannte Lieder mit dem Guqin
Zu den bekanntesten und ältesten Stücken des Guqin-Repertoires zählen "Liu Shui" (Fließendes Wasser) und "Gao Shan" (Hohe Berge), die beide eng mit der Legende von Boya und Ziqi verbunden sind. Ebenfalls weit verbreitet sind Stücke wie "Meihua Sannong" (Drei Variationen über die Pflaumenblüte) oder "Yangguan Sandie" (Drei Wiederholungen des Yang-Passes), ein Abschiedslied, das auf ein berühmtes Gedicht der Tang-Dynastie zurückgeht. Anders als bei westlicher Popmusik lassen sich diese Stücke selten einem einzelnen, historisch gesicherten Komponisten zuordnen - sie wurden über Jahrhunderte mündlich und über Tabulatur-Sammlungen weitergegeben und von jeder Guqin-Schule und jedem Spieler etwas unterschiedlich interpretiert.




