Orchestermusiker werden

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Eine Streichergruppe im Orchester spielt, Bögen und Griffhände in Nahaufnahme. Foto: Pexels / Pixabay.
Eine Streichergruppe im Orchester spielt, Bögen und Griffhände in Nahaufnahme. Foto: Pexels / Pixabay.

Zusammenfassung

Ein Orchestermusiker spielt auf einer festen Planstelle in einem Konzert-, Theater-, Rundfunk- oder Kammerorchester. In Deutschland gibt es dafür 129 öffentlich finanzierte Orchester mit 9.748 Planstellen. Der Zugang läuft über das Probespiel: mehrere Durchgänge mit Pflicht-Solostück und Orchesterstellen, in der ersten Runde meist hinter einem Vorhang, danach eine Abstimmung des Orchesters. Wer sie besteht, tritt eine Probezeit von bis zu 18 Monaten an. Feste Stellen laufen über den Tarifvertrag für die Musiker in Konzert- und Theaterorchestern, daneben stehen Zeitverträge und Aushilfsdienste.

Ein Orchestermusiker spielt auf einer festen Planstelle in einem Konzert-, Theater-, Rundfunk- oder Kammerorchester. In Deutschland gibt es dafür 129 öffentlich finanzierte Orchester mit 9.748 Planstellen. Der Zugang läuft über ein einziges Verfahren, das Probespiel: Wer es nicht besteht, kommt nicht hinein, gleich welchen Abschluss er mitbringt.

129Orchester in Deutschland
9.748Planstellen
A bis DVergütungsgruppen
18 MonateProbezeit höchstens

Was macht ein Orchestermusiker?

Ein Orchestermusiker spielt seine Stimme im Ensemble, nicht sein eigenes Programm. Ein Tuttistreicher spielt mit vielen Kollegen zugleich, ein Konzertmeister führt die ersten Violinen, ein Solobläser trägt seine Stimme allein.

MerkmalOrchestermusiker
ArbeitsplatzKonzert-, Theater-, Rundfunk- und Kammerorchester
Orchester in Deutschland129 öffentlich finanzierte Orchester mit 9.748 Planstellen (Stand Januar 2026)
Übliche Ausbildungkünstlerisches Hauptfach an einer Musikhochschule
ZwischenschrittOrchesterakademie, meist bis zu zwei Jahre
Zugang zur Stelleöffentlich ausgeschriebenes Probespiel
Auswahldas Orchester stimmt ab, der Arbeitgeber schließt den Vertrag
ErprobungProbearbeitsverhältnis bis 18 Monate, sonst Probezeit bis zum Ende des 24. Monats
TarifvertragTVK, Tarifvertrag für die Musiker in Konzert- und Theaterorchestern
VergütungsgruppenA bis D, nach der Zahl der Planstellen des Orchesters
Dienstbelastunghöchstens 183 Dienste in 24 Wochen, höchstens zehn je Kalenderwoche
Weitere FormenZeitverträge mit sachlichem Grund, Aushilfen von Fall zu Fall

Wie läuft ein Probespiel für eine Orchesterstelle ab?

Das Probespiel läuft in mindestens zwei Durchgängen ab, und das Orchester wirkt in jedem Schritt mit. Den Ablauf beschreibt eine Musterordnung der Deutschen Musik- und Orchestervereinigung.

  • Ausschreibung. Jede Stelle wird öffentlich ausgeschrieben und nennt oft schon das Pflicht-Solostück, das die Fachgruppe vorschlägt.
  • Einladung. Fachgruppe, Orchestervorstand und musikalischer Leiter wählen aus; die Einladung benennt die Pflicht-Orchesterstellen.
  • Erster Durchgang. Alle spielen dasselbe Pflicht-Solostück. Danach stimmt das Orchester mit einfacher Mehrheit über jeden Kandidaten einzeln ab.
  • Zweiter Durchgang. Die Verbliebenen spielen weitere Pflichtstellen aus dem Orchesterrepertoire, alle dieselben. Unbekannte Stellen prüfen das Blattspiel.
  • Abstimmung. Das Orchester stimmt offen oder geheim über den Vorschlag zur Anstellung ab. Erreicht niemand die Mehrheit, folgt ein weiterer Durchgang oder die Stelle bleibt frei.

Einstellen darf das Orchester allerdings niemanden: Der Orchestervorstand hält die Stimmenverhältnisse fest und vertritt sie gegenüber dem Arbeitgeber, der den Vertrag schließt. Lehnt die Fachgruppe des Instruments einen Kandidaten begründet mehrheitlich ab, darf er nicht vorgeschlagen werden.

Durchgänge, Pflichtstück, Orchesterstellen und Abstimmung gelten allgemein; ihre Zahl und die nötigen Mehrheiten legt jedes Haus selbst fest.

Stufe Feld der Bewerber (schematisch) Was dort geschieht Musikstudium Hauptfach an einer Musikhochschule Orchesterakademie freiwillig, meist bis zu zwei Jahre Bewerbung auf eine öffentlich ausgeschriebene Stelle Einladung das Orchester lädt nur einen Teil ein Erster Durchgang Pflicht-Solostück, meist hinter dem Vorhang Hier scheiden die meisten aus. Zweiter Durchgang Orchesterstellen, für alle dieselben Abstimmung das Orchester stimmt über jeden einzeln ab Probejahr Probearbeitsverhältnis bis 18 Monate Feste Planstelle unbefristet, vergütet nach dem TVK Die Balkenlängen zeigen die Richtung, nicht gemessene Zahlen. Die Orchesterakademie ist freiwillig und ersetzt kein Probespiel.
Der Weg verengt sich mit jeder Stufe. Den größten Einschnitt bringt der erste Durchgang: Dort spielen alle dasselbe Pflichtstück.

Warum spielen Bewerber im Probespiel hinter einem Vorhang?

Der Vorhang soll dafür sorgen, dass allein das Gehörte entscheidet. Das Orchester hört den Kandidaten, sieht ihn aber nicht, und die Reihenfolge wird ausgelost. Aussehen, Geschlecht, Herkunft, Alter und ein bekannter Name scheiden als Einflussgrößen aus.

Üblich ist der Vorhang im ersten Durchgang; später fällt er an vielen Häusern, weil das Orchester auch das Zusammenspiel mit der Stimmgruppe beurteilen will. Die Musterordnung schreibt ihn nicht vor.

Was passiert im Probejahr eines Orchestermusikers?

Das Probejahr ist die Erprobung im laufenden Betrieb, und erst danach steht die Stelle fest. Der Tarifvertrag erlaubt dafür ein befristetes Probearbeitsverhältnis von bis zu 18 Monaten; bei einem gleich unbefristeten Vertrag gilt die Zeit bis zum Ende des 24. Beschäftigungsmonats als Probezeit.

Statt fünf Minuten hinter dem Vorhang hört das Orchester den neuen Kollegen nun über Monate: Intonation in der Stimmgruppe, Anpassung an Strichart und Artikulation, Verlässlichkeit unter Zeitdruck. Vor Ablauf ermittelt der Orchestervorstand erneut dessen Auffassung.

Was bringt eine Orchesterakademie?

Die Orchesterakademie schiebt sich zwischen Studium und feste Stelle. Junge Musiker spielen dort meist bis zu zwei Jahre im Orchester mit, erhalten Unterricht bei Mitgliedern ihrer Stimmgruppe und bereiten sich auf Probespiele vor. Ausgewählt wird auch hier per Probespiel, oft mit Altersgrenze.

Sie liefert, was ein Musikstudium nur begrenzt bietet: Repertoire in der Menge des Betriebs, Probendisziplin, Dienstplan. Eine Anwartschaft ist sie nicht: Wird im Haus eine Stelle frei, spielt der Akademist dasselbe Probespiel wie alle.

Wie sind Orchestermusiker angestellt?

Feste Stellen in öffentlich getragenen Orchestern laufen über den Tarifvertrag für die Musiker in Konzert- und Theaterorchestern, kurz TVK, geschlossen zwischen Deutschem Bühnenverein und Deutscher Musik- und Orchestervereinigung. Die Vergütung folgt drei Größen: der Vergütungsgruppe des Orchesters, der Dienstzeit des Musikers und einer Tätigkeitszulage für Führungs- und Solopositionen. Eingruppiert wird das Orchester nach der Zahl seiner Planstellen: Gruppe A verlangt 99 Musikerstellen, davon 55 für Streicher, Gruppe B 66 und 36, Gruppe C 56 und 30, darunter beginnt Gruppe D. Die Grundvergütung steigt alle zwei Jahre um eine Stufe. Beträge nennen wir nicht.

Daneben stehen Zeitverträge, nur mit sachlichem Grund zulässig, und Aushilfen, von Fall zu Fall engagiert und vom TVK ausgenommen. Viele verbinden solche Dienste mit Unterricht, wie der Überblick über das Arbeiten mit Musik zeigt.

Über die Orchesterstelle entscheidet das Probespiel, nicht das Zeugnis. Das Orchester hört die Bewerber selbst, stimmt über jeden einzeln ab und lässt sich vom Orchestervorstand gegenüber dem Arbeitgeber vertreten. Ein Hochschulabschluss ist der übliche Weg dorthin, spart aber keine einzige Runde.

Welches Instrument hat welche Aussichten im Orchester?

Die Aussichten hängen davon ab, wie viele Stellen ein Instrument im Orchester hat, und diese Zahlen stehen im Tarifvertrag: Ein Orchester der Vergütungsgruppe A führt mindestens 55 Streicherstellen, aber nur je fünf für Flöte, Oboe und Klarinette und genau eine für Tuba.

Wer Geige, Bratsche, Cello oder Kontrabass spielt, sieht deshalb über die Jahre mehr Ausschreibungen. Wer Tuba spielt, wartet darauf, dass irgendwo die eine Stelle eines Hauses frei wird. Dazu kommt eine zweite Schwelle: Je Bläsergruppe gibt es nur einen Ersten Spieler.

Mehr Stellen bedeuten nicht weniger Konkurrenz: Auf Tuttistellen bewerben sich Musiker aus dem In- und Ausland. Die neue musikzeitung berichtet von 240 Bewerbungen auf eine Schlagwerkstelle; belastbare Durchschnittswerte gibt es nicht.

Wie sieht der Alltag eines Orchestermusikers aus?

Der Alltag besteht aus Diensten, der Mitwirkung bei Aufführungen und Proben, und der Tarifvertrag begrenzt ihre Zahl: höchstens 183 in 24 Wochen und höchstens zehn je Kalenderwoche. Eine Orchesterprobe soll zweieinhalb Stunden nicht überschreiten, mit Bühnengeschehen drei. Typisch ist der geteilte Tag: vormittags Probe, abends Vorstellung.

Körperlich ist die Arbeit einseitig: dieselbe Haltung über Jahrzehnte, dasselbe Gewicht auf derselben Schulter. Beschwerden an Nacken, Schultern und Händen gehören zu den häufigsten Gesundheitsproblemen von Berufsmusikern, dazu kommt die Schallbelastung im Orchestergraben. Den Druck vor Publikum behandelt unser Artikel zum Lampenfieber.

Häufige Fragen zum Orchestermusiker

Wie wird man Orchestermusiker?

Orchestermusiker wird man über ein Probespiel. Üblich ist der Weg über ein künstlerisches Hauptfach an einer Musikhochschule, oft gefolgt von einer Orchesterakademie. Danach bewirbt man sich auf eine ausgeschriebene Stelle, spielt dort ein Pflicht-Solostück und Orchesterstellen und muss die Abstimmung des Orchesters bestehen. Ein Abschluss ist nicht vorgeschrieben.

Wie läuft ein Probespiel im Orchester ab?

Ein Probespiel läuft in mehreren Durchgängen ab. Im ersten spielen alle Kandidaten dasselbe angekündigte Pflicht-Solostück, an vielen Häusern hinter einem Vorhang; danach stimmt das Orchester über jeden einzeln ab. Im zweiten folgen weitere Pflichtstellen aus dem Orchesterrepertoire, für alle dieselben. Am Ende stimmt das Orchester über den Vorschlag zur Anstellung ab.

Wie lange dauert das Probejahr im Orchester?

Das Probejahr im Orchester dauert höchstens 18 Monate, wenn das Haus nach dem Tarifvertrag für die Musiker in Konzert- und Theaterorchestern ein befristetes Probearbeitsverhältnis schließt. Bei einem unbefristeten Vertrag gilt die Zeit bis zum Ende des 24. Beschäftigungsmonats als Probezeit; kürzer dürfen beide Seiten vereinbaren, länger nicht.

Welches Instrument hat die besten Chancen auf eine Orchesterstelle?

Die meisten Stellen haben die Streichinstrumente. Ein Orchester der Vergütungsgruppe A führt mindestens 55 Streicherstellen, aber nur fünf Flöten- und eine Tubastelle. Wer Geige, Bratsche, Cello oder Kontrabass spielt, findet deshalb mehr Ausschreibungen als ein Bläser. Solopositionen werden noch seltener frei: Je Bläsergruppe gibt es nur einen Ersten Spieler.

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