Kangling

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Anna Kepa
Anna Kepa

Zusammenfassung

Der Kangling ist eine natürliche Trompete (Aerophon) aus einem menschlichen Oberschenkelknochen, die im tibetischen Vajrayana-Buddhismus vor allem in der Chöd-Praxis verwendet wird, einem tantrischen Ritual, in dem der Praktizierende symbolisch den eigenen Körper darbringt, um Anhaftung und Angst zu überwinden.

Der Kangling ist eine natürliche Trompete (Aerophon) aus einem menschlichen Oberschenkelknochen, die im tibetischen Vajrayana-Buddhismus vor allem in der Chöd-Praxis verwendet wird, einem tantrischen Ritual, in dem der Praktizierende symbolisch den eigenen Körper darbringt, um Anhaftung und Angst zu überwinden. Für den Bau wird ein Oberschenkelknochen etwa 30 Zentimeter oberhalb des Knies durchtrennt; die natürlichen Gelenkrundungen, die Kondylen, am unteren, knienahen Ende bilden dabei einen natürlichen, trichterförmigen Schalltrichter, während am oberen, hüftnahen Ende eine schräg angeschliffene Kerbe als Mundstück dient. Gespielt wird der Kangling wie ein Naturhorn: durch Blasen und Anschlagen der Lippen am Mundstück, ähnlich wie bei einer Trompete oder einem Alphorn.

Wie klingt der Kangling?

Der Kangling erzeugt einen schrillen, durchdringenden und leicht klagenden Naturhornton, der je nach Anblasdruck zwischen tiefem, dumpfem Grollen und schneidend hohen, kreischenden Obertönen wechseln kann. Dieser bewusst unwirtlich und beunruhigend wirkende Klang ist im rituellen Kontext gewollt: Er soll Geister und hungrige Wesen herbeirufen und den Praktizierenden mit Vergänglichkeit konfrontieren.

Woraus besteht der Kangling?

Der Kangling wird aus einem menschlichen Oberschenkelknochen gefertigt, der etwa 30 Zentimeter oberhalb des Knies abgetrennt wird. Der natürliche Markkanal des Knochens dient als Luftsäule beziehungsweise Bohrung des Instruments. Am unteren Ende bilden die beiden Gelenkrundungen des Knies einen natürlich geformten, ausladenden Schalltrichter, der dem Klang seine typische Schärfe verleiht.

Am oberen, hüftnahen Ende wird der Knochen schräg angeschliffen oder eingekerbt, sodass ein einfaches, kelchförmiges Mundstück entsteht, das mitunter zusätzlich mit Metall, Wachs oder einer Silberfassung verstärkt wird. Ein Kangling wird gelegentlich zusätzlich mit Silber- oder Messingbeschlägen verziert; einen schnur- oder seilbasierten Mechanismus zur Tonerzeugung, wie mitunter behauptet, besitzt das Instrument nicht. Der Ton entsteht ausschließlich durch die Lippenvibration des Spielers am Mundstück.

Wie spielt man den Kangling?

Der Kangling wird beidhändig gehalten und am hüftnahen Ende mit den Lippen angesetzt. Wie bei jedem Naturhorn entsteht der Ton, indem der Spieler die Lippen locker gegen das Mundstück presst und sie durch den Luftstrom in Schwingung versetzt, vergleichbar mit dem Ansatz auf Trompete oder Alphorn. Da der Kangling keine Grifflöcher oder Ventile besitzt, lassen sich nur die Naturtonreihe sowie Veränderungen von Lautstärke und Klangfarbe über Lippenspannung und Anblasdruck variieren; ein Streichen oder Klopfen des Knochens mit der freien Hand, wie mitunter beschrieben, erzeugt keinen Ton.

Im rituellen Chöd-Kontext wird der Kangling oft zusammen mit der Handtrommel Damaru und der Schelle Drilbu gespielt; kurze, durchdringende Stöße im Wechsel mit langen, wehklagenden Tönen begleiten dabei die rezitierten Texte und rufen symbolisch Geister und Dämonen herbei, deren Hunger im Ritual gestillt werden soll.

Typische Musikstile mit dem Kangling

Der Kangling ist fest in der tibetisch-buddhistischen Ritualmusik verwurzelt, insbesondere in der von der Meisterin Machig Labdrön im 11. beziehungsweise 12. Jahrhundert begründeten Chöd-Praxis, in der er gemeinsam mit Damaru-Trommel und Drilbu-Glocke gespielt wird. Auch in weiteren tantrischen Zeremonien und Totenritualen findet er Verwendung.

Außerhalb des unmittelbaren Ritualkontexts taucht der charakteristische Klang des Kangling gelegentlich in zeitgenössischer meditativer und ambient-inspirierter Musik auf, die sich an tibetisch-buddhistischen Traditionen orientiert.

Bekannte Lieder mit dem Kangling

Da der Kangling ein primär rituelles und kein für populäre Songs bestimmtes Instrument ist, lässt er sich weniger einzelnen Titeln als vielmehr Musikern und Kontexten zuordnen, die die tibetische Ritualmusik authentisch dokumentieren oder in zeitgenössische Werke einbinden:

  • Tenzin Choegyal, tibetisch-australischer Musiker, der traditionelle tibetische Instrumente und Gesangsformen in seine Alben einbindet.
  • Nawang Khechog, buddhistischer Mönch und Musiker, bekannt für meditative Kompositionen mit traditionellen tibetischen Instrumenten.
  • Die Chöd-Praxis der Machig Labdrön-Tradition, zahlreiche ethnomusikologische Feldaufnahmen und Ritualaufnahmen dokumentieren den authentischen Einsatz des Kangling im buddhistischen Ritual.

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