Gaida

4 Min. Lesezeit
Redaktion
Bild: Foxartbox / Shutterstock.com
Bild: Foxartbox / Shutterstock.com

Zusammenfassung

Die Gaida ist ein traditioneller bulgarischer Dudelsack. Ihr Windsack besteht aus einer ganzen, ungegerbten Ziegen- oder Schafshaut, die außen ihr Fell behält, ein charakteristisches, pelziges Erscheinungsbild, an dem man die Gaida leicht erkennt. Gespielt wird sie ausschließlich mit dem Mund: Der Spieler bläst über ein Blasrohr Luft in den Sack und presst sie von dort mit dem Arm gleichmäßig durch die Melodiepfeife.

Die Gaida ist ein traditioneller bulgarischer Dudelsack. Ihr Windsack besteht aus einer ganzen, ungegerbten Ziegen- oder Schafshaut, die außen ihr Fell behält, ein charakteristisches, pelziges Erscheinungsbild, an dem man die Gaida leicht erkennt. Gespielt wird sie ausschließlich mit dem Mund: Der Spieler bläst über ein Blasrohr Luft in den Sack und presst sie von dort mit dem Arm gleichmäßig durch die Melodiepfeife. Die Gaida hat einen einzigartigen, durchdringenden Klang mit einer tiefen Bordunstimme, die den Grundton konstant mitklingen lässt. Sie ist eines der zentralen Instrumente der bulgarischen Volksmusik und aus traditionellen Tänzen und Festen kaum wegzudenken.

Wie klingt die Gaida?

Die Gaida erzeugt ihren Klang über zwei einfache Schilfrohrblätter: eines in der Melodiepfeife (Gaidunitsa) und ein weiteres im Bordunrohr, das einen durchgehenden, tiefen Ton unter der Melodie hält. Charakteristisch ist der volle, leicht näselnde Klang mit hörbarem Luftrauschen, der stark an schottische oder galizische Dudelsackmusik erinnert, aber eigenständig bulgarisch timbriert ist. Weil der Windsack die Luftzufuhr konstant hält, klingt die Gaida ununterbrochen, auch wenn der Spieler zum Atmen pausiert. Der Klang wird oft als durchdringend, festlich und tanzbar beschrieben und ist besonders in schnellen, ungeraden bulgarischen Taktarten wie 7/8 oder 9/8 präsent.

Woraus besteht die Gaida?

Die Gaida besteht aus vier Teilen: dem Windsack (Mih), der Melodiepfeife (Gaidunitsa), dem Bordunrohr (Ruchilo) und dem Blasrohr (Duhalo). Der Windsack wird aus einer ganzen Ziegen- oder Schafshaut gefertigt, die nur an Hals und Beinen zugebunden wird; das Fell bleibt außen erhalten, wodurch die Gaida ihr typisches pelziges Aussehen bekommt. In die drei Öffnungen der Haut sind hölzerne Stutzen eingebunden, an denen Blasrohr, Melodiepfeife und Bordun befestigt werden.

Die Gaidunitsa, die Melodiepfeife, ist aus Hartholz wie Pflaumen- oder Buchsbaumholz gedrechselt und hat sieben bis acht Grifflöcher sowie ein einfaches Rohrblatt am oberen Ende, das im Windsack sitzt. Das Bordunrohr ist deutlich länger, meist zweigeteilt und wird über die Schulter gelegt; es erzeugt ebenfalls über ein einfaches Rohrblatt einen einzigen, gleichbleibenden tiefen Ton, der die Melodie begleitet. Über das Blasrohr, das ein Rückschlagventil aus Leder besitzt, füllt der Spieler den Sack mit Atemluft.

Je nach Herkunftsregion unterscheiden sich bulgarische Gaidas deutlich in Größe und Stimmung: Die thrakische Gaida ist eher klein und hoch gestimmt und wird meist solistisch für schnelle, virtuose Tänze gespielt. Die Rhodopen-Gaida, auch Kaba Gaida genannt, ist deutlich größer und tiefer gestimmt und erzeugt einen dunkleren, gedehnteren Klang, der traditionell für langsame, freie Melodien ohne festen Takt genutzt wird. Auch die Dobrudscha-Gaida im Nordosten Bulgariens hat eine eigene Bauform mit charakteristischer Stimmung, die sich klanglich von den beiden anderen Regionaltypen deutlich unterscheidet.

Wie spielt man die Gaida?

Um die Gaida zu spielen, füllt der Spieler zunächst über das Blasrohr mit dem Mund den Windsack mit Luft. Anschließend presst er den Sack mit dem linken Arm gleichmäßig zusammen, während er weiter Luft nachbläst, sobald der Vorrat zur Neige geht, ein Rückschlagventil im Blasrohr verhindert, dass die Luft zurückströmt. Auf diese Weise entsteht ein ununterbrochener Luftstrom, der sowohl die Melodiepfeife als auch das Bordunrohr speist.

Mit den Fingern beider Hände werden die sieben bis acht Grifflöcher der Gaidunitsa geöffnet und geschlossen, um die Melodie zu spielen. Weil der Luftdruck im Sack durch den Armdruck reguliert wird, kann der Spieler den Ton zusätzlich durch Verzierungen wie schnelle Vorschläge, Doppelschläge und kurze Triller ausschmücken, die typisch für die bulgarische Dudelsackmusik sind.

Da der Bordun ununterbrochen klingt, muss der Melodieteil rhythmisch sehr präzise gespielt werden, damit Melodie und Bordun harmonisch zusammenwirken. Erfahrene Spieler atmen zudem durch die Nase, um den Sack ohne hörbare Unterbrechung ständig nachzufüllen.

Die Gaida ist ein sehr flexibles Instrument, das eine Vielzahl von Klängen erzeugen kann. Sie wird sowohl solistisch als auch in Ensembles gespielt und ist eines der beliebtesten Instrumente der bulgarischen Volksmusik.

Typische Musikstile mit der Gaida

Die Gaida ist unverzichtbarer Bestandteil der bulgarischen Volksmusik und wird traditionell zu Hochzeiten, Dorffesten und beim Horo, dem bulgarischen Rundtanz, gespielt. Charakteristisch sind die ungeraden, asymmetrischen Taktarten der bulgarischen Volksmusik wie 7/8 (Ruchenitsa) oder 11/8 (Kopanitsa), in denen die Gaida oft die führende Melodiestimme übernimmt.

Seit dem 20. Jahrhundert wird die Gaida auch in professionellen Folklore-Ensembles und im sogenannten "Wedding Music"-Stil eingesetzt, in dem virtuose Musiker wie Ivo Papasov die Gaida mit Klarinette, Akkordeon und Blechbläsersätzen kombinierten. Heute taucht sie zudem gelegentlich in Weltmusik- und Fusion-Produktionen auf, die bulgarische Klangfarben mit anderen Genres verbinden. Bulgarische Gaida-Spieler treten außerdem regelmäßig bei regionalen Folklore-Festivals wie dem Rozhen-Festival auf, wo verschiedene Gaida-Traditionen der einzelnen Landesteile nebeneinander zu hören sind.

Bekannte Lieder mit der Gaida

1. "Kopanitsa", ein traditionelles Tanzlied im charakteristischen 11/8-Takt und einer der bekanntesten bulgarischen Volkstänze, in dem die Gaida häufig die Melodie führt.

2. "Ruchenitsa", ein weit verbreiteter bulgarischer Tanz im 7/8-Takt, klassisches Repertoire für Gaida-Spieler bei Hochzeiten und Festen.

3. Aufnahmen von Ivo Papasov und seinem Orchester, der die Gaida mit Klarinette, Akkordeon und Blechbläsern zu virtuosen "Wedding Music"-Stücken kombinierte und den Gaida-Klang international bekannt machte.

4. "Kaval Sviri" ("Der Kaval spielt"): ein bekanntes bulgarisches Volkslied, das trotz seines Namens auch häufig von Gaida-Ensembles interpretiert wird.

5. Als Soloinstrument ist die Gaida außerdem fester Bestandteil staatlicher bulgarischer Folkloreensembles, die die Tradition bis heute in Konzerten und Aufnahmen lebendig halten.

Weitere Artikel in Blasinstrumente

Gaita

Gaita

Die Gaita, in ihrer indigenen Herkunftssprache auch Kuisi genannt, ist ein traditionelles kolumbianisches Blasinstrument von der karibischen Küste Kolumbiens. Sie geht auf indigene Kulturen der Region zurück und wird bis heute vor allem in der Cumbia-Musik gespielt. Die Gaita ist eine Kernspaltflöte: Der Korpus wird aus dem Holz des Kaktus Cardón geschnitzt, die Luft wird über einen kleinen, aus Bienenwachs und Holzkohle geformten Kopf mit einer Federkiel-Kernspalte in die Röhre geleitet.

Gajdy

Gajdy

Gajdy ist die slawische Bezeichnung für einen traditionellen Dudelsack, der vor allem in Polen, der Slowakei und Tschechien gespielt wird. Das Wort ist eng verwandt mit dem Begriff Dudy, unter dem das Instrument ebenfalls bekannt ist. Die Gajdy besteht aus einem Sack aus Ziegenfell, der manchmal mit Kopf und Beinen des Tieres verziert ist, sowie einer Melodiepfeife und einer oder mehreren Bordunpfeifen mit Rohrblättern.

Großer Hochland-Dudelsack

Großer Hochland-Dudelsack

Der Große Hochland-Dudelsack ist ein traditionelles schottisches Musikinstrument, das seit Jahrhunderten in Schottland gespielt wird. Es ist ein mundgeblasenes Blasinstrument, das aus einem Lederbeutel, einem Blasrohr, einer Spielpfeife (Chanter) und drei Bordunpfeifen besteht. Der Beutel wird direkt durch das Blasrohr mit Luft gefüllt, aus der die Spielpfeife und die Bordune gespeist werden.

Großer irischer Dudelsack

Großer irischer Dudelsack

Der Große Irische Dudelsack (englisch "Great Irish Warpipe") ist ein traditionelles irisches Blasinstrument aus der Familie der Dudelsäcke. Wie bei allen Dudelsäcken bildet ein luftgefüllter Sack aus Leder oder gegerbter Tierhaut das Herzstück des Instruments: Der Spieler bläst über ein Mundstück Luft in den Sack und presst ihn anschließend mit dem Arm zusammen, um einen gleichmäßigen Luftstrom zu erzeugen.