Die Altflöte ist ein Holzblasinstrument aus der Flötenfamilie und die tiefer gestimmte Schwester der klassischen Querflöte. Anders als oft behauptet, ist sie kein Instrument mit jahrhundertealter Tradition: Ihre heutige Form mit Boehm-Klappenmechanik geht auf den deutschen Flötenbauer und Flötisten Theobald Boehm zurück, der 1858 sein System auch auf tiefer gestimmte Flöten übertrug. Erst danach etablierte sich die Altflöte allmählich in Orchestern und Kammermusik, später auch im Jazz und in der Weltmusik. Sie klingt eine reine Quarte tiefer als die normale Querflöte und ist meist in G gestimmt. Ihr Ton ist weich, warm und dunkel gefärbt, was sie zu einem beliebten Farbinstrument in vielen Ensembles macht. Sie ist größer und schwerer als die Standardflöte, lässt sich aber mit derselben Grundtechnik erlernen.
Wie klingt die Altflöte?
Die Altflöte hat einen warmen, weichen und dunkel gefärbten Klang, der sich deutlich von der helleren, silbrigen Klangfarbe der normalen Querflöte unterscheidet. Da sie eine Quarte tiefer gestimmt ist, klingt sie voller und geheimnisvoller, besonders in der tiefen Lage. Der Ton kann sehr sanft und intim, aber auch kraftvoll gespielt werden. Die Altflöte besitzt eine reiche Klangfarbe mit vielen Obertönen und eignet sich hervorragend, um ausdrucksstarke, melancholische oder meditative Stimmungen zu erzeugen. Sie wird sowohl solistisch als auch als Klangfarbe im Ensemble eingesetzt und gilt unter Flötistinnen und Flötisten als besonders reizvoll, weil sie ein völlig anderes Spielgefühl als die Standardflöte vermittelt.
Woraus besteht die Altflöte?
Die Altflöte ist, wie die normale Querflöte, ein Seitenblasinstrument mit einem geraden, leicht konischen Rohr, das heute meist aus versilbertem oder vernickeltem Neusilber, seltener aus Holz gefertigt wird. Sie besteht aus drei Teilen: dem Kopfstück mit dem Anblasloch, über das der Luftstrom geblasen wird, dem Mittelstück mit der Klappenmechanik und dem Fußstück. Anders als bei Rohrblattinstrumenten gibt es kein aufgesetztes Mundstück mit Blatt, der Ton entsteht allein dadurch, dass die Luft am scharfen Rand des Anblaslochs gebrochen wird. Weil das Instrument insgesamt rund 80 bis 86 Zentimeter lang ist, ist das Kopfstück häufig U-förmig gebogen, damit die Arme des Spielers die Klappen noch bequem erreichen können.
Wie die normale Querflöte besitzt auch die Altflöte ein System aus Ring- oder Deckelklappen, mit denen die Tonlöcher verschlossen werden, sowie zusätzliche Hebel für die tiefsten Töne. Viele Altflöten besitzen ein Fußstück bis zum tiefen H, das den Tonumfang nach unten erweitert. Wegen des größeren Luftbedarfs sind die Tonlöcher und damit auch die Klappenpolster großzügiger dimensioniert als bei der Standardflöte, was dem Instrument seinen vollen, satten Klang verleiht. Manche Hersteller bieten zusätzlich ein gerades Kopfstück als Alternative zum gebogenen an, das sich in Klang und Handhabung leicht unterscheidet.
Wie spielt man die Altflöte?
Die Altflöte, auch Altquerflöte genannt, wird wie die normale Querflöte seitlich gehalten und über das Anblasloch am Kopfstück angeblasen. Sie ist größer und tiefer gestimmt, weshalb die Finger weiter auseinander liegen müssen, da Klappen und Tonlöcher weiter voneinander entfernt sind. Gegriffen wird sie genau wie die Flöte, sodass Querflötistinnen und Querflötisten sich vergleichsweise schnell auf das Instrument umstellen können.
Der Ton entsteht, indem die Luft über die Kante des Anblaslochs geblasen wird und dort in Schwingung gerät. Durch die Form der Lippen, den Anblaswinkel und die Stärke des Luftstroms lassen sich Tonhöhe, Lautstärke und Klangfarbe fein steuern. Wegen des höheren Luftbedarfs ist eine gute Atemtechnik besonders wichtig; viele Spielerinnen und Spieler empfinden die Altflöte anfangs als kräftezehrender als die Standardflöte, gewöhnen sich aber schnell an den größeren Luftverbrauch.
Regelmäßiges Üben, eine stabile Atemstütze und die passende Instrumentenpflege sind Voraussetzung für einen runden, tragfähigen Ton. Wer sich einmal auf die Altflöte eingespielt hat, wird mit einem warmen, unverwechselbaren Klang belohnt, der dem Instrument seinen festen Platz im Orchester und in der Kammermusik gesichert hat.
Typische Musikstile mit der Altflöte
Die Altflöte war lange vor allem ein Orchesterinstrument für besondere Klangfarben. Komponisten des späten 19. und des 20. Jahrhunderts wie Maurice Ravel und Gustav Holst nutzten ihren dunklen, geheimnisvollen Klang gezielt für impressionistische und exotisch gefärbte Passagen. In der Kammermusik wird sie oft mit Harfe, Gitarre oder Streichern kombiniert, weil ihr Ton sich gut mit weichen Klangfarben mischt. Im Jazz griffen Flötisten wie Herbie Mann zur Altflöte, um dem typischen Flötenklang eine dunklere, sinnlichere Note zu geben. Auch in Filmmusik, Ambient und zeitgenössischer Weltmusik wird das Instrument regelmäßig als Farbinstrument eingesetzt, seltener dagegen als durchgehendes Soloinstrument in Pop oder Rock.
Bekannte Lieder mit der Altflöte
Die Altflöte tritt selten als namensgebendes Soloinstrument in bekannten Popsongs auf, dafür ist ihr Einsatz meist zu subtil und orchestral geprägt. Ihre bekanntesten Auftritte finden sich in der Orchester- und Filmmusik, wo sie einzelne Passagen mit ihrer dunklen Klangfarbe einfärbt, sowie in Kammermusikwerken für Flöte und Harfe oder Gitarre. Wer den Klang der Altflöte kennenlernen möchte, findet ihn am ehesten in Aufnahmen klassischer Orchesterwerke des 20. Jahrhunderts und in Alben von Jazz- und Weltmusik-Flötistinnen und -Flötisten, die gezielt mit dem Instrument experimentieren.




