Wer ein Keyboard kaufen will, muss es zunächst gegen das Digitalpiano abgrenzen: Ein Keyboard hat ungewichtete Tasten und eine Begleitautomatik, ein Digitalpiano gewichtete Tasten und reinen Klavierklang. Innerhalb der Keyboards entscheiden sechs Merkmale über das passende Modell: Tastenzahl, Anschlagdynamik, Polyphonie, Begleitautomatik, eingebaute Lautsprecher und Preisklasse. Jedes dieser Merkmale wirkt sich direkt darauf aus, was am Instrument möglich ist, von der einfachen Liedbegleitung bis zum mehrstimmigen Spiel mit vollem Arrangement.
Welche Kaufkriterien entscheiden beim Keyboard-Kauf?
Sechs Merkmale entscheiden, ob ein Keyboard zum eigenen Vorhaben passt: Tastenzahl, Anschlagdynamik, Polyphonie, Begleitautomatik, eingebaute Lautsprecher und Preisklasse. Die folgende Übersicht ordnet sie, die Abschnitte danach erklären jedes einzeln.
| Kriterium | Worauf es ankommt |
|---|---|
| Tastenzahl | 61 Tasten für Liedbegleitung, 76 oder 88 für mehr Klavierrepertoire |
| Anschlagdynamik | misst die Anschlagstärke und ändert die Lautstärke, sonst klingt jeder Ton gleich laut |
| Polyphonie | Anzahl der gleichzeitig klingenden Stimmen, wichtig bei Akkorden und laufender Begleitautomatik |
| Begleitautomatik | Anzahl und Bandbreite der Styles, die Rhythmus, Bass und Akkorde automatisch mitspielen |
| Lautsprecher | eingebaut für den sofortigen Einsatz, für vollen Klang oft externe Verstärkung nötig |
| Preisklasse | Einsteiger-, Mittelklasse- und Profigeräte unterscheiden sich in allen übrigen Punkten zugleich |
Wie viele Tasten braucht ein Keyboard?
Ein Keyboard mit 61 Tasten trägt die meisten Lieder mit Begleitautomatik, weil es genau fünf Oktaven umfasst und für Melodie und Akkordgriffe ausreicht. Wer mehr Repertoire vom Klavier spielen will, greift zu 76 Tasten (sechs Oktaven und eine kleine Terz) oder 88 Tasten (sieben Oktaven und eine kleine Terz), denn erst diese Umfänge decken tiefe Oktavbässe und hohe Läufe ab.
Die Tastengröße folgt bei den meisten Modellen der Normbreite des Klaviers: Sieben weiße Tasten einer Oktave messen zusammen rund 16,5 Zentimeter. Nur vereinzelte, meist sehr kompakte oder als Kindermodell ausgelegte Keyboards verkleinern die Tasten. Das spart Baubreite, gewöhnt die Finger aber an ein Maß, das kein anderes Tasteninstrument verwendet.
Was bedeutet Anschlagdynamik bei einem Keyboard?
Anschlagdynamik bedeutet, dass ein Keyboard registriert, wie kräftig eine Taste heruntergedrückt wird, und die Lautstärke des Tons entsprechend anpasst. Ein Keyboard ohne Anschlagdynamik gibt jeden Tastendruck mit derselben Lautstärke wieder, gleichgültig ob der Finger sanft auftippt oder hart durchschlägt. Das schränkt Phrasierung und Dynamik im Spiel spürbar ein und macht Anschlagdynamik zu einem der wichtigsten Kaufkriterien, unabhängig von Tastenzahl oder Preisklasse.
Hersteller nennen die Anschlagdynamik meist ausdrücklich in der Modellbezeichnung oder in den technischen Daten. Fehlt der Hinweis im Datenblatt, hat das Modell in aller Regel keine. Wer das Keyboard nicht nur besitzen, sondern auch lernen will, findet die weiteren Schritte im Artikel Keyboard lernen.
Was bedeutet Polyphonie bei einem Keyboard?
Polyphonie gibt an, wie viele Töne ein Keyboard gleichzeitig erzeugen kann, bevor es begonnene Töne abschneidet, um Platz für neue zu schaffen. Für mehrstimmiges Spiel mit beiden Händen reichen wenige Stimmen oft nicht: Ein gehaltener Akkord aus drei Tönen plus eine Melodielinie belegt schon mehrere Stimmen gleichzeitig, und ein getretenes Sustain-Pedal lässt ältere Töne zusätzlich weiterklingen.
Läuft dazu die Begleitautomatik, steigt der Bedarf weiter, weil sie selbst schon mehrere Stimmen braucht: Schlagzeug, Bass und ein bis zwei Begleitstimmen belegen zusammen mehrere weitere Stimmen, bevor überhaupt eine Hand eine Taste drückt. Ist die Polyphonie erschöpft, schneidet das Keyboard die ältesten Töne ab, hörbar als abgehacktes Ausklingen mitten im Spiel.
Wer mit Begleitautomatik spielt, braucht mehr Polyphonie als beim reinen Melodiespiel nötig wäre. Die Automatik verbraucht Stimmen, bevor die eigenen Hände überhaupt beginnen. Deshalb lohnt bei Modellen mit Begleitautomatik der Blick auf eine höhere Stimmenzahl als bei einem Keyboard, das nur einstimmig gespielt wird.
Was leistet die Begleitautomatik eines Keyboards?
Die Begleitautomatik erkennt einen mit der linken Hand gegriffenen Akkord und spielt dazu automatisch Rhythmus, Bass und Akkordbegleitung in einem gewählten Stil. Der Spieler bestimmt nur noch Tempo, Stil und Akkordfolge, die rechte Hand bleibt für die Melodie frei. Wie die einzelnen Bausteine der Automatik im Zusammenspiel funktionieren, erklärt der Artikel Keyboard ausführlich.
Für den Kauf zählt vor allem die Anzahl der Styles: Einsteigergeräte bringen oft rund hundert Stile mit, Mittelklasse- und Profi-Arranger-Keyboards mehrere hundert bis über tausend, gegliedert nach Musikrichtungen wie Pop, Rock, Latin oder Volksmusik. Wichtiger als die reine Zahl ist, ob die vorhandenen Stile zum eigenen Musikgeschmack passen, denn ein Gerät mit wenigen, aber passenden Stilen begleitet zuverlässiger als eines mit vielen, aber unpassenden.
Wie wichtig sind eingebaute Lautsprecher bei einem Keyboard?
Eingebaute Lautsprecher machen ein Keyboard sofort einsatzbereit, ohne dass ein Verstärker, eine Aktivbox oder Kopfhörer angeschlossen werden müssen. Für das Üben zu Hause und für spontanes Spiel reicht das meist aus, und nahezu jedes Keyboard ab der Einsteigerklasse hat mindestens ein Lautsprecherpaar eingebaut.
Für einen lauteren oder volleren Klang, etwa beim Zusammenspiel mit anderen Instrumenten oder in größeren Räumen, stoßen die eingebauten Lautsprecher an ihre Grenzen. Dann führt ein externer Verstärker oder eine Aktivbox über den Line-Ausgang zu mehr Lautstärke und klarerem Klangbild, ohne dass das Keyboard selbst verzerrt. Fürs Üben ohne Umgebungslärm sorgt stattdessen der Kopfhöreranschluss, der die eingebauten Lautsprecher stummschaltet.
Welche Preisklassen gibt es bei Keyboards?
Drei Preisklassen ordnen den Markt: Einsteiger-, Mittelklasse- und Profi- beziehungsweise Arranger-Keyboards. Die Grenzen sind fließend, die Ausstattung steigt aber mit jeder Klasse in denselben Punkten: mehr Tasten, mehr Polyphonie, mehr Styles und kräftigere Lautsprecher.
- Einsteigerklasse: meist 61 Tasten, häufig mit Anschlagdynamik, Polyphonie im Bereich von etwa 24 bis 64 Stimmen, rund hundert bis mehrere hundert Styles, kleine eingebaute Lautsprecher. Die Preise liegen als grobe Größenordnung meist zwischen 80 und 250 Euro.
- Mittelklasse: 61 oder 76 Tasten, durchgängig mit Anschlagdynamik, Polyphonie ab etwa 48 bis 128 Stimmen, mehrere hundert Styles mit feinerer Untergliederung, kräftigere Lautsprecher. Die Preise liegen als Größenordnung meist zwischen 250 und 700 Euro.
- Profi- und Arranger-Keyboards: 61 oder 76 Tasten, hohe Polyphonie ab etwa 128 Stimmen aufwärts, tausend und mehr Styles mit eigener Registrierbarkeit, für Bühne und professionelle Begleitung ausgelegt. Die Preise beginnen als Größenordnung meist ab etwa 700 Euro und reichen bei Spitzenmodellen auf mehrere tausend Euro.
Häufige Fragen zum Keyboard-Kauf
Wie viele Tasten sollte ein Keyboard zum Kaufen mindestens haben?
Ein Keyboard zum Kaufen sollte mindestens 61 Tasten haben, denn das entspricht fünf Oktaven und trägt die meisten Lieder mit Begleitautomatik. Wer zusätzlich Klavierrepertoire und tiefere Bässe spielen will, greift zu 76 oder 88 Tasten in Normbreite.
Was bedeutet Polyphonie beim Keyboard-Kauf?
Polyphonie bezeichnet beim Keyboard-Kauf die Anzahl der Töne, die gleichzeitig klingen können, bevor ältere Töne abgeschnitten werden. Wer Akkorde mit beiden Händen spielt oder die Begleitautomatik nutzt, die selbst schon mehrere Stimmen belegt, sollte auf eine höhere Polyphonie achten als beim einfachen Melodiespiel nötig wäre.
Braucht ein Keyboard eingebaute Lautsprecher?
Ein Keyboard braucht eingebaute Lautsprecher, um ohne Zusatzgerät sofort spielbereit zu sein, und die meisten Modelle ab der Einsteigerklasse haben sie serienmäßig. Für einen lauteren oder volleren Klang, etwa auf der Bühne, kommt zusätzlich ein externer Verstärker oder eine Aktivbox zum Einsatz, für ungestörtes Üben ein Kopfhörer.
In welchen Preisklassen gibt es Keyboards zu kaufen?
Keyboards zum Kaufen verteilen sich auf drei Preisklassen: Einsteigermodelle liegen als Größenordnung meist zwischen 80 und 250 Euro, Mittelklassegeräte zwischen 250 und 700 Euro, Profi- und Arranger-Keyboards beginnen ab etwa 700 Euro und reichen bei Spitzenmodellen auf mehrere tausend Euro. Mit jeder Klasse steigen Tastenzahl, Polyphonie, Styleanzahl und Lautsprecherleistung gemeinsam an.




