Bifora

4 Min. Lesezeit
Bild: tommybarba / Shutterstock.com
Bild: tommybarba / Shutterstock.com

Zusammenfassung

Die Bifora ist ein traditionelles sizilianisches Holzblasinstrument aus der Familie der Doppelrohrblattinstrumente, verwandt mit der Oboe und der Schalmei. Sie stammt aus der Gegend um San Marco d'Alunzio in der Provinz Messina im Nordosten Siziliens und gilt als größere Schwester des Piffero, eines weiteren sizilianischen Doppelrohrblattinstruments. Der Korpus besteht aus einem einzigen, konisch ausgebohrten Stück Holz, an dessen oberem Ende ein Doppelrohrblatt aus Schilf sitzt.

Die Bifora ist ein traditionelles sizilianisches Holzblasinstrument aus der Familie der Doppelrohrblattinstrumente, verwandt mit der Oboe und der Schalmei. Sie stammt aus der Gegend um San Marco d'Alunzio in der Provinz Messina im Nordosten Siziliens und gilt als größere Schwester des Piffero, eines weiteren sizilianischen Doppelrohrblattinstruments. Der Korpus besteht aus einem einzigen, konisch ausgebohrten Stück Holz, an dessen oberem Ende ein Doppelrohrblatt aus Schilf sitzt. Die Bifora ist ein sehr durchdringendes, kräftiges Instrument, das traditionell im Freien und in Prozessionen gespielt wird, meist gemeinsam mit Trommeln. Es ist eng mit religiösen Festen und Prozessionen in Sizilien verbunden und wird bis heute von wenigen spezialisierten Handwerkern und Musikern gepflegt.

Wie klingt die Bifora?

Der Klang der Bifora ist laut, durchdringend und leicht nasal, typisch für ein Doppelrohrblattinstrument im Freien. Er hat einen kräftigen, kantigen Charakter, der sich gegen Trommeln und Umgebungslärm bei Prozessionen und Festen gut durchsetzen kann. Der Ton ist weniger weich und rund als bei einer Orchesteroboe, dafür bäuerlich-derb und sehr präsent. Durch die einfache, klappenlose oder klappenarme Bauweise ist die Tonhöhe stark von der Ansatztechnik des Spielers abhängig, wodurch sich der Klang je nach Spieler und Region deutlich unterscheiden kann.

Woraus besteht die Bifora?

Die Bifora besteht aus einem einzigen, konisch gebohrten Stück Holz - meist Oliven-, Kirsch- oder Aprikosenholz -, das sich zum unteren Ende hin trichterförmig öffnet, ähnlich wie bei einer Oboe oder Schalmei. Am oberen Ende des Korpus sitzt ein Doppelrohrblatt aus zwei gegeneinander schwingenden Schilfrohrblättchen, das direkt oder über einen kleinen Metallstift (die sogenannte Pirouette) mit dem Korpus verbunden ist. Entlang des Rohrs befinden sich mehrere Grifflöcher, die der Spieler mit den Fingern öffnet und schließt, um verschiedene Tonhöhen zu erzeugen; Klappen besitzt die Bifora traditionell keine oder nur sehr wenige. Die Bifora ist deutlich größer und tiefer gestimmt als ihr kleineres Gegenstück, der Piffero, mit dem sie eng verwandt ist. Ein Tonabnehmer, elektrische Bauteile oder Metallsaiten, wie man sie von Zupfinstrumenten kennt, besitzt die Bifora nicht - sie ist ein rein akustisches Holzblasinstrument.

Wie spielt man die Bifora?

Die Bifora wird wie eine Oboe oder Schalmei gespielt: Der Spieler nimmt das Doppelrohrblatt zwischen die Lippen und erzeugt den Ton, indem er kräftig hindurchbläst, während die Finger die Grifflöcher entlang des Korpus öffnen und schließen. Wegen des hohen Luftwiderstands des Doppelrohrblatts und der geforderten Lautstärke im Freien wenden erfahrene Spieler häufig die zirkuläre Atmung an, bei der über die Wangen gespeicherte Luft weitergeblasen wird, während gleichzeitig durch die Nase eingeatmet wird - so entsteht ein ununterbrochener Ton auch über lange Prozessionsstrecken hinweg.

Traditionell wird die Bifora nicht solistisch, sondern gemeinsam mit einer oder mehreren Trommeln gespielt, die den Rhythmus für Prozessionen und Tänze vorgeben. Das Zusammenspiel von Bifora und Trommel ist fester Bestandteil religiöser Feste in der Region um San Marco d'Alunzio, etwa bei Prozessionen zu Ehren von Schutzheiligen. Das Erlernen des Instruments erfolgt meist mündlich, von erfahrenen Spielern an jüngere weitergegeben, und erfordert viel Atemkontrolle sowie ein gutes Gehör, da die Bifora keine standardisierte, gleichstufige Stimmung besitzt.

Typische Musikstile mit der Bifora

Die Bifora ist tief in der Volks- und Festkultur Siziliens verwurzelt und wird fast ausschließlich in diesem Kontext gespielt: bei religiösen Prozessionen, Wallfahrten und traditionellen Dorffesten in der Provinz Messina, insbesondere rund um San Marco d'Alunzio. Zusammen mit ihrem kleineren Verwandten, dem Piffero, und begleitenden Trommeln bildet sie das musikalische Rückgrat solcher Prozessionen, etwa bei Festen zu Ehren lokaler Schutzheiliger oder in der Karwoche.

Wie viele traditionelle Volksinstrumente Süditaliens geriet die Bifora im Verlauf des 20. Jahrhunderts zeitweise in Vergessenheit, da immer weniger Handwerker sie noch bauen konnten und immer weniger Musiker das Spiel erlernten. Seit einigen Jahrzehnten wird sie jedoch im Zuge eines wachsenden Interesses an sizilianischer Volksmusik von Folk- und Weltmusikgruppen sowie von Volksmusikforschern und Instrumentenbauern wiederentdeckt und gepflegt. Mit klassischer Konzertmusik, Kirchenorgelmusik oder E-Gitarren-Rock, wie man angesichts ähnlich klingender Namen vermuten könnte, hat die Bifora dagegen nichts zu tun.

Bekannte Lieder mit der Bifora

Da die Bifora ein regionales Volksinstrument ohne komponiertes Konzertrepertoire ist, gibt es keine weltbekannten Songs, die für sie geschrieben wurden. Bekannt ist sie stattdessen für ihre Rolle in traditionellen Prozessionsmelodien Siziliens, die meist mündlich von einer Musikergeneration an die nächste weitergegeben wurden und regional variieren. Aufnahmen und Auftritte der Bifora finden sich vor allem im Umfeld sizilianischer Volksmusikforschung und bei Festen zu Ehren lokaler Schutzheiliger in und um San Marco d'Alunzio, wo das Instrument bis heute gemeinsam mit Trommeln gespielt wird.

Weitere Artikel in Streichinstrumente

Bratsche

Bratsche

Die Bratsche ist eines der bekanntesten Streichinstrumente und gleicht in ihrer Bauform der Violine - mit dem Unterschied, dass sie etwas größer ist. Folgerichtig gehört die Bratsche zur Familie der Violinen und übernimmt innerhalb dieser die Alt-Stimme. Man bezeichnet die Bratsche daher auch als Viola . Beiden Instrumenten gemeinsam sind die drei A-, D- und G-Saiten.

Cello

Cello

Das Cello ist das zweittiefste Streichinstrument der Violinfamilie. Sein vollständiger Name lautet Violoncello. Es hat vier Saiten, die in Quinten auf C, G, d und a gestimmt sind, und klingt damit eine Oktave tiefer als die Bratsche. Gespielt wird es sitzend, mit dem Korpus zwischen den Knien und dem Stachel als Stütze auf dem Boden.

Erhu

Erhu

Der Erhu ist ein zweisaitiges Streichinstrument aus China und gehört zur Huqin-Familie der chinesischen Streichinstrumente. Ein kleiner sechs- oder achteckiger Resonanzkörper trägt auf der Vorderseite eine Bespannung aus Pythonschlangenhaut oder, seit der Artenschutz strenger geworden ist, oft aus Kunststoff. Der lange Hals besitzt kein Griffbrett: Die Finger der linken Hand greifen die Saiten frei in der Luft, ohne Widerlager. Das Pferdehaar des Bogens läuft fest zwischen den beiden Saiten hindurch und lässt sich vom Instrument nicht trennen. Seit Liu Tianhua Anfang des 20. Jahrhunderts ein eigenes Solorepertoire begründete, klingt der Erhu neben Volksmusik und Pekingoper auch im modernen chinesischen Orchester und in Filmmusik.

Gaohu

Gaohu

Der Gaohu ist ein zweisaitiges chinesisches Streichinstrument aus der Huqin-Familie und die höher gestimmte Schwester der Erhu. Der Musiker Lü Wencheng entwickelte ihn in den 1920er-Jahren aus der Erhu, um der kantonesischen Musik und der Kantonoper eine hellere, durchsetzungsfähigere Stimme zu geben. Dafür ersetzte er die Seidensaiten durch Stahlsaiten, stimmte das Instrument eine Quart höher und änderte die Spielhaltung: Der Gaohu ruht traditionell zwischen den Knien statt auf dem Oberschenkel. In der kantonesischen Musik führt der Gaohu bis heute die Melodie, im modernen chinesischen Orchester übernimmt er als höchste Stimme der Huqin-Gruppe eher Verzierungen und Gegenstimmen über der Erhu.