Ghatam ist ein traditionelles indisches Musikinstrument, das komplett aus einem gebrannten Tonkrug besteht. Anders als eine Trommel hat der Ghatam kein gespanntes Fell - er zählt zu den Idiophonen, also zu den Instrumenten, die durch das Material des Instruments selbst klingen. Er ist ein wichtiger Bestandteil der südindischen, karnatischen Musiktradition und wird hauptsächlich in Tamil Nadu, Karnataka und Andhra Pradesh gespielt. Ghatam wird mit den Fingern, Handflächen und Handkanten gespielt und erzeugt einen tiefen, scharfen Klang. Ursprünglich ein Instrument der klassischen karnatischen Konzertmusik, wird der Ghatam heute gelegentlich auch in Fusion- und Weltmusikprojekten eingesetzt. Ghatam ist ein interessantes und einzigartiges Instrument, das eine wichtige Rolle in der südindischen Musik spielt.
Wie klingt der Ghatam?
Der Klang des Ghatam ist einzigartig und unverwechselbar. Es ist ein tiefer, scharfer Ton mit starker Präsenz und reicher Resonanz. Je nachdem, an welcher Stelle des Kruges gespielt wird - am Rand der Öffnung, an der Krugwand oder mit der flachen Hand auf der Öffnung selbst, wodurch sich der Luftraum im Inneren kurzzeitig verschließt - entstehen ganz unterschiedliche Klangfarben, von hellen, klaren Obertönen bis zu dumpfen, bassartigen Schlägen. Diese Bandbreite macht den Ghatam zu einem erstaunlich vielseitigen Perkussionsinstrument, obwohl er über keinerlei bewegliche Teile oder Stimmvorrichtung verfügt. Der Klang des Ghatam kann nicht mit anderen Instrumenten verglichen werden und hat eine starke emotionale Wirkung auf die Zuhörer.
Woraus besteht der Ghatam?
Ghatam ist ein traditionelles indisches Perkussionsinstrument, das vollständig aus gebranntem Ton besteht - anders als eine Trommel hat er also weder Fell noch Membran. Der bauchige, rundliche Krug mit enger Öffnung wird aus einer speziellen Lehmmischung geformt, der häufig feine Messing- oder Kupferspäne beigemischt werden, um dem Klang nach dem Brennen mehr Helligkeit und Klangfülle zu verleihen. Nach dem Formen auf der Töpferscheibe wird der Rohling in einem Ofen bei hoher Temperatur trocken gebrannt; der fertige Ghatam bleibt danach ein hartes, festes Tongefäß und wird nicht zusätzlich mit Wasser oder Öl behandelt. Ein typischer Konzert-Ghatam ist etwa 30 bis 40 Zentimeter hoch, besitzt eine rötlich-braune Farbe und wiegt je nach Wandstärke mehrere Kilogramm. Die genaue Form und Wandstärke bestimmen maßgeblich die Tonhöhe des fertigen Instruments, weshalb erfahrene Töpfer die Krüge einzeln von Hand abstimmen. Konzertmusiker halten deshalb häufig mehrere unterschiedlich gestimmte Ghatams bereit, um sie je nach Tonart des Stücks auszuwählen.
Wie spielt man den Ghatam?
Ghatam wird mit den Händen gespielt und ist damit eines der wenigen indischen Perkussionsinstrumente, das vollständig ohne Stöcke oder Schlägel auskommt. Um Ghatam zu spielen, nimmt der Musiker eine Sitzposition ein, die es erlaubt, das Instrument zu halten und gleichzeitig beide Hände frei zu bewegen. Der Tonkrug wird dazu mit der Öffnung zum Körper auf den Schoß oder auf die Oberschenkel gelegt.
Es gibt verschiedene Techniken, um Ghatam zu spielen. Mit den Fingerspitzen kann man auf den Rand des Krugs trommeln, um einen schnellen, hellen Rhythmus zu erzeugen, während größere, flächige Schläge mit der Handfläche tiefere, dumpfere Töne hervorbringen. Eine weitere Technik ist das Spiel mit dem Daumenballen, der auf den Rand gedrückt und dann leicht bewegt wird, um einen tiefen, dumpfen Ton zu erzeugen. Besonders charakteristisch ist zudem das kurze Verschließen der Öffnung mit der flachen Hand oder dem Bauch, wodurch sich die Tonhöhe des Krugs im Moment des Anschlags leicht verändert.
Ghatam ist ein sehr flexibles Instrument, das eine Vielzahl von Klängen erzeugen kann. Es erfordert viel Übung und Geduld, um es richtig zu spielen, aber es ist ein sehr lohnendes Instrument, das in der karnatischen Musik häufig im Zusammenspiel mit der Mridangam-Trommel eingesetzt wird.
Typische Musikstile mit dem Ghatam
In der karnatischen Musik Südindiens ist der Ghatam vor allem als Begleitinstrument bei klassischen Konzerten bekannt, wo er meist neben der Mridangam-Trommel steht und den rhythmischen Unterbau eines Stückes mitgestaltet. Ein fester Bestandteil vieler Konzerte ist der sogenannte Tani Avartanam, ein ausgedehnter Percussion-Dialog gegen Ende eines Stücks, bei dem Ghatam, Mridangam und gelegentlich weitere Rhythmusinstrumente wie die Kanjira oder die Morsing abwechselnd virtuose rhythmische Phrasen austauschen. Der bekannteste Ghatam-Virtuose der jüngeren Geschichte ist T. H. "Vikku" Vinayakram, der 1991 gemeinsam mit dem Schlagzeuger Mickey Hart für das Album "Planet Drum" einen Grammy Award gewann und mit dem Fusion-Ensemble Shakti um den Gitarristen John McLaughlin internationale Bekanntheit erlangte. Auch die Musikerin Sukanya Ramgopal hat sich als eine der wenigen Frauen im traditionell männerdominierten Ghatam-Spiel einen Namen gemacht.
Bekannte Lieder mit dem Ghatam
Da der Ghatam vor allem ein Begleit- und Soloinstrument innerhalb der karnatischen Konzerttradition ist, existieren für ihn keine "Songs" im westlichen Sinn mit festen Titeln und Autoren. Bekannt sind stattdessen einzelne Musiker und ihre Konzertaufnahmen: Aufnahmen von T. H. Vinayakram, etwa im Rahmen von Shakti oder mit Mickey Harts Percussion-Ensemble "Planet Drum", gelten als Referenzpunkte für das Instrument außerhalb Indiens. Innerhalb der klassischen karnatischen Tradition sind es vor allem die Tani-Avartanam-Passagen großer Konzerte - die improvisierten rhythmischen Zwiegespräche zwischen Ghatam und Mridangam - die als Höhepunkte gelten und von Kennern der Musik besonders geschätzt werden.




