Ghatam

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Bild: Dr Ajay Kumar Singh / Shutterstock.com
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Zusammenfassung

Der Ghatam ist ein südindisches Tongefäß aus gebranntem Ton, das ohne Fell oder Saiten allein durch seinen eigenen Klangkörper tönt. Ein Töpfer mischt dem Ton meist feine Messing- oder Kupferspäne bei und brennt ihn zu einem harten, bauchigen Krug mit enger Öffnung. Der Musiker schlägt mit Fingern, Handflächen und Handballen dagegen und presst die Öffnung zeitweise gegen den nackten Bauch, um den Ton zu verändern. In der karnatischen, südindischen klassischen Musik begleitet der Ghatam die Mridangam-Trommel und trat durch den Musiker T. H. Vinayakram auch international in Erscheinung.

Der Ghatam ist ein bauchiger Tonkrug aus Südindien, der als Musikinstrument allein durch sein eigenes Material klingt, ganz ohne Fell oder Saite. Der Musiker hält ihn im Schoß, schlägt mit Fingern, Handflächen und Handballen dagegen und presst die enge Öffnung zeitweise gegen den nackten Bauch. In der karnatischen, also südindischen klassischen Musik begleitet der Ghatam die Mridangam-Trommel und tritt bei Konzerten regelmäßig zum eigenständigen Zwiegespräch mit ihr an.

IdiophonInstrumentenfamilie
Ton + MessingBaumaterial
30 bis 40 cmtypische Höhe
KarnatikMusiktradition

Was ist ein Ghatam?

Ein Ghatam ist ein bauchiger Tonkrug mit enger Öffnung, der als Musikinstrument zu den Idiophonen zählt: Er besitzt weder Fell noch Saite, sein eigener gebrannter Scherben schwingt und erzeugt den Ton. Die Instrumentenkunde führt ihn nach dem Hornbostel-Sachs-System unter der Nummer 111.24 als Gefäßidiophon. Verbreitet ist der Ghatam vor allem in Tamil Nadu, Karnataka und Andhra Pradesh, den Kernregionen der karnatischen, also südindischen klassischen Musik.

Woraus besteht ein Ghatam?

Ein Ghatam besteht aus gebranntem Ton, dem der Töpfer meist feine Messing- oder Kupferspäne beimischt; manche Werkstätten geben zusätzlich etwas Eisenspäne dazu. Die Metallanteile machen den Scherben härter und verleihen dem Klang seinen metallischen, hellen Anteil. Der bekannteste Herstellungsort ist Manamadurai in Tamil Nadu, dessen Ton aus dem Bett des Flusses Vaigai stammt und als besonders klangrein gilt. Ein Manamadurai-Ghatam ist dickwandig und schwer und klingt dadurch tief und metallisch, während der dünnwandige Madras-Ghatam aus Chennai meist ohne Metallzusatz auskommt und heller klingt. Ein Konzertinstrument misst üblicherweise 30 bis 40 Zentimeter in der Höhe und wiegt mehrere Kilogramm; Größe und Wandstärke legen die feste Tonhöhe des einzelnen Kruges fest, weshalb Konzertmusiker meist mehrere unterschiedlich gestimmte Ghatams mit sich führen.

MerkmalGhatam
InstrumentenfamilieIdiophon, Gefäßidiophon (Hornbostel-Sachs 111.24)
BaumaterialGebrannter Ton, meist mit Messing- oder Kupferspänen
HerkunftsregionTamil Nadu, Karnataka, Andhra Pradesh (Südindien)
Bekannter HerstellungsortManamadurai (Tamil Nadu)
GrößeEtwa 30 bis 40 Zentimeter hoch, mehrere Kilogramm schwer
SpieltechnikFinger, Handflächen und Handballen; Öffnung gegen Bauch oder Handfläche
MusiktraditionKarnatische (südindische) klassische Musik
Typische RolleBegleitinstrument zur Mridangam, eigener Part im Tani Avartanam

Wie spielt man den Ghatam?

Der Musiker sitzt im Schneidersitz und legt den Ghatam mit der Öffnung zum eigenen Körper auf den Schoß. Von dort schlägt er mit den Fingerspitzen auf den Rand der Öffnung, mit der flachen Hand auf die gewölbte Außenwand und mit dem Handballen auf tiefer liegende Stellen des Kruges. Jede Zone liefert eine andere Klangfarbe: der Rand einen hellen, kurzen Ton, die Wandung einen volleren, mittleren Ton. Eine eigene Technik verschließt die Öffnung kurzzeitig mit der flachen Hand oder mit dem nackten Bauch des Spielers; der eingeschlossene Luftraum dämpft den Ton dabei zu einem tiefen, dumpfen Basston. Über die Distanz zwischen Öffnung und Bauch reguliert der Musiker diesen Effekt fein.

Bauch Rand der Öffnung Fingerspitzen: heller, kurzer Ton Wandung Handfläche: voller, mittlerer Ton Öffnung gegen den Bauch Handballen oder Bauch: tiefer Basston
Je nach Anschlagstelle liefert der Ghatam einen hellen, einen mittleren oder einen tiefen Ton.

Der Ghatam ist eines der wenigen Instrumente weltweit, dessen Klang der Musiker mit dem nackten Bauch mitgestaltet. Verändert der Spieler den Abstand zwischen der Kruggöffnung und seinem Körper, wechselt der Ton zwischen einem trockenen Klick und einem vollen, tiefen Dröhnen.

Die Tonhöhe eines einzelnen Ghatams liegt nach dem Brand fest, lässt sich im Konzert aber geringfügig verändern: Ein feuchtes Tuch oder etwas Wasser an der Außenwand senkt den Ton leicht ab, ebenso eine dünne Schicht Wachs oder Knetmasse an der Innenwand. Für größere Tonhöhenunterschiede greift der Musiker stattdessen zu einem anderen, passend gestimmten Ghatam.

Welche Rolle spielt der Ghatam in der karnatischen Musik?

In der karnatischen Musik Südindiens tritt der Ghatam vor allem als zweites Rhythmusinstrument neben der Mridangam auf, der zweifelligen Haupttrommel dieser Tradition. Während die Mridangam die Grundstruktur des Rhythmus trägt, ergänzt der Ghatam sie mit kürzeren, härteren Akzenten. Gegen Ende vieler Konzerte folgt der Tani Avartanam, ein ausgedehntes Zwischenspiel allein der Perkussion, in dem Mridangam und Ghatam abwechselnd Rhythmusphrasen vorstellen, steigern und am Ende gemeinsam auf denselben Schlag zurückführen. Kanjira und Morsing ergänzen die Besetzung häufig als zwei weitere südindische Perkussionsinstrumente und erhalten im Tani Avartanam ebenfalls eigene Passagen.

Wer machte den Ghatam international bekannt?

Der Musiker T. H. Vinayakram, genannt Vikku Vinayakram, gilt als der Ghatam-Spieler, der das Instrument über Indien hinaus bekannt machte. In den 1970er-Jahren gehörte er der Band Shakti an, die der Gitarrist John McLaughlin gemeinsam mit indischen Musikern gründete und die karnatische Rhythmik mit Jazz-Improvisation verband. 1991 wirkte Vinayakram zusätzlich am Album "Planet Drum" des Grateful-Dead-Schlagzeugers Mickey Hart mit und erhielt dafür gemeinsam mit den übrigen Beteiligten einen Grammy Award für das beste World-Music-Album; er war damit der erste südindische Musiker mit dieser Auszeichnung. Als erste Frau etablierte sich Sukanya Ramgopal professionell auf dem Ghatam, nachdem sie bei Vinayakram gelernt hatte; 1994 entwickelte sie mit "Ghata Tharang" ein Konzept, das sechs bis sieben unterschiedlich gestimmte Ghatams zu einer melodischen Reihe kombiniert.

Wie unterscheidet sich der Ghatam von Tabla und Chenda?

Der Ghatam gehört ausschließlich zur karnatischen, also südindischen Tradition und taucht in der nordindischen Hindustani-Musik nicht auf, in der stattdessen etwa die Sitar eine zentrale Rolle als Melodieinstrument spielt. Innerhalb Südindiens unterscheidet er sich außerdem grundlegend von zwei bekannten Handtrommeln: Die Tabla stammt aus dem Norden und besteht aus zwei getrennten gefellten Trommelkörpern, die der Musiker ebenfalls mit bloßen Händen spielt; ihr gespanntes Fell klingt aber weicher und tonaler als der harte Klang des Ghatam. Die Chenda aus Kerala ist zwar wie der Ghatam südindisch, der Musiker spielt sie aber im Stehen mit zwei Holzstöcken; sie liefert dadurch einen viel lauteren, durchdringenden Klang für den Einsatz im Freien bei Tempelfesten. Der Ghatam bleibt dagegen ein leises, für kleine Konzertsäle gebautes Soloinstrument.

Häufige Fragen zum Ghatam

Ist der Ghatam eine Trommel?

Nein, der Ghatam ist keine Trommel, sondern ein Idiophon. Eine Trommel wie die Tabla oder die Chenda erzeugt ihren Ton über ein gespanntes Fell, das in Schwingung gerät. Der Ghatam dagegen besitzt kein Fell: Sein gebrannter Tonkörper selbst schwingt und liefert den Klang, wenn der Musiker ihn mit den Händen anschlägt.

Welche Materialien braucht ein Ghatam?

Ein Ghatam braucht vor allem gebrannten Ton: Der Töpfer mischt ihm meist feine Messing- oder Kupferspäne bei, mitunter ergänzt um etwas Eisen. Der bekannteste Herstellungsort ist Manamadurai in Tamil Nadu, wo der Ton aus dem Bett des Flusses Vaigai stammt. Größe und Wandstärke des gebrannten Kruges bestimmen danach seine feste Tonhöhe.

Wer spielte den Ghatam mit John McLaughlin?

T. H. Vinayakram, genannt Vikku Vinayakram, spielte den Ghatam in der Band Shakti an der Seite des Gitarristen John McLaughlin. Die Band verband karnatische Rhythmik mit Jazz-Improvisation und machte Vinayakram und den Ghatam international bekannt. 1991 gewann er zusätzlich mit dem Album "Planet Drum" von Mickey Hart einen Grammy Award.

Kann man einen Ghatam stimmen?

Nur eingeschränkt: Die Tonhöhe eines Ghatams liegt nach dem Brand durch Größe und Wandstärke des Kruges fest. Ein feuchtes Tuch, etwas Wasser oder eine dünne Schicht Wachs an der Innenwand senken den Ton geringfügig ab. Für größere Tonhöhenunterschiede greifen Musiker stattdessen zu einem anderen, passend gestimmten Ghatam.

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