Bianzhong

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Bild: KernelNguyen / Shutterstock.com
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Zusammenfassung

Ein Bianzhong ist ein chinesisches Glockenspiel aus mehreren gestimmten Bronzeglocken, die an einem hölzernen Rahmengestell hängen. Der bekannteste erhaltene Satz mit 65 Glocken stammt aus dem Grab des Markgrafen Yi von Zeng in der Provinz Hubei, 1978 entdeckt und auf etwa 433 v. Chr. datiert. Jede Glocke gibt je nach Anschlagpunkt zwei unterschiedliche Töne ab, weil ihr Querschnitt mandelförmig statt rund ist. Als höfisches Ritualinstrument der Zhou-Dynastie zeigte Zahl und Größe der Glocken den Rang des Besitzers.

Ein Bianzhong ist ein chinesisches Glockenspiel aus mehreren gestimmten Bronzeglocken, die nach Größe geordnet an einem hölzernen Rahmengestell hängen. Ein Spieler schlägt jede Glocke von außen mit einem Klöppel an, ohne dass die Glocke selbst schwingend aufgehängt ist wie eine Kirchenglocke. Als Idiophon erzeugt das Instrument seinen Ton allein aus dem schwingenden Metallkörper, nicht über eine gespannte Membran wie eine Trommel. Der bekannteste erhaltene Satz stammt aus dem Grab des Markgrafen Yi von Zeng in der chinesischen Provinz Hubei, 1978 entdeckt und auf etwa 433 v. Chr. datiert. Er umfasst 65 Glocken über fünf Oktaven und zeigt, wie ausgereift der Bronzeguss am Ende der Zhou-Dynastie bereits war.

65Glocken im Zeng-Fund
5Oktaven Tonumfang
2Töne je Glocke
433v. Chr. Grablegung

Wie ist ein Bianzhong aufgebaut?

Ein Bianzhong besteht aus einer Reihe bronzener Glocken ohne Klöppel im Inneren, die von außen angeschlagen werden. Jede Glocke hängt einzeln an einer Öse am Rahmen, nach Größe und Tonhöhe geordnet: Die größte Glocke aus dem Grab des Markgrafen Yi von Zeng misst 153,4 Zentimeter und wiegt 203,6 Kilogramm, die kleinste 20,4 Zentimeter bei 2,4 Kilogramm. Das zugehörige Rahmengestell aus zwei rechtwinklig zueinanderstehenden Holzbalken auf bronzenen Trägerfiguren misst in der langen Achse 7,48 Meter und trägt die Glocken in drei Reihen zu acht Gruppen. Allein die 65 Glocken bringen zusammen rund 2,5 Tonnen auf die Waage, mit Rahmen kommt der gesamte Aufbau auf etwa 4,4 Tonnen.

MerkmalBianzhong (Zeng-Fund)
FamilieIdiophon, angeschlagene Bronzeglocken
HerkunftChina, Zhou-Dynastie
FundortGrab des Markgrafen Yi von Zeng, Provinz Hubei
Fundjahr1978
Datierungum 433 v. Chr.
Anzahl Glocken65 (64 Zhong-Glocken plus 1 Bo-Glocke)
Tonumfangfünf Oktaven, chromatisch im mittleren Bereich
Größte Glocke153,4 cm, 203,6 kg
Kleinste Glocke20,4 cm, 2,4 kg
MaterialBronze, im Stückformverfahren gegossen

Wie erzeugt eine Bianzhong-Glocke zwei Töne?

Eine Bianzhong-Glocke erzeugt zwei unterschiedliche Töne aus demselben Korpus, je nachdem, wo der Klöppel auftrifft. Ein Schlag auf die Mitte der Vorderseite ergibt den tieferen Grundton, ein Schlag auf einen der beiden seitlichen Ränder den höheren Ton. Möglich macht das der Querschnitt: Anders als eine runde Kirchenglocke ist eine Bianzhong-Glocke im Querschnitt mandelförmig zugespitzt und bildet dadurch zwei getrennte Schwingungszonen, die sich beim Anschlag kaum gegenseitig beeinflussen. Bei den Glocken aus dem Grab des Markgrafen Yi von Zeng sind beide Töne jeder einzelnen Glocke direkt am Korpus vermerkt: Die 65 Glocken tragen zusammen mit den zugehörigen 41 Klangsteinen desselben Fundes 3755 Schriftzeichen an Inschriften, die Tonnamen, Tonleitern und Umstimmungen benennen.

Runde Glocke ein Anschlagpunkt ein Ton Bianzhong-Glocke Mitte: tieferer Ton Seite: höherer Ton
Der runde Querschnitt einer gewöhnlichen Glocke kennt nur einen Anschlagpunkt. Der mandelförmige Querschnitt der Bianzhong-Glocke trennt zwei Schwingungszonen und liefert damit zwei Töne aus einem Korpus.

Eine Bianzhong-Glocke klingt zweistimmig, eine runde Glocke nur einstimmig. Der mandelförmige statt runde Querschnitt trennt Mitte und Rand der Glockenwand in zwei fast unabhängige Schwingungszonen. Genau das unterscheidet Bianzhong-Glocken von den runden Kirchen- und Turmglocken Europas.

Wie wurden Bianzhong-Glocken gegossen?

Bronzegießer der Zhou-Dynastie stellten Bianzhong-Glocken im Stückformverfahren her: Mehrere Formteile aus gebranntem Ton wurden um ein Modell gelegt, nach dem Trocknen wieder auseinandergenommen und für den Guss neu zusammengesetzt. Legierung und Wandstärke jeder einzelnen Glocke legten Tonhöhe und Klangfarbe fest, deshalb unterscheidet sich die Wandstärke von Glocke zu Glocke messbar. Das Wachsausschmelzverfahren kam in China erst gegen Ende der Zhou-Dynastie, etwa im 7. Jahrhundert v. Chr., hinzu und bestand seither neben der älteren Stücktechnik weiter. Für einen so genau gestimmten Satz wie den Zeng-Fund blieb die Stückform die tragende Technik, weil sie die Wandstärke über die gesamte Glockenfläche gezielt steuern ließ.

Welche Rolle spielte das Bianzhong in der Zhou-Dynastie?

In der Zhou-Dynastie gehörte das Bianzhong zur höfischen Ritualmusik, die am Hof unter dem Namen Yayue verbindliche Regeln für Staatszeremonien, Ahnenopfer und Empfänge festlegte. Zahl und Größe der Glocken eines Bianzhong zeigten dabei den Rang seines Besitzers an: Ein vollständiger Satz wie der aus dem Grab des Markgrafen Yi von Zeng stand nur einem hochrangigen Adligen zu. Im Ensemble erklang das Bianzhong neben dem Bianqing, einem Satz gestimmter Klangsteine derselben Zeremonialmusik, sowie neben Trommeln, Saiten- und Blasinstrumenten. Erste bronzene Vorläufer reichen bis in die Shang-Dynastie zurück, als Sätze aus drei Glocken üblich waren; bis zur Zeit der Streitenden Reiche wuchsen die Sätze auf mehrere Dutzend Glocken an.

Wie klingt und spielt man ein Bianzhong heute?

Die Originalglocken aus dem Grab des Markgrafen Yi von Zeng erklangen seit ihrer Ausgrabung 1978 erst drei Mal, zuletzt 1997 bei der Übergabe Hongkongs mit einer eigens komponierten Aufführung. Seither lagern sie klimatisiert im Hubei-Provinzmuseum in Wuhan, weil jeder weitere Anschlag das historische Bronzegefüge zusätzlich belastet. Konzerte und Aufnahmen bestreitet stattdessen ein originalgetreuer Nachguss, der 1983 in Wuhan die Abnahmeprüfung bestand und seither regelmäßig auftritt. Die UNESCO nahm die Inschriften der Zeng-Glocken 2025 in ihr Register Memory of the World auf. Als Klangkörper mit fester, unveränderlicher Stimmung steht das Bianzhong damit neben anderen gestimmten Idiophonen wie den Crotales aus Bronze oder den Röhrenglocken des westlichen Orchesters, bei denen ebenfalls jeder Klangkörper nur einen einzigen, unveränderlichen Ton trägt.

Häufige Fragen zum Bianzhong

Was ist ein Bianzhong?

Ein Bianzhong ist ein chinesisches Glockenspiel aus gestimmten Bronzeglocken, die an einem Holzrahmen hängen und von außen mit einem Klöppel angeschlagen werden. Es zählt zu den Idiophonen, weil der Ton allein aus dem schwingenden Metallkörper entsteht und nicht aus einer gespannten Membran wie bei einer Trommel. Der berühmteste erhaltene Satz mit 65 Glocken stammt aus dem Grab des Markgrafen Yi von Zeng und wird auf etwa 433 v. Chr. datiert.

Wie erzeugt eine Bianzhong-Glocke zwei verschiedene Töne?

Eine Bianzhong-Glocke erzeugt zwei Töne, weil ihr Querschnitt mandelförmig statt rund ist und dadurch zwei getrennte Schwingungszonen entstehen. Ein Schlag auf die Mitte der Vorderseite ergibt den tieferen Ton, ein Schlag auf den seitlichen Rand den höheren. Bei den Glocken aus dem Grab des Markgrafen Yi von Zeng sind beide Töne jeder Glocke durch Inschriften auf dem Korpus benannt.

Wie viele Glocken hatte der Bianzhong-Fund aus dem Grab des Markgrafen Yi von Zeng?

Der Fund aus dem Grab des Markgrafen Yi von Zeng umfasst 65 Bianzhong-Glocken: 64 Zhong-Glocken in acht Gruppen sowie eine große Bo-Glocke, die der König von Chu dem Verstorbenen ins Grab gab. Zusammen decken sie fünf Oktaven ab und spielen im mittleren Tonbereich alle zwölf Halbtöne. Entdeckt wurden sie 1978 in der chinesischen Provinz Hubei.

Wird das Original-Bianzhong aus dem Zeng-Grab noch gespielt?

Das Original-Bianzhong aus dem Grab des Markgrafen Yi von Zeng erklang seit der Ausgrabung 1978 erst drei Mal, zuletzt 1997 zur Übergabe Hongkongs. Es lagert seither klimatisiert im Hubei-Provinzmuseum, weil jeder weitere Anschlag das historische Metall zusätzlich belastet. Konzerte bestreitet ein Nachguss, der die Abnahmeprüfung 1983 in Wuhan bestand.

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