Der Mando-Bass (Mandobass) ist ein gezupftes Chordophon und das Bassmitglied der Mandolinenfamilie. Er wurde um 1912 in den USA von der Gibson Mandolin-Guitar Company entwickelt, um Mandolinenorchestern, damals ein populäres Ensembleformat, ein echtes Bassfundament zu geben, entsprechend Mandoline, Mandola und Mandocello in den höheren Lagen. Anders als eine Mandoline wird der Mando-Bass wegen seiner enormen Größe nicht gehalten, sondern aufrecht wie ein Kontrabass auf einem Bodenstachel gespielt. Sein Name ist damit wörtlich zu verstehen: Er ist der "Bass" der Mandolinenfamilie, in Funktion und Aufbau dem Verhältnis von Kontrabass zu Violine innerhalb des Streichorchesters vergleichbar.
Wie klingt der Mando-Bass?
Der Mando-Bass klingt tief, hölzern und perkussiv, näher am Klangbild eines gezupften Kontrabasses als an dem einer Mandoline. Wegen seines großen Korpus und der langen Mensur besitzt er einen vollen, tragenden Grundton, der im historischen Mandolinenorchester das klangliche Fundament unter Mandolinen, Mandolen und Mandocellos bildete. Weil die vier Saiten dick und mit relativ großem Abstand zueinander gespannt sind, entsteht beim Zupfen ein perkussiver Attack, gefolgt von einem vergleichsweise kurzen, warmen Ausklang, ähnlich einem gezupften Kontrabass, aber mit dem etwas trockeneren, helleren Timbre eines Mandolinenkorpus.
Woraus besteht der Mando-Bass?
Der Mando-Bass ist mit einer Mensur von etwa 110 Zentimetern annähernd so groß wie ein Kontrabass und in seiner historischen, akustischen Gibson-Bauweise mit gewölbter oder flacher Holzdecke, Schalllöchern und vier Einzelsaiten ausgestattet, die, wie beim Kontrabass oder E-Bass, in Quarten gestimmt sind. Es existierten auch achtsaitige Tremolo-Bass-Varianten mit paarweise angeordneten Saiten. Neben Gibson bauten in den 1910er- und 1920er-Jahren auch Hersteller wie Vega, Leland und Wm. C. Stahl eigene Mando-Bass-Modelle für den wachsenden Markt der Mandolinenorchester. Diese Konkurrenzmodelle unterschieden sich vor allem in Korpusform und Materialwahl, folgten aber alle demselben Grundprinzip: ein möglichst großer, resonanzfähiger Holzkörper mit vier tief gestimmten Saiten, um dem Mandolinenorchester ein Fundament zu geben, das an Tragfähigkeit an einen echten Kontrabass heranreicht.
Wegen seiner Größe ruht das Instrument beim Spielen auf einem ausziehbaren Bodenstachel, ähnlich einem Kontrabass, statt wie eine Mandoline auf dem Schoß oder am Gurt getragen zu werden. Die historischen Instrumente aus der Gibson-Ära, etwa das bekannte Modell Style J, waren durchweg rein akustisch, ganz ohne Tonabnehmer oder Elektronik; elektrisch verstärkte Varianten sind erst eine moderne, seltene Weiterentwicklung. Wegen des sperrigen, kontrabassähnlichen Korpus wurde der Mando-Bass meist nicht von den Mandolinisten des Orchesters zusätzlich übernommen, sondern von eigens dafür engagierten Spielern mit Kontrabass- oder Cello-Erfahrung gespielt. In kleineren Amateurorchestern übernahm diese Rolle jedoch häufig auch ein Mandolinist, der zwischen seinem eigentlichen Instrument und dem Mando-Bass wechselte, je nachdem, welches Stück im Programm gerade an der Reihe war.
Wie spielt man den Mando-Bass?
Der Mando-Bass wird stehend gespielt, mit dem Korpus auf dem Bodenstachel abgestützt, während der Spieler die Saiten mit den Fingern zupft, nicht mit einem Plektrum, wie es bei den kleineren Mandolinenfamilien üblich ist, da die Saiten für ein Plektrum zu dick und zu weit auseinanderliegend sind. Diese Spielhaltung entspricht damit fast vollständig der eines klassischen Kontrabasses.
Im Mandolinenorchester übernimmt der Mando-Bass die Funktion der Bassstimme: Er spielt die Grundtöne und einfache Basslinien, während Mandolinen die Melodie und Mandolen sowie Mandocelli die Mittelstimmen und Akkorde beisteuern, eine Rollenverteilung, die dem Aufbau eines klassischen Streichorchesters nachempfunden ist. Weil ein einzelner Mando-Bass in großen Sälen klanglich schnell unterging, setzten größere Mandolinenorchester teils mehrere Mando-Bass-Instrumente gleichzeitig ein, um ein tragfähiges Fundament zu gewährleisten.
Typische Musikstile mit dem Mando-Bass
Der Mando-Bass gehört in die Welt der Mandolinenorchester, die in den USA und in Italien zwischen den 1880er- und den 1920er-Jahren äußerst populär waren. Schon 1911 wurde ein Mando-Bass-Modell auf dem Treffen der American Guild of Banjoists, Mandolinists and Guitarists in den USA öffentlich vorgestellt und diskutiert, was seiner Verbreitung in Orchestern zusätzlichen Schub gab. Das Repertoire dieser Orchester bestand vor allem aus Polkas, Walzern, Märschen und Bearbeitungen leichter klassischer Werke, nicht aus der Bluegrass- oder Country-Musik, mit der Mandolinen heute meist assoziiert werden und die erst später, ohne den Mando-Bass, entstand.
Mit dem Niedergang der Mandolinenorchester in den 1920er-Jahren, als Jazz und andere neue Stile populär wurden, verschwand auch der Mando-Bass weitgehend aus der Praxis; nur wenige historische Instrumente sind bis heute erhalten geblieben. Sammler und Museen betrachten erhaltene Exemplare heute als wertvolle Zeugnisse einer kurzen, aber prägenden Epoche amerikanischer Freizeitmusik, in der Mandolinenorchester zeitweise beliebter waren als viele andere Ensembleformen.
Bekannte Lieder mit dem Mando-Bass
- Die Gibson Mandolin Orchestra und vergleichbare US-amerikanische Ensembles der 1900er- bis 1920er-Jahre, die Bearbeitungen von Märschen, Walzern und leichter klassischer Musik mit Mando-Bass-Fundament aufführten.
- Historische Notenausgaben für Mandolinenorchester aus dieser Zeit, die eine eigene Mando-Bass-Stimme für die Grundtöne vorsehen, häufig als Bearbeitungen europäischer Salon- und Tanzmusik.
- Erhaltene Instrumente wie der Gibson Style J Mando-Bass, die heute in Museumssammlungen, etwa dem National Music Museum der University of South Dakota, die historische Rolle des Instruments dokumentieren.
- Die europäische Zupforchester-Tradition, ein Nachfahre der Mandolinenorchester-Bewegung, die bis heute Bassinstrumente der Mandolinenfamilie in einem vergleichbaren Repertoire aus Volksmusik-Bearbeitungen und leichter Klassik einsetzt.
- Vereinzelte Neuauflagen und Nachbauten des Gibson-Mando-Bass durch spezialisierte Instrumentenbauer, die historische Mandolinenorchester-Ensembles und Living-History-Formationen mit originalgetreuen Instrumenten versorgen.

