Griffbrett-Synthesizer

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Bild: TSViPhoto / Shutterstock.com
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Zusammenfassung

Der Griffbrett-Synthesizer, im englischsprachigen Raum meist als "Continuum Fingerboard" bekannt, ist ein elektronisches Musikinstrument ohne Saiten oder Tasten. Er besteht aus einer glatten, leicht nachgiebigen Spielfläche, die auf Fingerdruck, -position und seitliche Bewegung reagiert und diese Bewegungen in Steuersignale für einen internen oder externen Synthesizer umwandelt.

Der Griffbrett-Synthesizer, im englischsprachigen Raum meist als "Continuum Fingerboard" bekannt, ist ein elektronisches Musikinstrument ohne Saiten oder Tasten. Er besteht aus einer glatten, leicht nachgiebigen Spielfläche, die auf Fingerdruck, -position und seitliche Bewegung reagiert und diese Bewegungen in Steuersignale für einen internen oder externen Synthesizer umwandelt. Entwickelt wurde das Konzept ab den 1980er-Jahren vom Physiker Lippold Haken an der University of Illinois; kommerziell erhältlich ist das Instrument über die von ihm mitgegründete Firma Haken Audio seit 1999. Der Griffbrett-Synthesizer ermöglicht extrem feine, kontinuierliche Kontrolle über Tonhöhe, Lautstärke und Klangfarbe innerhalb eines einzigen Fingerzugs, eine Ausdrucksmöglichkeit, die klassische Tasteninstrumente so nicht bieten. Er wird vor allem von elektronischen Musikern, Sounddesignern und einigen Progressive-Rock- und Fusion-Musikern eingesetzt.

Wie klingt der Griffbrett-Synthesizer?

Der Klang eines Griffbrett-Synthesizers hängt vollständig vom angeschlossenen oder eingebauten Klangerzeuger ab, das Griffbrett selbst erzeugt keinen Ton, sondern nur Steuerdaten. Charakteristisch ist aber die Art, wie sich der Klang formen lässt: Weil Fingerposition, Anpressdruck und seitliche Bewegung gleichzeitig und stufenlos erfasst werden, lassen sich Tonhöhenverläufe, Vibrato und Klangfarbe innerhalb eines gehaltenen Tons genauso fließend gestalten wie auf einer Violine oder mit der menschlichen Stimme, ein Effekt, den Tasteninstrumente mit ihren festen Halbtonschritten kaum erreichen. Je nach Klangprogrammierung reicht die Palette von warmen, streicherartigen Flächen bis zu perkussiven, elektronischen Texturen.

Woraus besteht der Griffbrett-Synthesizer?

Die Spielfläche eines Griffbrett-Synthesizers besteht aus einer langen, glatten Bahn aus Kunststoff oder beschichtetem Gewebe über einer Reihe von Drucksensoren, es gibt weder Saiten noch Bünde noch einzelne Tasten. Unter der Oberfläche erkennt die Elektronik für jeden aufgesetzten Finger drei Werte gleichzeitig: die Position entlang der Bahn, die meist die Tonhöhe bestimmt, den Anpressdruck, der oft Lautstärke oder Klangfarbe steuert, und die seitliche Bewegung quer zur Bahn, die häufig als Vibrato- oder Modulationsparameter dient.

Diese Steuerdaten werden per MIDI oder USB an einen externen Synthesizer geschickt oder, bei neueren Modellen, direkt von einer eingebauten digitalen Klangerzeugung verarbeitet. Zusätzliche Bedienelemente wie Taster und Schieberegler an der Seite dienen dazu, Klangprogramme zu wechseln oder globale Parameter wie Tonart und Skalenraster einzustellen.

Wie spielt man den Griffbrett-Synthesizer?

Gespielt wird der Griffbrett-Synthesizer, indem man mit den Fingerkuppen auf die Spielfläche tippt, sie entlangzieht oder mit Druck darauf verweilt, ähnlich wie beim Spiel auf einem bundlosen Griffbrett, nur ganz ohne Saiten. Wer bereits Streich- oder Gitarreninstrumente spielt, findet sich schnell zurecht, weil die Tonhöhen wie auf einem Griffbrett angeordnet sind, oft mit fühlbaren Rillen an den Halbtonschritten zur Orientierung.

Um einen Ton auszulösen, tippt man mit einem Finger auf die gewünschte Position; der Anschlagdruck bestimmt dabei häufig die Lautstärke. Solange der Finger aufliegt, lässt sich der Ton durch Verschieben nach vorn oder hinten in der Tonhöhe gleiten (Glissando), durch seitliches Wackeln mit Vibrato versehen und durch veränderten Druck in Lautstärke oder Klangfarbe formen.

Weil mehrere Finger gleichzeitig unabhängig voneinander erkannt werden, lassen sich auch mehrstimmige Klänge und Akkorde spielen, bei denen jede einzelne Note ihren eigenen Ausdruck erhält, eine Fähigkeit, die dem modernen MPE-Standard (MIDI Polyphonic Expression) entspricht, für dessen Entwicklung Instrumente wie dieses mit Pate standen.

Der Einstieg erfordert etwas Übung, weil anders als bei Tasteninstrumenten keine feste Rasterung vorgegeben ist, dafür belohnt das Instrument mit einer Ausdruckstiefe, die viele Spieler als der menschlichen Stimme oder einem Streichinstrument näher empfinden als jedes Keyboard.

Typische Musikstile mit dem Griffbrett-Synthesizer

In der elektronischen und experimentellen Musik ist der Griffbrett-Synthesizer beliebt, weil er sich für Klangflächen, Mikrotonalität und ausdrucksstarke Soli eignet, die auf einer gewöhnlichen Tastatur kaum umsetzbar wären. Auch in der Filmmusik und im Sounddesign kommt er zum Einsatz, um organisch klingende, sich stufenlos verändernde Texturen zu erzeugen.

Im Progressive Rock und Fusion-Jazz nutzen einzelne Keyboarder, etwa Jordan Rudess von Dream Theater, Instrumente dieser Bauart als Ergänzung zu klassischen Synthesizern, um expressive Melodielinien mit gitarren- oder geigenartigem Vibrato zu spielen. In der zeitgenössischen komponierten Musik schätzen manche Komponisten die Möglichkeit, mikrotonale Skalen jenseits der zwölf gleichstufigen Halbtöne zu erkunden.

Bekannte Lieder mit dem Griffbrett-Synthesizer

Weil der Griffbrett-Synthesizer erst seit 1999 kommerziell erhältlich ist und ein Nischeninstrument für Klangtüftler bleibt, gibt es keine breite Liste bekannter Popsongs, die untrennbar mit ihm verbunden sind, anders als etwa bei Klavier oder Gitarre. Bekannt ist er eher aus konkreten Kontexten:

1. Konzerte und Aufnahmen von Jordan Rudess (Dream Theater), der ein Haken Continuum Fingerboard regelmäßig live einsetzt.

2. Auftritte und Alben spezialisierter Continuum-Musiker, die das Instrument für mikrotonale und ambient-artige Kompositionen nutzen.

3. Einsätze in Filmmusik-Produktionen, wo Komponisten die stufenlose Ausdrucksfähigkeit für ungewöhnliche Klangtexturen nutzen, meist ohne dass Zuhörer das Instrument bewusst erkennen.

4. Sound-Design- und Demo-Videos von Haken Audio selbst, die die Fähigkeiten des Instruments zeigen und in der Synthesizer-Community viel beachtet werden.

5. Lehrvideos und Workshops, in denen Musiker den Umstieg von Keyboard oder Griffbrettinstrumenten auf den Griffbrett-Synthesizer dokumentieren.

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