Der Hichiriki ist ein japanisches Doppelrohrblattinstrument aus der Familie der Aerophone und ein zentrales Instrument der höfischen Gagaku-Musik, die seit der Nara- und Heian-Zeit ab dem 8. Jahrhundert in Japan gepflegt wird. Der Hichiriki geht auf das chinesische Guan zurück, das während der Tang-Dynastie nach Japan gelangte und dort weiterentwickelt wurde. Er besteht aus einem einzelnen, kurzen Bambusrohr, das mit Kirsch- oder Glyzinienrinde umwickelt ist, und einem großen Doppelrohrblatt am oberen Ende. Trotz seiner geringen Größe hat der Hichiriki einen durchdringenden, nasalen Klang, der in der Gagaku-Musik traditionell die Hauptmelodie trägt. Er zählt bis heute zu den wichtigsten Instrumenten der japanischen Hofmusik.
Wie klingt der Hichiriki?
Der Klang des Hichiriki ist einzigartig und unverwechselbar: hoch, durchdringend und mit einem nasalen, leicht schnarrenden Timbre, das durch das große Doppelrohrblatt entsteht. Trotz seiner geringen Länge von nur etwa 18 Zentimetern kann der Hichiriki über die Fingerlöcher an der Vorderseite und die Daumenlöcher auf der Rückseite sowie durch Veränderung des Lippendrucks auf das Rohrblatt eine erstaunlich große Tonhöhen- und Klangspanne erzeugen, einschließlich charakteristischer Glissandi. In der Gagaku-Musik gilt der Klang des Hichiriki traditionell als die menschliche Stimme, die zwischen Himmel und Erde klingt, und trägt meist die Hauptmelodie des Ensembles.
Woraus besteht der Hichiriki?
Der Hichiriki besteht aus einem einzigen kurzen Rohr aus Bambus, etwa 18 Zentimeter lang, mit zylindrischer Innenbohrung. Das Rohr ist außen mit Streifen aus Kirschbaum- oder Glyzinienrinde umwickelt, die das Holz vor Rissen schützen und dem Instrument seine charakteristische Optik geben. An der Vorderseite befinden sich sieben Grifflöcher, auf der Rückseite zwei weitere für die Daumen. Am oberen Ende steckt ein großes, doppeltes Rohrblatt, meist aus Schilfrohr gefertigt, das in einen kleinen Metallring eingepasst und auf das Kopfende des Rohres gesteckt wird. Einen Blasebalg besitzt der Hichiriki nicht - die Luft wird direkt mit dem Mund in das Rohrblatt geblasen, ähnlich wie bei einer Oboe.
Wie spielt man den Hichiriki?
Um den Hichiriki zu spielen, nimmt man das Doppelrohrblatt zwischen die Lippen und bläst kräftig hinein, während die Finger die neun Grifflöcher - sieben vorne, zwei für die Daumen - öffnen und schließen, um die Tonhöhe zu verändern.
Neben dem reinen Öffnen und Schließen der Löcher ist der Lippendruck auf das Rohrblatt entscheidend: Durch verstärkten oder verringerten Druck lässt sich die Tonhöhe zusätzlich verändern, was charakteristische Glissandi ermöglicht, bei denen der Ton gleitend nach oben oder unten gezogen wird. Diese Gleittechnik ist eines der markantesten Merkmale des Hichiriki-Spiels.
Der begrenzte Tonumfang von etwas mehr als einer Oktave wird durch diese Spieltechniken klanglich erweitert und macht das Spiel sehr anspruchsvoll. Atemtechnik und Ansatz müssen genau kontrolliert werden, um einen stabilen, klaren Ton zu erzeugen, besonders da das Rohrblatt einen hohen Blasdruck erfordert.
In der Gagaku-Musik spielt der Hichiriki meist die Hauptmelodie, während die Querflöte Ryuteki eine begleitende, verzierende Stimme übernimmt und die Mundorgel Sho lang gehaltene Klangcluster beisteuert. Das Zusammenspiel dieser drei Melodie- und Klanginstrumente prägt den charakteristischen Klang der Gagaku-Musik.
Typische Musikstile mit dem Hichiriki
Der Hichiriki ist untrennbar mit der japanischen Hofmusik Gagaku verbunden, die zu den ältesten noch praktizierten Orchestertraditionen der Welt zählt. Innerhalb des Gagaku-Ensembles gehört der Hichiriki zusammen mit der Flöte Ryuteki und der Mundorgel Sho zur Gruppe der Melodieinstrumente, während Trommeln und Saiteninstrumente wie die Biwa und das Koto Rhythmus und Begleitung beisteuern.
Gagaku wird bis heute vom Hofmusikamt des japanischen Kaiserhauses sowie von spezialisierten Ensembles gepflegt und bei zeremoniellen Anlässen, Tempel- und Schreinfesten sowie Konzerten aufgeführt. Der Hichiriki wird dabei sowohl in rein instrumentalen Stücken (Kangen) als auch in Tanzmusik (Bugaku) eingesetzt, bei der die Musik traditionelle Hoftänze begleitet.
Bekannte Lieder mit dem Hichiriki
Zum klassischen Gagaku-Repertoire, in dem der Hichiriki eine zentrale Rolle spielt, gehören traditionelle Stücke wie "Etenraku" - eines der bekanntesten und am häufigsten aufgeführten Gagaku-Stücke überhaupt -, "Ranryo-o" sowie "Goshoraku". Diese Werke werden bis heute vom Hofmusikamt des japanischen Kaiserhauses und von spezialisierten Ensembles wie Reigakusha aufgeführt und gehören zur Gagaku-Tradition, die seit 2009 zum UNESCO-Immateriellen Kulturerbe der Menschheit zählt.




