Die Ektara ist ein einfaches, einsaitiges Zupfinstrument, das seit Jahrhunderten vor allem in der Bengal-Region Indiens und Bangladeschs gespielt wird und besonders eng mit der Musik- und Wandertradition der Bauls verbunden ist, mystischer Wandersänger Bengalens. Es besteht aus einem Resonanzkörper aus einem ausgehöhlten Flaschenkürbis oder einer Kokosnussschale, der mit Tierhaut bespannt ist, sowie einem einzelnen, gespaltenen Bambusstab, der als Hals dient und keine Bünde besitzt. Gespielt wird die Ektara meist im Stehen oder Gehen, mit einer einzigen Saite, die während des Spiels gezupft und durch Druck auf den Bambushals in der Spannung verändert wird, wodurch sich die Tonhöhe gleitend anpassen lässt. Sie ist ein einfaches, aber ausdrucksstarkes Instrument, das vor allem als rhythmisch-melodisches Bordun-Instrument zur Begleitung von Gesang dient.
Wie klingt die Ektara?
Der Klang der Ektara ist einzigartig und unverwechselbar: Als Ein-Saiten-Instrument erzeugt sie keine Melodie im klassischen Sinn, sondern einen pulsierenden, hypnotischen Bordunton, dessen Tonhöhe der Spieler durch Zusammendrücken oder Lockern des gespaltenen Bambushalses gleitend verändert.
Dadurch entstehen charakteristische, singende Auf- und Abwärtsbewegungen des Tons, die dem Klang eine fast stimmähnliche, meditative Qualität verleihen. Der Kürbis- oder Kokosnuss-Resonanzkörper sorgt für einen warmen, runden Grundton, der die Gesangsstimme, zu der die Ektara meist gespielt wird, unterstützt, ohne sie zu übertönen.
Woraus besteht die Ektara?
Die Ektara besteht aus nur wenigen, sehr einfachen Bauteilen. Der Resonanzkörper wird traditionell aus einem ausgehöhlten, getrockneten Flaschenkürbis oder einer Kokosnussschale gefertigt und an der Oberseite mit gespannter Tierhaut oder Leder bespannt, ähnlich einem kleinen Trommelfell.
Durch diese Membran ist ein einzelner, gespaltener Bambusstab gesteckt, der als Hals nach oben ragt und, anders als etwa bei der Gitarre, kein Bundgriffbrett besitzt: Es gibt keine festen Bundstäbchen, mit denen Töne fixiert gegriffen werden könnten.
Am oberen Ende des Bambusstabs ist die einzige Saite befestigt, die von dort über die Fellmembran zu einem kleinen Wirbel oder einer Klemme am unteren Ende des Korpus verläuft. Durch seitliches Zusammendrücken der beiden Enden des gespaltenen Bambushalses verändert sich die Spannung der Saite und damit ihre Tonhöhe. Manche moderne oder verstärkte Ausführungen verfügen über einen eingebauten Tonabnehmer, klassisch ist die Ektara jedoch ein rein akustisches Instrument ohne jede Elektronik.
Wie spielt man die Ektara?
Die Ektara wird meist im Stehen gespielt, oft während der Musiker gleichzeitig singt oder wandernd musiziert, wie es in der Tradition der bengalischen Bauls üblich ist. Das Instrument wird am Korpus mit der linken Hand gehalten, wobei die Finger gleichzeitig den gespaltenen Bambushals zusammendrücken können, um die Tonhöhe der einen Saite zu verändern.
Mit dem Daumen oder Zeigefinger der rechten Hand wird die Saite in einem gleichmäßigen, oft schnellen Rhythmus angezupft, sodass ein durchgehender, pulsierender Bordunton entsteht. Weil die Ektara nur eine einzige Saite besitzt, dient sie nicht der Melodiebildung im herkömmlichen Sinn, sondern liefert einen rhythmisch-tonalen Unterbau, zu dem der Spieler singt.
Durch das gezielte Spiel mit dem Druck auf den Bambushals, von leichtem Loslassen bis kräftigem Zusammendrücken, variiert die Tonhöhe gleitend nach oben und unten, wodurch trotz der einzigen Saite ein überraschend ausdrucksstarkes, fast sprechendes Klangbild entsteht. Diese Technik erfordert ein feines Gleichgewicht zwischen Zupfrhythmus der rechten und Druckkontrolle der linken Hand.
Typische Musikstile mit der Ektara
Die Ektara ist untrennbar mit der Baul-Tradition Bengalens verbunden, einer Gemeinschaft mystischer Wandersänger aus Westbengalen und Bangladesch, deren spirituelle Lieder von Liebe, Gott und dem einfachen Leben handeln. Dort dient sie meist als einziges oder als eines von wenigen Begleitinstrumenten zum Gesang, oft ergänzt durch Rahmentrommeln oder die Fiedel Dotara.
Über die Baul-Musik hinaus wird die Ektara auch in anderen Teilen Indiens und Bangladeschs von Wandermusikern und Bettelsängern verwendet und hat als kulturelles Symbol Bengalens Eingang in moderne indische Folk- und Weltmusikproduktionen gefunden.
Bekannte Lieder mit der Ektara
Weil die Ektara vor allem im mündlich überlieferten Repertoire der Bauls verwurzelt ist, lässt sich kein Bollywood- oder Pop-Hit als "typisches Ektara-Lied" benennen.
Bekannt sind stattdessen einzelne Baul-Sänger wie Purna Das Baul sowie Lalon Fakir, ein legendärer bengalischer Mystiker und Liederdichter des 19. Jahrhunderts, dessen Lieder bis heute von Baul-Musikern mit Ektara-Begleitung gesungen werden. In jüngerer Zeit ist die Ektara zudem gelegentlich in indischen Filmmusik-Produktionen als folkloristisches Klangelement zu hören, wenn ein bewusst ländlicher, bengalischer Charakter erzeugt werden soll.




