12-saitige Westerngitarre

5 Min. Lesezeit
12-saitige Westerngitarren
12-saitige Westerngitarren

Zusammenfassung

Eine 12-saitige Westerngitarre verdoppelt jede der sechs Saiten einer gewöhnlichen Westerngitarre zu einem eng nebeneinander gespannten Paar. Bei den vier tiefen Paaren E, A, D und G klingt eine zusätzliche Saite eine Oktave höher, bei den beiden hohen Paaren H und e liegt eine zweite Saite im selben Ton daneben. Aus der leichten Schwebung zwischen den beiden Saiten eines Paares entsteht ein voller, dichter Klang, der einer einzelnen Saite fehlt. Der höhere Gesamtzug der zwölf Saiten verlangt einen stabileren Hals und meist einen größeren Korpus als bei einer 6-saitigen Westerngitarre.

Eine 12-saitige Westerngitarre bespannt jede der sechs Saiten einer gewöhnlichen Stimmung mit einer zweiten, eng danebenliegenden Saite und verdoppelt so den Satz auf zwölf Saiten in sechs Paaren. Bei den vier tiefen Paaren E, A, D und G klingt neben der Saite in Normalstärke eine dünnere Saite eine Oktave höher, bei den beiden hohen Paaren H und e liegen zwei gleich starke Saiten im Einklang nebeneinander. Weil zwei nie exakt synchron schwingende Saiten gemeinsam angeschlagen werden, entsteht ein voller, leicht schwebender Klang, den eine einzelne Saite nicht liefert. Gebaut wird die 12-saitige Westerngitarre wie eine gewöhnliche Westerngitarre mit Stahlsaiten und flachem Boden, meist jedoch in einem größeren Korpus, der dem höheren Saitenzug und dem volleren Klang Raum gibt.

12Saiten in 6 Paaren
4Paare oktaviert
2Paare unisono
StahlSaitenmaterial

Wie sind die Saiten einer 12-saitigen Westerngitarre angeordnet?

Die zwölf Saiten einer 12-saitigen Westerngitarre bilden sechs Chöre aus je zwei eng nebeneinander gespannten Saiten. In den vier tiefen Chören E, A, D und G liegt neben der Saite in Normalstärke eine dünnere Saite, die eine Oktave höher gestimmt ist. In den beiden hohen Chören H und e sind beide Saiten gleich stark und auf denselben Ton gestimmt, weil eine zusätzliche Saite eine Oktave über der hohen e-Saite zu dünn für den dauerhaften Gebrauch wäre. Ein Finger drückt beim Greifen stets beide Saiten eines Chors gemeinsam auf den Bund, einzeln lassen sie sich wegen des geringen Abstands kaum trennen.

E E2 + E3 oktaviert A A2 + A3 oktaviert D D3 + D4 oktaviert G G3 + G4 oktaviert H H3 + H3 unisono e e4 + e4 unisono
Bei den vier tiefen Chören liegt neben der Saite in Normalstärke eine dünnere Saite eine Oktave höher, bei den beiden hohen Chören sind beide Saiten eines Paares gleich stark und im Einklang gestimmt.

Wie unterscheidet sich der Korpus einer 12-saitigen Westerngitarre von einer 6-saitigen?

Der Korpus einer 12-saitigen Westerngitarre trägt eine breitere Kopfplatte mit zwölf statt sechs Mechaniken sowie einen breiteren Sattel und Steg, damit alle sechs Saitenpaare eng nebeneinander Platz finden. Weil zwölf gespannte Saiten zusammen deutlich mehr Zug auf den Hals ausüben als sechs, bauen Hersteller den Hals mit einem kräftigeren Stahlstab und die Verstrebung unter der Decke massiver aus als bei einer 6-saitigen Gitarre. Aus demselben Grund fällt die 12-saitige Westerngitarre häufiger in großen Korpusformen wie Dreadnought oder Jumbo, deren größere Deckenfläche den höheren Saitenzug besser trägt und dem volleren Klang mehr Resonanzraum gibt.

Wie klingt eine 12-saitige Westerngitarre?

Eine 12-saitige Westerngitarre klingt voller und dichter als ihr 6-saitiges Gegenstück, weil bei jedem Anschlag zwei Saiten gleichzeitig schwingen, die nie exakt denselben Ton treffen. Diese minimale Abweichung zwischen den beiden Saiten eines Chors erzeugt eine hörbare Schwebung, einen natürlichen Chorus-Effekt ganz ohne Elektronik. Bei den vier tiefen Chören verstärkt zusätzlich die mitklingende obere Oktave die Höhen des Akkords, während die beiden hohen Chöre im Einklang vor allem die Lautstärke der Melodiesaiten anheben. Weil dieser Effekt auf feinen Tonhöhenunterschieden beruht, verstimmt sich eine 12-saitige Westerngitarre hörbarer als eine 6-saitige, sobald nur eine der zwölf Saiten von ihrem Sollton abweicht.

Merkmal12-saitige Westerngitarre
Saitenzahl12 Saiten in 6 Chören
Tiefe ChöreE, A, D, G, je oktaviert
Hohe ChöreH, e, je unisono
SaitenmaterialStahl, meist bronze- oder phosphorbronzeumsponnen
Grundstimmungmeist wie die 6-saitige Westerngitarre: E-A-D-G-H-e
Übliche KorpusformDreadnought oder Jumbo

Wie schwer ist eine 12-saitige Westerngitarre zu spielen?

Eine 12-saitige Westerngitarre verlangt mehr Kraft in der Greifhand als eine 6-saitige, weil jeder Finger zwei statt einer Saite auf den Bund drückt und der Gesamtzug der zwölf Saiten den Hals stärker belastet. Barrégriffe, bei denen ein Finger über alle sechs Chöre gleichzeitig liegt, fallen dadurch schwerer als auf einer 6-saitigen Gitarre. Weil sich einzelne Saiten eines Chors kaum getrennt greifen lassen, eignet sich das Instrument weniger für Sololinien mit einzelnen Tönen und mehr für Akkorde und Fingerpicking-Muster, bei denen mehrere Chöre gemeinsam erklingen. Hersteller begegnen dem hohen Saitenzug häufig mit dünneren Saitenstärken als bei einem 6-saitigen Satz, um Kraftaufwand und Halsbelastung zu senken.

Wofür wird eine 12-saitige Westerngitarre eingesetzt?

Eine 12-saitige Westerngitarre füllt bei Auftritten mit nur einer Gitarre und Gesang den Klangraum, den sonst eine zweite Gitarre einnehmen würde, weil der Chor-Effekt bereits ein dichtes, breites Klangbild liefert. Deshalb greifen vor allem Musiker ohne feste Begleitband zu diesem Instrument, etwa im Folk und Country. Die Geschichte der 12-saitigen Gitarre, bekannte Spieler und einzelne Aufnahmen behandelt der Artikel zur 12-saitigen Gitarre, der auch die elektrische Bauform einschließt.

Häufige Fragen zur 12-saitigen Westerngitarre

Wie viele Saiten hat eine 12-saitige Westerngitarre wirklich?

Eine 12-saitige Westerngitarre trägt tatsächlich zwölf Saiten, die zu sechs Paaren zusammengefasst sind statt wie bei einer 6-saitigen Gitarre einzeln zu liegen. Jeder Finger drückt beim Greifen beide Saiten eines Paares gemeinsam auf den Bund, sodass sich das Instrument in der Griffhand kaum anders anfühlt als eine 6-saitige Gitarre.

Wie ist eine 12-saitige Westerngitarre gestimmt?

Eine 12-saitige Westerngitarre ist meist genauso gestimmt wie eine 6-saitige, nämlich E-A-D-G-H-e. Bei den vier tiefen Paaren E, A, D und G kommt jeweils eine zweite Saite hinzu, die eine Oktave höher klingt, bei den beiden hohen Paaren H und e eine zweite Saite im selben Ton.

Ist eine 12-saitige Westerngitarre für Anfänger geeignet?

Eine 12-saitige Westerngitarre ist für Anfänger anspruchsvoller als eine 6-saitige, weil jeder Finger zwei statt einer Saite pro Chor greift und der höhere Gesamtzug der Saiten mehr Kraft verlangt. Wer bereits Grifftechnik und Anschlag auf einer 6-saitigen Westerngitarre beherrscht, kommt auf dem 12-saitigen Modell schneller zurecht als jemand, der ganz neu beginnt.

Warum klingt eine 12-saitige Westerngitarre voller als eine 6-saitige?

Eine 12-saitige Westerngitarre klingt voller, weil bei jedem Anschlag zwei Saiten gleichzeitig schwingen, die sich in ihrer Tonhöhe minimal unterscheiden. Diese Abweichung erzeugt eine hörbare Schwebung, die wie ein natürlicher Chorus-Effekt wirkt, und bei den tiefen Saitenpaaren verstärkt die mitklingende Oktave zusätzlich die Obertöne des Akkords.

Weitere Artikel in Saiteninstrumente

Äolische Harfe

Äolische Harfe

Die Äolische Harfe ist ein Saiteninstrument, das der Wind spielt: Er streicht über die Saiten eines langen, flachen Holzkastens und regt sie zum Schwingen an. Alle Saiten tragen denselben Grundton, und je nach Windstärke klingen unterschiedliche Teiltöne. Deshalb erzeugt das Instrument Akkorde aus der Obertonreihe statt einer Melodie. Ihr Name geht auf Aiolos zurück, den Herrscher über die Winde.

Akustische Gitarre

Akustische Gitarre

Eine akustische Gitarre erzeugt ihren Ton allein über einen hohlen Resonanzkorpus, ganz ohne Strom und Verstärker. Der Begriff ist ein Oberbegriff: Die Westerngitarre mit Stahlsaiten und die klassische Gitarre mit Nylonsaiten gehören beide dazu, weil sie dieses Bauprinzip teilen. Davon grenzt sich die E-Gitarre ab, deren Korpus bei den meisten Modellen massiv ist und deren Ton erst ein Tonabnehmer und ein Verstärker hörbar machen. Dieser Artikel erklärt den Unterschied zwischen akustischer und elektrischer Gitarre und zeigt, welche Bauformen zur akustischen Gitarre zählen.

Anemochord

Anemochord

Ein Anemochord ist ein Tasteninstrument, dessen Saiten ein Luftstrom in Schwingung versetzt. Blasebälge liefern die Luft, die Klaviatur lenkt sie: Wer eine Taste drückt, öffnet den Weg für die Luft zu der zugehörigen Saite. Solange die Taste unten bleibt, klingt der Ton weiter. Johann Jacob Schnell baute das Instrument 1789 in Paris, sein Tonumfang lag bei etwa fünf Oktaven.

Appalachisches Hackbrett

Appalachisches Hackbrett

Das Appalachische Hackbrett, im Englischen Appalachian Dulcimer oder Mountain Dulcimer genannt, ist ein Saiteninstrument aus dem Appalachengebiet der USA. Es entstand vor etwa 150 bis 200 Jahren aus europäischen Kastenzithern wie dem deutschen Scheitholt, die deutsche und schottisch-irische Einwanderer mit in die Berge brachten.