Eine 12-saitige Westerngitarre bespannt jede der sechs Saiten einer gewöhnlichen Stimmung mit einer zweiten, eng danebenliegenden Saite und verdoppelt so den Satz auf zwölf Saiten in sechs Paaren. Bei den vier tiefen Paaren E, A, D und G klingt neben der Saite in Normalstärke eine dünnere Saite eine Oktave höher, bei den beiden hohen Paaren H und e liegen zwei gleich starke Saiten im Einklang nebeneinander. Weil zwei nie exakt synchron schwingende Saiten gemeinsam angeschlagen werden, entsteht ein voller, leicht schwebender Klang, den eine einzelne Saite nicht liefert. Gebaut wird die 12-saitige Westerngitarre wie eine gewöhnliche Westerngitarre mit Stahlsaiten und flachem Boden, meist jedoch in einem größeren Korpus, der dem höheren Saitenzug und dem volleren Klang Raum gibt.
Wie sind die Saiten einer 12-saitigen Westerngitarre angeordnet?
Die zwölf Saiten einer 12-saitigen Westerngitarre bilden sechs Chöre aus je zwei eng nebeneinander gespannten Saiten. In den vier tiefen Chören E, A, D und G liegt neben der Saite in Normalstärke eine dünnere Saite, die eine Oktave höher gestimmt ist. In den beiden hohen Chören H und e sind beide Saiten gleich stark und auf denselben Ton gestimmt, weil eine zusätzliche Saite eine Oktave über der hohen e-Saite zu dünn für den dauerhaften Gebrauch wäre. Ein Finger drückt beim Greifen stets beide Saiten eines Chors gemeinsam auf den Bund, einzeln lassen sie sich wegen des geringen Abstands kaum trennen.
Wie unterscheidet sich der Korpus einer 12-saitigen Westerngitarre von einer 6-saitigen?
Der Korpus einer 12-saitigen Westerngitarre trägt eine breitere Kopfplatte mit zwölf statt sechs Mechaniken sowie einen breiteren Sattel und Steg, damit alle sechs Saitenpaare eng nebeneinander Platz finden. Weil zwölf gespannte Saiten zusammen deutlich mehr Zug auf den Hals ausüben als sechs, bauen Hersteller den Hals mit einem kräftigeren Stahlstab und die Verstrebung unter der Decke massiver aus als bei einer 6-saitigen Gitarre. Aus demselben Grund fällt die 12-saitige Westerngitarre häufiger in großen Korpusformen wie Dreadnought oder Jumbo, deren größere Deckenfläche den höheren Saitenzug besser trägt und dem volleren Klang mehr Resonanzraum gibt.
Wie klingt eine 12-saitige Westerngitarre?
Eine 12-saitige Westerngitarre klingt voller und dichter als ihr 6-saitiges Gegenstück, weil bei jedem Anschlag zwei Saiten gleichzeitig schwingen, die nie exakt denselben Ton treffen. Diese minimale Abweichung zwischen den beiden Saiten eines Chors erzeugt eine hörbare Schwebung, einen natürlichen Chorus-Effekt ganz ohne Elektronik. Bei den vier tiefen Chören verstärkt zusätzlich die mitklingende obere Oktave die Höhen des Akkords, während die beiden hohen Chöre im Einklang vor allem die Lautstärke der Melodiesaiten anheben. Weil dieser Effekt auf feinen Tonhöhenunterschieden beruht, verstimmt sich eine 12-saitige Westerngitarre hörbarer als eine 6-saitige, sobald nur eine der zwölf Saiten von ihrem Sollton abweicht.
| Merkmal | 12-saitige Westerngitarre |
|---|---|
| Saitenzahl | 12 Saiten in 6 Chören |
| Tiefe Chöre | E, A, D, G, je oktaviert |
| Hohe Chöre | H, e, je unisono |
| Saitenmaterial | Stahl, meist bronze- oder phosphorbronzeumsponnen |
| Grundstimmung | meist wie die 6-saitige Westerngitarre: E-A-D-G-H-e |
| Übliche Korpusform | Dreadnought oder Jumbo |
Wie schwer ist eine 12-saitige Westerngitarre zu spielen?
Eine 12-saitige Westerngitarre verlangt mehr Kraft in der Greifhand als eine 6-saitige, weil jeder Finger zwei statt einer Saite auf den Bund drückt und der Gesamtzug der zwölf Saiten den Hals stärker belastet. Barrégriffe, bei denen ein Finger über alle sechs Chöre gleichzeitig liegt, fallen dadurch schwerer als auf einer 6-saitigen Gitarre. Weil sich einzelne Saiten eines Chors kaum getrennt greifen lassen, eignet sich das Instrument weniger für Sololinien mit einzelnen Tönen und mehr für Akkorde und Fingerpicking-Muster, bei denen mehrere Chöre gemeinsam erklingen. Hersteller begegnen dem hohen Saitenzug häufig mit dünneren Saitenstärken als bei einem 6-saitigen Satz, um Kraftaufwand und Halsbelastung zu senken.
Wofür wird eine 12-saitige Westerngitarre eingesetzt?
Eine 12-saitige Westerngitarre füllt bei Auftritten mit nur einer Gitarre und Gesang den Klangraum, den sonst eine zweite Gitarre einnehmen würde, weil der Chor-Effekt bereits ein dichtes, breites Klangbild liefert. Deshalb greifen vor allem Musiker ohne feste Begleitband zu diesem Instrument, etwa im Folk und Country. Die Geschichte der 12-saitigen Gitarre, bekannte Spieler und einzelne Aufnahmen behandelt der Artikel zur 12-saitigen Gitarre, der auch die elektrische Bauform einschließt.




