Ein Mikrofon wandelt Schalldruck in eine elektrische Spannung. Zwei Unterscheidungen tragen dabei jede Kaufentscheidung. Die erste ist das Wandlerprinzip: Ein dynamisches Mikrofon erzeugt die Spannung selbst, ein Kondensatormikrofon braucht dafür eine Speisespannung. Die zweite ist die Richtcharakteristik, also aus welchen Richtungen das Mikrofon aufnimmt.
Wie wandelt ein Mikrofon Schall in Spannung um?
Jedes Mikrofon hat eine Membran, die der Schall in Bewegung versetzt. Was aus dieser Bewegung eine Spannung macht, trennt die Bauarten voneinander.
| Merkmal | Dynamisches Mikrofon | Kondensatormikrofon | Bändchenmikrofon |
|---|---|---|---|
| Wandlerprinzip | Spule bewegt sich im Magnetfeld | Membran ändert die Kapazität | Metallbändchen bewegt sich im Magnetfeld |
| Speisung | keine nötig | Phantomspeisung nötig | bei passiver Bauart keine |
| Bewegte Masse | hoch | sehr gering | gering |
| Ausgangspegel | niedrig | hoch | sehr niedrig |
| Höhen | fallen früher ab | fein aufgelöst | fallen sanft ab |
| Hoher Schalldruck | unkritisch | je nach Modell begrenzt | Luftstöße gefährden das Bändchen |
| Raum und Nebengeräusche | bleiben weitgehend draußen | kommen deutlich mit | kommen mit |
| Richtcharakteristik | meist Niere | Niere, Kugel, Acht, oft umschaltbar | bauartbedingt Acht |
| Typischer Einsatz | Bühne, Verstärker, Schlagzeug | Studio, Gesang, akustische Instrumente | Bläser, Gitarrenverstärker, Studio |
Was unterscheidet ein dynamisches Mikrofon vom Kondensatormikrofon?
Der Unterschied liegt in der Physik hinter der Membran. Beim dynamischen Mikrofon hängt an ihr eine Spule, die sich im Feld eines Dauermagneten bewegt und dabei die Spannung selbst erzeugt. Beim Kondensatormikrofon bildet eine sehr dünne Membran mit einer festen Gegenelektrode einen Kondensator. Der Schall ändert den Abstand zwischen beiden und damit die Kapazität; ein Signal wird daraus erst, wenn eine Speisespannung anliegt und ein eingebauter Verstärker sie abgreift.
Aus diesem Bauunterschied folgt alles Praktische: Die Spule wiegt ein Vielfaches der Kondensatormembran, und diese Masse macht das dynamische Mikrofon träge. Seine Höhen fallen früher ab, und sein niedriger Ausgangspegel verlangt viel Verstärkung. Dieselbe Bauweise macht es robust gegen Stöße, Feuchtigkeit und hohen Schalldruck, weshalb es vor Gitarrenverstärkern und in der Bassdrum steht.
Die Kondensatormembran wiegt kaum etwas, folgt der Welle genauer und löst Höhen fein auf. Sie zeichnet dafür Raum und Nebengeräusche deutlich mit. In einem halligen Zimmer liefert deshalb oft das dynamische Mikrofon die sauberere Spur, und wer sein Homerecording-Studio einrichten will, entscheidet nach dem Raum statt nach dem Datenblatt.
Wozu braucht ein Mikrofon Phantomspeisung?
Die Phantomspeisung versorgt ein Kondensatormikrofon mit dem Strom für seine Polarisationsspannung und seinen eingebauten Verstärker. Verbreitet sind 48 Volt Gleichspannung, die das Mischpult oder das Audiointerface auf dieselben beiden Adern legt, die auch das Signal führen. Daher der Name: Ein eigenes Kabel gibt es nicht.
Ein dynamisches Mikrofon braucht diese Spannung nicht, weil es seine eigene erzeugt. Es nimmt in aller Regel auch keinen Schaden, wenn die Speisung eingeschaltet bleibt: Beide Signaladern führen dieselbe Spannung, über der Spule liegt keine Differenz, und es fließt kein Strom durch sie.
Bändchenmikrofone älterer Bauart können durch Phantomspeisung Schaden nehmen. Ihr Bändchen ist eine wenige Mikrometer dünne Metallfolie. Verteilt sich die Speisespannung wegen eines defekten Kabels, eines falsch verdrahteten Steckers oder eines Umsteckens unter Spannung ungleich auf die beiden Adern, fließt ein Strom durch den Übertrager und kann das Bändchen dehnen oder zerreißen. Bei passiven Bändchen bleibt die Speisung deshalb aus.
Welche Richtcharakteristik hat ein Mikrofon?
Die Richtcharakteristik gibt an, wie empfindlich ein Mikrofon aus jeder Richtung aufnimmt. Vier Formen decken die Praxis ab.
- Niere: Sie nimmt von vorn am lautesten auf, von der Seite um etwa 6 Dezibel leiser und von hinten am wenigsten. Damit hält sie einen Teil des Raums heraus und ist der Normalfall für Gesang.
- Kugel: Sie nimmt aus allen Richtungen gleich stark auf, bringt also den Raum mit auf die Aufnahme. Dafür reagiert sie am wenigsten auf Wind und Griffgeräusche, was sie für Raumklang und für Ansteckmikrofone empfiehlt.
- Acht: Sie nimmt vorn und hinten gleich stark auf und dämpft die Seiten am stärksten. Zwei Sprecher sitzen sich damit an einem Tisch gegenüber.
- Superniere: Sie fasst nach vorn enger als die Niere, hat dafür wieder eine kleine Empfindlichkeit nach hinten. Ihre tiefste Dämpfung liegt nicht hinter dem Mikrofon, sondern bei etwa 125 Grad. Auf der Bühne stellt man den Monitorlautsprecher genau dorthin.
Was ist der Nahbesprechungseffekt beim Mikrofon?
Der Nahbesprechungseffekt hebt die tiefen Anteile an, je näher die Schallquelle vor einem Mikrofon mit Richtwirkung steht. Solche Mikrofone messen den Druckunterschied zwischen Vorder- und Rückseite der Membran. Dicht an der Quelle fällt der Schalldruck über diese kurze Strecke bereits stark ab, und dieser Anteil wiegt bei tiefen Tönen schwerer als der Laufzeitunterschied, auf dem die Richtwirkung sonst beruht.
Der Abstand wird damit zum Klangregler. Wer beim Singen vor- und zurückgeht, ändert den Bassanteil mitten im Ton. Sänger nutzen die Anhebung bewusst für einen volleren Ton, Sprecher halten den Abstand konstant, und wer singen lernt, übt diesen gleichbleibenden Abstand von Anfang an mit. Ein Kugelmikrofon zeigt den Effekt nicht, weil es nur den Druck an einer Seite der Membran auswertet.
Wie stellt man ein Mikrofon richtig auf?
Über den Klang entscheidet die Aufstellung stärker als das Modell. Der Abstand regelt das Verhältnis von Direktschall zu Raumanteil: Halbiert man ihn, steigt der Direktschall um etwa 6 Dezibel, während der Nachhall im Zimmer gleich laut bleibt. Der Winkel wählt aus, welchen Teil der Quelle das Mikrofon hört, denn eine Gitarre klingt am Schallloch bassig und am zwölften Bund klarer.
Ein Poppschutz bricht den Luftstoß, den Laute wie P und T gegen die Membran schleudern und der sonst als tiefer Schlag auf der Spur landet. Eine elastische Halterung, oft Spinne genannt, trennt das Mikrofon vom Stativ, damit Schritte und Stöße nicht als Körperschall ins Gehäuse wandern.
Daraus folgt, welche Bauart wohin gehört. Auf der Bühne, an Gitarrenverstärkern und an Snare und Bassdrum stehen dynamische Mikrofone. Für Gesang im Studio greifen die meisten zum Großmembran-Kondensatormikrofon, für Akustikgitarre, Becken und Orchester zum Kleinmembran-Kondensatormikrofon. Welche Wahl im konkreten Raum trägt, prüft ein Tontechniker durch Umstellen und Hören.
Häufige Fragen zu Mikrofonen
Was ist der Unterschied zwischen dynamischem Mikrofon und Kondensatormikrofon?
Der Unterschied liegt im Wandlerprinzip. Beim dynamischen Mikrofon bewegt der Schall eine Spule im Magnetfeld, die dadurch selbst eine Spannung erzeugt; es kommt ohne Stromversorgung aus, verträgt hohen Schalldruck und ist mechanisch robust. Beim Kondensatormikrofon bildet eine dünne Membran mit einer Gegenelektrode einen Kondensator, dessen Kapazität sich mit dem Schall ändert; es braucht eine Speisespannung, löst feiner auf und nimmt Raum und Nebengeräusche deutlicher mit.
Braucht ein dynamisches Mikrofon Phantomspeisung?
Nein, ein dynamisches Mikrofon braucht keine Phantomspeisung, weil es seine Spannung selbst erzeugt. Eingeschaltete Speisung schadet ihm in aller Regel auch nicht, denn beide Signaladern führen dieselbe Spannung und über der Spule liegt keine Differenz. Anders liegt der Fall bei Bändchenmikrofonen älterer Bauart: Dort kann ein Fehler in Kabel oder Stecker einen Strom durch das Bändchen treiben und es beschädigen.
Welche Richtcharakteristik eignet sich für Gesang am Mikrofon?
Für Gesang eignet sich am Mikrofon meist die Niere. Sie nimmt von vorn am lautesten auf, dämpft die Seiten und blendet die Rückseite weitgehend aus. Auf der Bühne greift man zur Superniere, weil ihr Aufnahmebereich nach vorn enger ist.
Was ist der Nahbesprechungseffekt bei einem Mikrofon?
Der Nahbesprechungseffekt ist die Anhebung der tiefen Frequenzen bei einem Mikrofon mit Richtwirkung, sobald die Schallquelle nah davor steht. Je kürzer der Abstand, desto kräftiger der Bass. Sänger setzen ihn gezielt ein, Sprecher halten den Abstand konstant, und ein Hochpassfilter nimmt ihn wieder heraus. Ein Kugelmikrofon zeigt ihn nicht.




