Die Schweizer Sackpfeife ist, wie der Name schon sagt, ein echter Dudelsack: ein Aerophon mit einem luftgefüllten Balg (traditionell aus Ziegen- oder Schafsleder) als Luftreservoir, aus dem eine mit einfachem Rohrblatt versehene Melodiepfeife (Chanter) sowie meist ein oder mehrere Bordunpfeifen gespeist werden. Sie war vom Mittelalter bis etwa 1700 ein verbreitetes Volksmusikinstrument in der Schweiz, geriet danach in Vergessenheit und wurde erst seit den 1980er-Jahren anhand historischer Bildquellen und Tabulaturen von der Volksmusikforschung und -praxis wiederbelebt.
Wie klingt die Schweizer Sackpfeife?
Der Klang der Schweizer Sackpfeife ist nasal, schnarrend und durchdringend, mit einem kontinuierlichen, gehaltenen Bordunton, der die Melodie unterlegt, der typische, unverwechselbare Dudelsackklang. Diese Durchsetzungskraft machte den Dudelsack historisch zum idealen Instrument für Tanzmusik im Freien.
Woraus besteht die Schweizer Sackpfeife?
Das Instrument besteht aus einem luftdichten Balg aus Leder, der über ein Blasrohr mit Rückschlagventil vom Spieler aufgeblasen wird, sowie einer Melodiepfeife (Chanter) mit einfachem Rohrblatt und Grifflöchern für die Melodie. Meist ergänzt ein oder mehrere Bordunpfeifen mit eigenem Rohrblatt den Chanter um einen gehaltenen Grundton.
Der Balg, nicht ein bloßes Metallventil, wie in älteren Fehlbeschreibungen behauptet, ist das eigentliche funktionale Herzstück des Instruments: Er speichert die Luft und ermöglicht dadurch einen ununterbrochenen Klang, während der Spieler zwischendurch atmet. Im europäischen Vergleich fällt die Schweizer Sackpfeife eher klein und leise aus, deutlich zurückhaltender als etwa der schottische Highland-Dudelsack oder die französische Cornemuse, was sie besonders für den Stubeneinsatz und kleinere Ensembles geeignet macht.
Wie spielt man die Schweizer Sackpfeife?
Der Spieler bläst den Balg über das Blasrohr auf und hält ihn danach mit dem Arm unter gleichmäßigem Druck, sodass ein stetiger Luftstrom durch Chanter- und Bordunrohrblätter strömt, während er selbst frei atmen kann. Die Finger öffnen und schließen die Grifflöcher des Chanters, um die Melodie zu spielen; da der Balg die Tonerzeugung übernimmt, entsteht, anders als bei geblasenen Flöten oder Trompeten, ein ununterbrochener Klangfluss ohne Atempausen zwischen den Tönen. Eine Steuerung der Tonhöhe allein über Lippenspannung, wie in älteren Fehlbeschreibungen dargestellt, widerspricht dem Funktionsprinzip des Dudelsacks grundlegend.
Typische Musikstile mit der Schweizer Sackpfeife
Die Schweizer Sackpfeife war Teil der mittelalterlichen und frühneuzeitlichen Volks- und Hofmusik der Schweiz und begleitete Tänze und Umzüge, bevor sie, anders als etwa die schottische oder französische Dudelsacktradition, um 1700 weitgehend aus dem einheimischen Musikleben verschwand. Die heutige Revival-Szene rekonstruiert das Repertoire anhand historischer Tabulaturen und Bildquellen und spielt es meist im Ensemble mit Drehleier und Schalmei, oft im Rahmen von Volksmusikfestivals und musikhistorischen Vermittlungsprojekten. Institutionen wie das Haus der Volksmusik vermitteln die Geschichte und Bauweise der Schweizer Sackpfeife heute gezielt auch an Schulen und ein breiteres Publikum, um das über Jahrhunderte fast verschwundene Instrument dauerhaft im kulturellen Bewusstsein zu verankern.
Bekannte Lieder mit der Schweizer Sackpfeife
- "Der Bättler-Tantz & Proporz", historisches Tanzstück aus einer Samedaner Lautentabulatur von 1563, Teil des rekonstruierten Repertoires der heutigen Sackpfeife-Revival-Szene.
- Das Ensemble Tritonus, 1985 von Urs Klauser und Beat Wolf gegründet, veröffentlichte 1991 mit "Alte Volksmusik in der Schweiz" eine grundlegende Einspielung historischer Schweizer Tanzmusik mit Sackpfeife, Drehleier, Schalmei, Zister und Maultrommel.
- Historische Tanzformen wie Länder und Reihen, wie sie in alten Schweizer Tabulaturen überliefert und heute von Volksmusikensembles rekonstruiert werden.
- Zeitgenössische Auftritte auf Schweizer Volksmusikfestivals, bei denen die Sackpfeife im Ensemble mit anderen historischen Instrumenten das rekonstruierte Repertoire vor 1700 präsentiert.




