Der Berimbau ist ein brasilianischer Musikbogen mit einer einzigen Saite und stammt aus dem Nordosten Brasiliens. Ein gebogener Holzstab, die Verga, spannt einen Stahldraht, das Arame; eine getrocknete Kalebasse, die Cabaça, sitzt im unteren Drittel des Bogens und wirkt als Resonanzkörper. Die Saite streicht niemand, der Spieler schlägt sie mit einem dünnen Stäbchen an. In der Capoeira führt der Berimbau das Ensemble und gibt Tempo und Spielart vor.
Wie klingt ein Berimbau?
Der Berimbau klingt trocken, obertonreich und leicht metallisch, mit einem kurzen, pulsierenden Anschlag. Er kennt drei Grundklänge: den offenen Ton der frei schwingenden Saite, den höheren Ton bei fest angedrücktem Stein und einen schnarrenden Ton, bei dem der Stein die Saite nur streift. Wie weit der Spieler die Kalebasse vom Bauch weg bewegt, öffnet oder dämpft den Klang zusätzlich.
Wie ein Berimbau klingt, zeigen diese beiden Aufnahmen:
Wie ist ein Berimbau aufgebaut?
Der Berimbau besteht aus drei Bauteilen. Die Verga ist ein biegsamer Holzstab von rund anderthalb Metern Länge, den die gespannte Saite zum Bogen krümmt. Das Arame ist ein Stahldraht, den Capoeiristas traditionell aus dem Stahlgürtel eines Autoreifens gewinnen. Die Cabaça, eine getrocknete und ausgehöhlte Kalebasse, hängt mit einer Schnur am unteren Drittel des Bogens und verstärkt den Ton.
Dazu kommen die Spielwerkzeuge: die Baqueta, ein dünnes Holzstäbchen, der Dobrão, eine große Münze oder ein flacher Stein, und der Caxixi, eine geflochtene Korbrassel mit Samen darin. Den Caxixi hält der Spieler in derselben Hand wie die Baqueta, so klingt bei jedem Anschlag ein Rasseln mit.
Wie spielt man Berimbau?
Die linke Hand trägt den Bogen: Der kleine Finger hält die Verga, Daumen und Zeigefinger führen den Dobrão gegen die Saite. Die rechte Hand schlägt mit der Baqueta an und schüttelt gleichzeitig den Caxixi. Über den Abstand der Kalebasse zum Bauch steuert der Spieler, wie offen der Ton stehen bleibt.
Aus diesen wenigen Mitteln entstehen feste Rhythmusmuster, die Toques heißen. Jeder Toque trägt einen eigenen Namen und bestimmt in der Roda, dem Kreis der Capoeira, wie schnell und in welchem Stil die beiden Spieler in der Mitte agieren.
Welche Rolle spielt der Berimbau in der Capoeira?
In der Capoeira führt der Berimbau das gesamte Ensemble. Meist spielen drei Instrumente unterschiedlicher Größe zusammen: der tiefe Gunga hält den Grundrhythmus, der mittlere Médio setzt eine Gegenstimme, der hohe Viola improvisiert darüber. Dazu treten Gesang und Schlaginstrumente wie die Atabaque und das Agogo.
Der Berimbau eröffnet die Roda und beendet sie. Wechselt der führende Spieler den Toque, ändert sich das Spiel im Kreis unmittelbar. Über die Capoeira hinaus brachte der brasilianische Perkussionist Naná Vasconcelos den Berimbau in den Jazz.
Häufige Fragen zum Berimbau
Wie viele Saiten hat ein Berimbau?
Ein Berimbau hat genau eine Saite, einen gespannten Stahldraht. Die Tonhöhe ändert der Spieler nicht durch Greifen, sondern indem er einen Stein oder eine Münze von außen gegen die Saite drückt.
Ist der Berimbau ein Streichinstrument?
Nein, den Berimbau streicht niemand. Er trägt zwar eine Saite und zählt deshalb zu den Saiteninstrumenten, doch sein Ton entsteht durch den Schlag mit einem dünnen Holzstäbchen, der Baqueta.
Woher kommt der Berimbau?
Der Berimbau kommt aus Brasilien, sein Zentrum liegt im Nordosten des Landes und besonders in Bahia. Musikbögen dieser Bauart stammen ursprünglich aus Afrika und gelangten mit versklavten Menschen nach Südamerika, wo der Berimbau seine feste Rolle in der Capoeira fand.
Wozu dient der Caxixi beim Berimbau?
Der Caxixi ist eine geflochtene Korbrassel, die der Berimbau-Spieler in der Anschlaghand hält. Sie verdichtet den Rhythmus, weil zu jedem Schlag auf die Saite ein trockenes Rascheln tritt. Ohne den Caxixi wirkt der Toque merklich dünner.




