Berimbau

3 Min. Lesezeit
A Brazilian berimbau: a curved wooden bow with a steel wire string. Bild: KI generiert.
A Brazilian berimbau: a curved wooden bow with a steel wire string. Bild: KI generiert.

Zusammenfassung

Der Berimbau ist ein brasilianischer Musikbogen mit einer einzigen Saite. Ein gebogener Holzstab spannt einen Stahldraht, eine getrocknete Kalebasse dient als Resonanzkörper. Der Spieler streicht die Saite nicht, sondern schlägt sie mit einem dünnen Stäbchen an; ein Stein oder eine Münze an der Saite verändert die Tonhöhe. In der Capoeira führt der Berimbau das Ensemble und gibt Tempo und Spielart vor.

Der Berimbau ist ein brasilianischer Musikbogen mit einer einzigen Saite und stammt aus dem Nordosten Brasiliens. Ein gebogener Holzstab, die Verga, spannt einen Stahldraht, das Arame; eine getrocknete Kalebasse, die Cabaça, sitzt im unteren Drittel des Bogens und wirkt als Resonanzkörper. Die Saite streicht niemand, der Spieler schlägt sie mit einem dünnen Stäbchen an. In der Capoeira führt der Berimbau das Ensemble und gibt Tempo und Spielart vor.

Wie klingt ein Berimbau?

Der Berimbau klingt trocken, obertonreich und leicht metallisch, mit einem kurzen, pulsierenden Anschlag. Er kennt drei Grundklänge: den offenen Ton der frei schwingenden Saite, den höheren Ton bei fest angedrücktem Stein und einen schnarrenden Ton, bei dem der Stein die Saite nur streift. Wie weit der Spieler die Kalebasse vom Bauch weg bewegt, öffnet oder dämpft den Klang zusätzlich.

Wie ein Berimbau klingt, zeigen diese beiden Aufnahmen:

Wie ist ein Berimbau aufgebaut?

Der Berimbau besteht aus drei Bauteilen. Die Verga ist ein biegsamer Holzstab von rund anderthalb Metern Länge, den die gespannte Saite zum Bogen krümmt. Das Arame ist ein Stahldraht, den Capoeiristas traditionell aus dem Stahlgürtel eines Autoreifens gewinnen. Die Cabaça, eine getrocknete und ausgehöhlte Kalebasse, hängt mit einer Schnur am unteren Drittel des Bogens und verstärkt den Ton.

Dazu kommen die Spielwerkzeuge: die Baqueta, ein dünnes Holzstäbchen, der Dobrão, eine große Münze oder ein flacher Stein, und der Caxixi, eine geflochtene Korbrassel mit Samen darin. Den Caxixi hält der Spieler in derselben Hand wie die Baqueta, so klingt bei jedem Anschlag ein Rasseln mit.

Wie spielt man Berimbau?

Die linke Hand trägt den Bogen: Der kleine Finger hält die Verga, Daumen und Zeigefinger führen den Dobrão gegen die Saite. Die rechte Hand schlägt mit der Baqueta an und schüttelt gleichzeitig den Caxixi. Über den Abstand der Kalebasse zum Bauch steuert der Spieler, wie offen der Ton stehen bleibt.

Aus diesen wenigen Mitteln entstehen feste Rhythmusmuster, die Toques heißen. Jeder Toque trägt einen eigenen Namen und bestimmt in der Roda, dem Kreis der Capoeira, wie schnell und in welchem Stil die beiden Spieler in der Mitte agieren.

Welche Rolle spielt der Berimbau in der Capoeira?

In der Capoeira führt der Berimbau das gesamte Ensemble. Meist spielen drei Instrumente unterschiedlicher Größe zusammen: der tiefe Gunga hält den Grundrhythmus, der mittlere Médio setzt eine Gegenstimme, der hohe Viola improvisiert darüber. Dazu treten Gesang und Schlaginstrumente wie die Atabaque und das Agogo.

Der Berimbau eröffnet die Roda und beendet sie. Wechselt der führende Spieler den Toque, ändert sich das Spiel im Kreis unmittelbar. Über die Capoeira hinaus brachte der brasilianische Perkussionist Naná Vasconcelos den Berimbau in den Jazz.

Häufige Fragen zum Berimbau

Wie viele Saiten hat ein Berimbau?

Ein Berimbau hat genau eine Saite, einen gespannten Stahldraht. Die Tonhöhe ändert der Spieler nicht durch Greifen, sondern indem er einen Stein oder eine Münze von außen gegen die Saite drückt.

Ist der Berimbau ein Streichinstrument?

Nein, den Berimbau streicht niemand. Er trägt zwar eine Saite und zählt deshalb zu den Saiteninstrumenten, doch sein Ton entsteht durch den Schlag mit einem dünnen Holzstäbchen, der Baqueta.

Woher kommt der Berimbau?

Der Berimbau kommt aus Brasilien, sein Zentrum liegt im Nordosten des Landes und besonders in Bahia. Musikbögen dieser Bauart stammen ursprünglich aus Afrika und gelangten mit versklavten Menschen nach Südamerika, wo der Berimbau seine feste Rolle in der Capoeira fand.

Wozu dient der Caxixi beim Berimbau?

Der Caxixi ist eine geflochtene Korbrassel, die der Berimbau-Spieler in der Anschlaghand hält. Sie verdichtet den Rhythmus, weil zu jedem Schlag auf die Saite ein trockenes Rascheln tritt. Ohne den Caxixi wirkt der Toque merklich dünner.

Weitere Artikel in Streichinstrumente

Bifora

Bifora

Die Bifora ist ein traditionelles sizilianisches Holzblasinstrument aus der Familie der Doppelrohrblattinstrumente, verwandt mit der Oboe und der Schalmei. Sie stammt aus der Gegend um San Marco d'Alunzio in der Provinz Messina im Nordosten Siziliens und gilt als größere Schwester des Piffero, eines weiteren sizilianischen Doppelrohrblattinstruments. Der Korpus besteht aus einem einzigen, konisch ausgebohrten Stück Holz, an dessen oberem Ende ein Doppelrohrblatt aus Schilf sitzt.

Bratsche

Bratsche

Die Bratsche ist eines der bekanntesten Streichinstrumente und gleicht in ihrer Bauform der Violine - mit dem Unterschied, dass sie etwas größer ist. Folgerichtig gehört die Bratsche zur Familie der Violinen und übernimmt innerhalb dieser die Alt-Stimme. Man bezeichnet die Bratsche daher auch als Viola . Beiden Instrumenten gemeinsam sind die drei A-, D- und G-Saiten.

Cello

Cello

Das Cello ist das zweittiefste Streichinstrument der Violinfamilie. Sein vollständiger Name lautet Violoncello. Es hat vier Saiten, die in Quinten auf C, G, d und a gestimmt sind, und klingt damit eine Oktave tiefer als die Bratsche. Gespielt wird es sitzend, mit dem Korpus zwischen den Knien und dem Stachel als Stütze auf dem Boden.

Erhu

Erhu

Der Erhu ist ein zweisaitiges Streichinstrument aus China und gehört zur Huqin-Familie der chinesischen Streichinstrumente. Ein kleiner sechs- oder achteckiger Resonanzkörper trägt auf der Vorderseite eine Bespannung aus Pythonschlangenhaut oder, seit der Artenschutz strenger geworden ist, oft aus Kunststoff. Der lange Hals besitzt kein Griffbrett: Die Finger der linken Hand greifen die Saiten frei in der Luft, ohne Widerlager. Das Pferdehaar des Bogens läuft fest zwischen den beiden Saiten hindurch und lässt sich vom Instrument nicht trennen. Seit Liu Tianhua Anfang des 20. Jahrhunderts ein eigenes Solorepertoire begründete, klingt der Erhu neben Volksmusik und Pekingoper auch im modernen chinesischen Orchester und in Filmmusik.