Sirene

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Bild: Ukki Studio / Shutterstock.com
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Zusammenfassung

Die Sirene ist streng genommen kein klassisches Musikinstrument, sondern ein akustisches Signal- und Warngerät: ein freies Aerophon, das durch die periodische Unterbrechung eines Luft- oder Dampfstroms einen durchdringenden Ton erzeugt.

Die Sirene ist streng genommen kein klassisches Musikinstrument, sondern ein akustisches Signal- und Warngerät: ein freies Aerophon, das durch die periodische Unterbrechung eines Luft- oder Dampfstroms einen durchdringenden Ton erzeugt. Erfunden wurde sie 1819 von dem französischen Physiker Charles Cagniard de la Tour, der mit dem Gerät ursprünglich Tonfrequenzen exakt messen wollte; ihren Namen erhielt sie wegen ihrer Fähigkeit, den Ton auch unter Wasser hörbar zu machen – eine Anspielung auf die Sirenen der griechischen Mythologie. Rasch wurde das Prinzip als Warnsignal für Schiffe, Fabriken und später Feuerwehr, Polizei und Zivilschutz übernommen. Weder Tasten noch Saiten kommen bei der Sirene zum Einsatz, weshalb ihre Einordnung als Tasteninstrument schlicht falsch ist.

Sirene Klang

Der Klang der Sirene ist ein durchdringender, meist auf- oder abschwellender Heulton, dessen Tonhöhe direkt von der Drehgeschwindigkeit ihres Rotors abhängt: Je schneller sich die Scheibe dreht, desto höher der Ton. Diese charakteristische, gleitende Tonhöhenveränderung (Glissando) sowie die enorme erreichbare Lautstärke unterscheiden die Sirene von praktisch jedem klassischen Musikinstrument und machten sie überhaupt erst als weithin hörbares Warnsignal brauchbar.

Sirene Bau

Eine Sirene besteht im Kern aus zwei übereinanderliegenden Lochscheiben (Rotor und Stator), von denen sich eine dreht, während die andere feststeht. Wird Luft oder Dampf durch die Löcher beider Scheiben gepresst, entstehen bei jeder Überdeckung der Löcher kurze Druckstöße; reihen sich diese Druckstöße schnell genug aneinander, nimmt das menschliche Ohr sie als durchgehenden Ton wahr. Angetrieben wird der Rotor je nach Bauart durch den Luftstrom selbst, durch eine Handkurbel oder – bei modernen Sirenen – durch einen Elektromotor; ein Resonanzgehäuse kann den erzeugten Ton zusätzlich verstärken. Weder Ventile noch eine Spirale im heute gebräuchlichen Sinn noch ein federgetriebenes Anschlagsystem gehören zur Konstruktion – das Prinzip beruht ausschließlich auf der mechanischen Unterbrechung eines Luftstroms. Cagniard de la Tour nutzte sein Gerät ursprünglich nicht musikalisch, sondern wissenschaftlich: Mit der Sirene ließ sich erstmals eine exakt bekannte, veränderliche Tonfrequenz erzeugen und messen, wodurch sie unter anderem zur Bestimmung der Flügelschlagfrequenz von Insekten diente und als erste künstliche Schallquelle mit definierter Frequenz maßgeblich zur Entstehung der modernen Akustikwissenschaft beitrug.

Sirene Spielweise

Da die Sirene kein Instrument für melodisches Spiel ist, lässt sich ihr Ton nur grob steuern: über die Drehzahl des Rotors und damit die Tonhöhe sowie über Dauer und Lautstärke des Signals. Historische Handkurbel-Sirenen wurden von Hand angetrieben, wobei die Geschwindigkeit der Kurbelbewegung direkt die Tonhöhe bestimmte; moderne elektrische Sirenen werden dagegen über Schaltkreise gesteuert, die feste, oft auf- und abschwellende Signalmuster erzeugen. In der experimentellen und der Neuen Musik des 20. Jahrhunderts wurde die Sirene gezielt als perkussives Klangfarbeninstrument eingesetzt, wobei Komponisten die charakteristischen Glissando-Effekte bewusst in ihre Partituren einbauten.

Typische Musikstile mit dem Sirene

Als reines Alltags- und Warngerät gehört die Sirene keiner musikalischen Stilrichtung im eigentlichen Sinn an. Vereinzelt fand sie jedoch Eingang in die klassische Avantgarde des frühen 20. Jahrhunderts: Am bekanntesten ist ihr Einsatz in Edgard Varèses Percussion-Ensemble-Werk „Ionisation“ (1929–1931), das neben 13 Schlagzeugern zwei Sirenen vorschreibt, deren gleitende Töne zwischen den perkussiven Klängen schweben. Auch in der elektronischen Musik, im Filmscore und in Klanginstallationen wird der markante Sirenenklang bis heute als dramatisches Effektmittel eingesetzt. Weitaus größere Bedeutung erlangte die Sirene außerhalb der Kunstmusik als genormtes Alarmsignal: Im 20. Jahrhundert etablierten sich standardisierte Heultonmuster für Luftschutz- und spätere Zivilschutzwarnungen, deren charakteristisches Auf- und Abschwellen bis heute in vielen Ländern als öffentliches Warnsignal bei Katastrophen und Gefahrenlagen genutzt wird.

Bekannte Lieder mit dem Sirene

Da die Sirene kein Melodieinstrument ist, existieren keine „Lieder“ im klassischen Sinn – wohl aber einzelne bekannte Kompositionen und künstlerische Verwendungen: 1. Edgard Varèse – „Ionisation“ (1929–1931): das bekannteste Beispiel für den Einsatz von Sirenen in der konzertanten Musik, komponiert für 13 Schlagzeuger und zwei Sirenen. 2. George Antheil – „Ballet mécanique“ (1924): Die ursprüngliche Fassung dieses radikalen Werks für mechanische Instrumente sah ebenfalls Sirenenklänge vor. 3. Zivilschutz- und Alarmsirenen: standardisierte Signaltöne wie der deutsche Zivilschutz-Heulton sind bis heute die mit Abstand bekannteste Verwendung des Instruments im Alltag. 4. Filmmusik und Klanginstallationen: Sirenenklänge werden bis heute regelmäßig als dramaturgisches Stilmittel in Film- und Bühnenmusik eingesetzt. 5. Frühe elektroakustische und Musique-concrète-Experimente der 1950er-Jahre griffen wiederholt auf aufgenommene Sirenentöne als Klangmaterial zurück.

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