Die Kora ist ein 21-saitiges Harfenlaute-Instrument (Chordophon) aus Westafrika und gilt als eines der komplexesten Saiteninstrumente der Welt. Sie ist seit Jahrhunderten fest in der Griot-Tradition, Jaliya genannt, der Mandinka in Mali, Senegal, Gambia und Guinea verwurzelt, wo sie von Angehörigen bestimmter Musikerfamilien zur Begleitung von Gesang, Geschichtenerzählung und Preisliedern gespielt wird. Der Resonanzkörper besteht aus einer großen, längs halbierten Kalebasse, die mit Kuhhaut bespannt ist; ein langer Hals aus Hartholz durchdringt den Korpus. Die 21 Saiten sind in zwei parallelen Reihen beidseits eines hohen, gekerbten Stegs angeordnet, nicht, wie mitunter behauptet, in drei Gruppen zu je sieben Saiten, und werden ausschließlich mit Daumen und Zeigefingern beider Hände gezupft; ein Stock oder Schlägel kommt beim Kora-Spiel nicht zum Einsatz.
Kora Klang
Der Klang der Kora ist warm, glockig und harfenartig, mit einem weiten Ambitus von tiefen, resonanzreichen Bassläufen bis zu hellen, glitzernden Spitzentönen. Durch das ständige Wechselspiel beider Hände entstehen komplexe, polyrhythmische Texturen, die oft an Fingerstyle-Gitarre oder Flamenco erinnern und der Kora ihren charakteristisch hypnotisch-fließenden Klangcharakter verleihen.
Kora Bau
Der Korpus der Kora besteht aus einer großen, etwa halbierten Kalebasse, einem getrockneten Flaschenkürbis, deren offene Seite mit gegerbter Kuhhaut bespannt ist, vergleichbar dem Fell einer großen Trommel. Ein langer Hals aus Hartholz durchbohrt den Korpus vollständig und ragt am unteren Ende als Fußstütze heraus.
Auf dem Fell steht ein hoher, beidseitig gekerbter Steg, über den die 21 Saiten, traditionell aus Antilopenhaut-Streifen oder Nylonangelschnur, heute meist aus Nylon, in zwei parallelen Reihen zu je zehn beziehungsweise elf Saiten geführt werden: eine Reihe für die von der linken, eine für die von der rechten Hand gespielten Saiten. Traditionell werden die Saiten mit Lederringen gestimmt, die auf dem Hals verschoben werden; moderne Instrumente verwenden häufig zusätzlich Gitarrenmechaniken.
Kora Spielweise
Der Spieler sitzt und hält die Kora aufrecht vor dem Körper, wobei beide Hände zwei parallel zum Hals angebrachte Griffstäbe umfassen. Mit Daumen und Zeigefinger jeder Hand werden ausschließlich die Saiten auf der jeweils eigenen Seite des Stegs gezupft, die linke Hand spielt die Saiten der linken Reihe, die rechte Hand die der rechten Reihe, die übrigen Finger stützen sich am Griffstab ab. Ein Stock oder Schlägel wird beim Kora-Spiel nicht verwendet; die gelegentlich kolportierte Bezeichnung „Konting" für eine Streich- oder Stocktechnik ist eine Verwechslung, der Konting ist ein eigenständiges, kleineres Lauteninstrument der Mandinka und hat mit der Spieltechnik der Kora nichts zu tun.
Grundlage nahezu jeden Kora-Stücks ist der Kumbengo, ein sich wiederholendes, ostinatoartiges Begleitmuster, über dem der Spieler improvisierte, virtuose Variationen und melodische Läufe entwickelt. Diese Kombination aus fester Begleitfigur und freier Improvisation ist charakteristisch für die Musik der Jali und ermöglicht sowohl die Begleitung von Gesang als auch ausgedehnte solistische Darbietungen.
Typische Musikstile mit dem Kora
Die Kora ist das Leitinstrument der Griot-Tradition der Mandinka-Völker in Mali, Senegal, Gambia und Guinea, wo sie seit Jahrhunderten von Berufsmusikern zur Begleitung von Preisliedern, Genealogien und historischen Erzählungen gespielt wird. Sie ist zentral für Zeremonien wie Hochzeiten und Namensgebungen sowie für die mündliche Überlieferung von Geschichte.
Seit den 1980er-Jahren hat sich die Kora auch international etabliert und wird heute regelmäßig mit Jazz, Weltmusik, Flamenco und klassischer Kammermusik kombiniert, etwa in den vielfältigen Kollaborationen von Toumani Diabaté mit internationalen Jazz-, Flamenco- und Popmusikern.
Bekannte Lieder mit dem Kora
- „Kaira" – Titelstück von Toumani Diabatés 1988 veröffentlichtem Solo-Debütalbum, dem ersten reinen Solo-Kora-Album der Aufnahmegeschichte, zugleich ein traditionelles, weit verbreitetes Kora-Repertoirestück.
- „New Ancient Strings" (1999) – gemeinsames Duo-Album von Toumani Diabaté und Ballaké Sissoko, das die Kora-Traditionen ihrer jeweiligen Väter fortführt.
- Foday Musa Suso – gambischer Kora-Meister, bekannt für Kollaborationen mit Herbie Hancock, Philip Glass und Bill Laswell, die die Kora in Jazz und zeitgenössische Musik einführten.
- Mamadou Diabaté – Kora-Spieler, dessen Album „Douga Mansa" 2010 den Grammy Award für das beste traditionelle Weltmusik-Album gewann.




